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Brandenburg: Akutes Laden-Sterben in der City

20 leere Geschäfte Brandenburg: Akutes Laden-Sterben in der City

Mehr und mehr Geschäfte stehen in den beiden Haupteinkaufsstraßen der Brandenburger Innenstadt leer. An 20 Läden prangen Schilder „Nachmieter gesucht“. Zuletzt hat vor wenigen Tagen Mandy Karow ihr Geschäft „Scriptum“ geschlossen, weil sie von den Einnahmen nicht mehr leben konnte. Stadtverwaltung und Citymanagement ringen um Lösungen.

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Mandy Karow beim Räumungsverkauf. Sie hat ihr Geschäft Scriptum nicht halten können.

Quelle: Marion von Imhoff

Brandenburg/H. In Brandenburg an der Havel hat ein Geschäftesterben eingesetzt. Unübersehbar sind die leerstehenden Läden. „Nachmieter gesucht“, prangt an den Scheiben. 20 Geschäfte stehen allein in der Stein- und der Hauptstraße leer, teils schon seit Jahren. Jüngste Schließung: Das Papier- und Geschenkefachgeschäft Scriptum an der Ecke Stein-, Sankt-Annen-Straße.

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Allein in der Stein- und der Hauptstraße in Brandenburg an der Havel, den Haupteinkaufsmeilen in der Havelstadt, stehen 20 Läden leer. Damit ist dort jedes zehnte Geschäfte betroffen.

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„Es reicht halt nicht mehr, ich kann davon nicht mehr leben“, sagt Inhaberin Mandy Karow (39). „Traum erfüllt, Traum geplatzt.“ Nebenan der Jack-Wolfskin-Laden zog schon vor Monaten aus. Auch die Stadtverwaltung registriert das Geschäftesterben.

Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) spricht von erkennbar und „tendenziell abnehmender Qualität der gewerblichen Nutzung“ rund um die Jahrtausendbrücke und der Steinstraße Richtung Steintorturm. „Wenig Fachgeschäfte und ein relativ hoher Leerstand führen zu einer geringen Frequentierung. Zahlreiche Versuche, den hohen Leerstand in diesen Bereichen zu bekämpfen, haben bisher nicht zum gewünschten Erfolg geführt“, so Scheller zur MAZ.

Wenig Fachgeschäfte, hoher Leerstand

Auch die Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft Brandenburg mbH (STG) versucht gegenzusteuern: Citymanagerin Christin Helwich sagte der MAZ, „wir bedauern, dass einzelne Läden ihr Geschäft, beziehungsweise ihre Filiale aufgeben müssen.“ Die Gründe für den einzelnen Leerstand seien „individuell und vielschichtig“. Einer etwa sei der demografische Wandel, kurz, nicht wenige Händler erreichen das Rentenalter. Lage und Mietkonditionen spielten aber auch eine Rolle.

Mandy Karow hatte ihr Geschäft im Oktober 2012 eröffnet. „Ein Jahr lief es okay, aber dann war es vorbei“, schildert die gelernt Einzelhandelskauffrau die Entwicklung. „Die Leute sind satt und verwöhnt, alles ist ihnen zu teuer.“ Ihre Prognose angesichts des Online-Handels: „Irgendwann gibt es den Einzelhandel nicht mehr.“ Miete, Strom, Fixkosten, Gehalt für eine Mitarbeiterin und eine Aushilfe. „Keine Freizeit, kein Urlaub war mehr drin.“

Zahlen und Fakten

Die Anzahl der Gewerbebetriebe in der Stadt Brandenburg sind nach Angaben der Verwaltung rückläufig. Waren es am 31. Dezember 2013 noch 4348, sind es mit Stichtag 31. Dezember 2015 nur noch 4221 Händler und Dienstleister. Das gab Angelika Jurchen von der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt bekannt.

In der City steht jedes zehnte Geschäft leer, insgesamt sind es 20. Der Einkaufsführer des Citymanagements listet in der Haupt- und Steinstraße 118 Händler, Restaurants, und Cafes auf. Die Zahl der Gewerbebetriebe ist in diesen beiden Straßen laut Stadtverwaltung leicht rückläufig. Dazu zählt Industrie und Handwerk, also nicht nur Geschäfte.

Gordian Rusch, Vize-Vorsitzender des Gewerbevereins Brandenburg mit 60 Mitgliedern, bestätigt, dass der Online-Handel „allen Innenstadthändlern“ zu schaffen mache. Generell zeichne sich der die Händlerschaft in der Havelstadt durch eine Mehrheit an inhabergeführten Läden aus, weniger durch Ketten und Filialen, sagt Rusch. „Die Bundesgartenschau im vorigen Jahr hat leider nur der Gastronomie, weniger den Geschäften genutzt.“

Übermächtiger Onlinehandel

Der Gewerbeverein hofft auf eine Wohnbebauung auf dem Packhofareal, „das würde dem Handel in der Innenstadt gut tun“, so Rusch. Bürgermeister Scheller hält jede Entwicklung des Packhofareals für günstig für die Innenstadt-Belebung. Generell zeichne sich der die Händlerschaft in der Havelstadt durch eine Mehrheit an inhabergeführten Läden aus, weniger durch Ketten und Filialen.

Leeres Geschäft in der Steinstraße

Leeres Geschäft in der Steinstraße.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Einig sind sich Rusch und Scheller, dass die vor sechs Jahren eröffnete Sankt-Annen-Galerie nicht zum Ladensterben mit beigetragen hat. Das Gegenteil sei der Fall. „Das Center übernimmt für die gesamte Innenstadt eine wichtige Magnetfunktion“, sagt Scheller. Es erzeuge eine Kundenfrquenz, die auch für die kleinstrukturierten Einzelhandelsbetriebe im Standortumfeld maßgeblich ist. „Insbesondere der Hauptgeschäftsbereich der Steinstraße und der Hauptstraße bis zur Einmündung Grabenstraße profitiert davon.“

Einkaufscenter soll nicht Schuld sein

Um den Trend der leeren Geschäftsflächen zu stoppen, plädiert Citymanagerin Helwich für Aktionen wie Garten-Markt, Fashion-Day, verkaufsoffene Sonntage und Shoppingnächte. Das fördere die Attraktivität und „Aufenthaltsqualität“ in der Innenstadt. Bürgermeister Scheller erhofft sich von dem Einzug von Penny-Filiale im Sommer in das frühere, seit mehr als zwei Jahren leer stehende C&A-Gebäude in der Jacobstraße einen Aufschwung in der nahen Steinstraße. Sorgenkinder aber sind für die Stadt die frühere Spar-Kaufhalle und des einstige Trend-Haus in der Hauptstraße. „Zahlreiche Vermittlungsversuche der städtischen Wirtschaftsförderung an die Hauseigentümer scheiterten“, so Scheller.

Auch hier

Auch hier: Gähnende Leere.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Mandy Karow hat ihr Geschäft schon leer geräumt und fängt nun bei einer Möbelfiliale an zu arbeiten. Die letzten Tage als Inhaberin eines eigenen Ladens waren durchwachsen: „Ich wurde beschimpft, dass ich hier aufgebe, ich habe Blumen geschenkt und eine Stammkundin weinte sogar.“

Von Marion von Imhoff

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