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Brandenburg: Grabenwasser für Dampfloks

170 Jahre Eisenbahn Brandenburg: Grabenwasser für Dampfloks

1927 fuhren am Tag fast 90 Züge am Tag durch den damaligen Reichsbahnhof und heutigen Hauptbahnhof in Brandenburg. Die Dampfloks brauchten viel Wasser für den nötigen Druck in ihren Kesseln. Wasser für 700 Badewannen passten in den Tank einer Dampflok. Eine Karte des Brandenburger Stadtarchivs zeigt, wie sich die Reichsbahn dafür an einem Wasserlauf bediente.

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Anke Richter leitet das Stadtarchiv.

Quelle: M. v. Imhoff

Brandenburg/H. Sie düsten und zockelten über alle Gleise Europas und natürlich auch durch die Stadt Brandenburg entlang der Bahnlinie Berlin-Magdeburg: Dampflokomotiven. Damit diese rollten, brauchten sie jede Menge Wasser im Tank. 175 volle Badewannen oder gut 33 000 Liter Wasser passten in den Tank einer Dampflok für einen Schnellzug. Doch woher kam all das Wasser? Auch aus dem Jakobsgraben.

Eine Karte aus dem Brandenburger Stadtarchiv von 1929 zeigt das anschaulich. Darauf verweist Anke Richter, die Leiterin des Stadtarchivs. Feinsäuberlich mit Füller sind auf dem Papier die Wasserrechte aufgezeichnet. Der letzte handschriftliche Eintrag stammt von 1931.

Tag der Archive am Samstag

Am Samstag ist diese Karte Teil der Veranstaltung zum Tag der Archive im Altstädtischen Rathauses in Brandenburg. Der gebürtige Brandenburger Stefan Menzel, hauptberuflich Privatdozent, wird über 170 Jahre Eisenbahn-Geschichte referieren.

Am 2. August 1846 bekam Brandenburg den ersten Eisenbahnanschluss. Fünf Tage später wurde er feierlich eröffnet. Am 19. August 1846 rollten bereits die ersten Züge Richtung Köln, Belgien und die Niederlande. Im Dezember des gleichen Jahres passierten täglich vier Züge den Brandenburger Hauptbahnhof, der damals noch Reichsbahnhof hieß.

170 Jahre Eisenbahn

Der Tag der Archive beginnt in Brandenburg an der Havel am Samstag, dem 5. März, um 10 Uhr im Rolandsaal des Altstädtischen Rathauses. Die Mitarbeiter des Brandenburger Domstiftsarchiv und des Stadtarchivs erwarten etwa 100 Interessierte.

Über 170 Jahre Eisenbahn in Brandenburg hält Stefan Menzel einen Vortrag. Klaus Neitmann berichtet von Pfarrarchiven als verborgene Fundgrube der Ortsgeschichte. Der gebürtige Perleberger Uwe Czubatynski spricht über die Geschichte seiner Heimatstadt.

1852 dampfte der erste Schnellzug durch die Havelstadt mit rund 70 Stundenkilometer Geschwindigkeit. Es folgte im Jahr darauf der zweigleisige Teilausbau der Strecke. Um 1900 waren vier Lokomotiven in Brandenburg stationiert, 1927 waren es 20. Viel Wasser also musste aus dem Jakobsgraben gezapft werden, um für den nötigen Druck in den Kesseln sorgen zu können.

Eine Akte von 1896 veranschaulicht einen Geländetausch zwischen der Stadt Brandenburg und dem Land Preußen. Grund dafür war die Umverlegung des Jakobsgrabens, damit das Wasser besser für den Bahnbetrieb genutzt werden konnte.

Erster Schnellzug im Jahr 1852

Auf der Karte von 1929 ist auch der Wasserturm zu erkennen. Er stand bis 1945 dort, wo heute Gleis 1 endet. An andere Stelle aufgebaut, steht er heute unter Denkmalschutz 1927 passierten 20 Güterzüge, 50 Personen- und 16 Schnellzüge durch den Brandenburger Reichsbahnhof. Genau 569 273 Fahrkarten gingen in diesem Jahr über den Verkaufsschalter des Bahnhofs. Zu DDR-Zeiten musste das Gleisnetz auf der Strecke Berlin-Magdeburg nach der Kriegszerstörung wieder zweigleisig ausgebaut werden.

108 Reisezüge passierten die Stadt Brandenburg am Tag, darunter auch die Transitzüge von Helmstedt zum Bahnhof-Zoo in West-Berlin. Einsteigen konnte in Brandenburg in diese Züge niemand. Sie machten keinen Halt auf der Strecke.

Von Marion von Imhoff

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