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Brandenburg: Gut 70 Tiere gerettet

Veterinäramt beschlagnahmt Haustiere Brandenburg: Gut 70 Tiere gerettet

Der Brandenburger Amtstierarzt Knut Große und seine Mitarbeiter haben im vorigen Jahr allein 18 verwahrloste und vernachlässigte Hunde aus Wohnungen herausgeholt. Zudem beschlagnahmten sie 33 Katzen und 15 Kleintiere, weil diese bei ihren Besitzern unter erbärmlichen Bedingungen lebten.

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Ein trauriger Hundeblick aus einem Tierheimzwinger. Gerettete Tiere müssen dort erst wieder aufgepäppelt werden.

Quelle: dpa-Zentralbild

Brandenburg/H. So erbärmlich ist es rund 70 Haustieren im vorigen Jahr in Brandenburg an der Havel bei ihren Haltern gegangen, dass das städtische Veterinäramt sie retten musste. Nach Angaben von Amtstierarzt Knut Große wurden 2015 genau 18 Hunde, 33 Katzen und 15 Kleintiere „sichergestellt“. So heißt das im Amtsdeutsch. Sie wurden von Mitarbeitern des Veterinäramtes beschlagnahmt und in eines der beiden Tierheime in Brandenburg gebracht. Im Jahr zuvor waren es sogar noch mehr Tiere, darunter allein 74 Katzen.

Franjo, ein verwilderter und scheuer Chow-Chow-Mischling, ist ein Hund, der einem Tier-Messi weggenommen werden musste. Animal Hoarding nennen Tierschützer das krankhafte Halten mehrerer Tiere auf engem Raum. Die Vierbeiner leben häufig in ihrem eigenen Kot, ohne tierärztliche Versorgung und ausreichend Futter und Wasser.

Offene Wunden und unbehandelte Krankheiten

Es sind nicht selten auch überforderte Züchter, bei denen gleich mehrere Hunde und Katzen abgeholt werden müssen. Aber es kann auch um einzeln gehaltene Tiere gehen. Die Tiere leiden unter offenen Wunden, Krankheiten, Unterernährung, vereiterten Ohren oder anderen Symptomen, die längst einer dringenden tierärztlichen Behandlung bedurft hätten.

Ob es einem Hund oder einer Katze schlecht geht, das erkennen viele Menschen schnell. Ein Hund jault in der Wohnung, winselt stundenlang. Oder es fällt eine völlig unterernährte Katze auf. So kamen die Hinweise auf die nicht artgerechte Haltung der Tiere an den Amtstierarzt meist aus der Nachbarschaft. Große spricht von „schlechter Haltung, vernachlässigten Tieren und schwerwiegenden Verhaltensstörungen“ der Vierbeiner, die aus diesen Umständen resultieren. In einigen Fällen, vor allem dann, wenn es sich um mehrere Tiere handelt, sind es Feuerwehrleute, die die Tiere aus den Wohnungen holen. Das seien teils schon „desolate Wohnungen“, zu denen sie dann ausrücken müssten, sagt Uwe Hohn, Vizechef der Brandenburger Berufsfeuerwehr.

Das Veterinäramt kommt erneut zum Vorort-Termin

Ob Bello und Mieze wieder zurück zu ihren Haltern dürfen, hängt davon ab, ob diese die Anforderungen des Paragrafen 2 des Tierschutzgesetzes später erfüllen können. In der Norm heißt es, dass ein Tier „seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht unterzubringen ist“. Laut Große kommen eine Vielzahl der geretteten Tier aus völlig verwahrlosten Haushalten. Teilweise fand sich kein Futter für die Tiere in den Wohnungen. So ist auch ein weiterer Vorort-Besuch eines Veterinäramtsmitarbeiters nötig.

„Wir handeln auf Anweisung des Veterinäramtes, ob ein Tier zurückgegeben wird oder nicht“, sagt Anja Linckus, Vorstandsmitglied im Tierschutzverein Brandenburg an der Havel. Über einzelne Tierschicksale zu sprechen, lehnt Linckus ab: „Das sind schwebende Verfahren.“

Weinende Hundehalter wissen sich keinen Rat mehr

Ein paar der Besitzer sind auch selbst zu der Einsicht gelangt, dass das Tier bei ihnen nicht mehr gut aufgehoben ist. „Einige Hundehalter aus dem vergangenen Jahr weinten, wussten sich aber im Sinne ihres Tieres keinen anderen Rat mehr“, berichtet Anja Linckus. „Tierhalter, die den Weg in ein Tierheim gehen, um ein Tier abzugeben, sind in der Regel in mehrerlei Hinsicht in großer Not.“

Linckus wünscht sich angesichts der großen Zahl auch von verwahrlosten Hunden und Katzen, die ins Tierheim in der Caasmannstraße kommen, mehr gleichgesinnte Mitstreiter: „Woran es fehlt, sind aktive Mitglieder im Tierschutzverein, die sich für unsere vierbeinigen Schützlinge einsetzen.“ Anders als oft angenommen, „ist auch unser Tierheim nicht kommunal, sondern muss sich ausschließlich über Spenden, Fördermittel und Mitgliedsbeiträge des Tierschutzvereins Brandenburg an der Havel finanzieren und lebt vom ehrenamtlichen Engagement“, sagt Linckus. Wichtige Bauvorhaben, um die Bedingungen im Tierheim zu verbessern, seien nur nach und nach möglich.

Elend durch Tiermessies

Bundesweit gibt es Animal Hoarding, das Halten vieler Haustiere auf engem Raum. Der Deutsche Tierschutzbund mit Sitz in Bonn zählte zwischen 2012 und September vorigen Jahres 117 solcher Fälle. 8829 Tiere wurden dabei beschlagnahmt. Im Durchschnitt hielt jeder der Tiermessies 75 Tiere. Das sind nur die bekannt gewordenen Fälle. „Die tatsächliche Zahl liegt viel höher“, sagt Lea Schmitz, Pressereferentin des Deutschen Tierschutzbundes.

„Die oftmals psychisch belasteten Halter neigen dazu, nach einer Wegnahme der Tiere, wieder und wieder neue Tiere bei sich aufzunehmen“, so Lea Schmitz. Am häufigsten betroffen waren Katzen.

 

Von Marion von Imhoff und Marisa Lutzens

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