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Brandenburg/Havel Im Gymnasium am Dom gibt’s jetzt Chinesisch
Lokales Brandenburg/Havel Im Gymnasium am Dom gibt’s jetzt Chinesisch
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16:02 06.12.2018
Mit ganzem Einsatz: Chou Chih-Ying (Mitte) unterrichtet Chinesisch am Domgymnasium. Quelle: Foto: Ansgar Nehls
Brandenburg/H

Zur Begrüßung wird gesungen. Als Einstimmung auf den Unterricht stimmen die Schüler des Evangelischen Gymnasiums am Dom ein chinesisches Kinderlied an. Lehrerin Chou Chih-Ying gibt den Ton vor. Seit diesem Schuljahr bringt die Taiwanesin den Schülern Chinesisch bei – als dritte Fremdsprache im Wahlpflichtfach ab der neunten Klasse. Das evangelische Gymnasium am Dom ist damit die erste Schule in der Region, die die am häufigsten gesprochene Sprache der Welt anbietet.

Chou selbst hat schon Erfahrung mit deutschen Schülern. In Chemnitz leitete sie jahrelang Chinesisch-AGs an Schulen, im Sommer dann wechselte sie nach Brandenburg. Für ihr Studium der Germanistik und der interkulturellen Kommunikation kam Chou einst nach Deutschland – und wechselte als Quereinsteigerin ins Lehramt.

Im Unterricht wird längst nur noch Chinesisch gesprochen

In ihrem Unterricht ist die für Brandenburger Ohren ungeübte Sprache längst selbstverständlich geworden. Mit den Schülern spricht sie fast ausschließlich Chinesisch. Nur gelegentlich rutschen ein paar kurze deutsche Sätze dazwischen, wenn Vokabeln oder Satzkonstruktionen unklar sind. Die Schüler stellen sich gegenseitig Fragen in der gar nicht mehr so fremden Sprache und lesen aus dem Schulbuch vor. Manchmal dann geht Chou dazwischen, korrigiert die Aussprache, wenn es beim Übergang zwischen den Vokalen noch ein wenig hapert. Einmal malt sie mit den Fingern ein „V“ in die Luft – zur Beschreibung der Aussprache: Hohe Betonung, dann die Stimme senken, dann wieder heben. Die Schüler sprechen ihr nach – und gleich klingt es viel flüssiger.

Chinesische Teezeremonie beim Tag der offenen Tür

Wer mehr über den Chinesisch-Unterricht am Domgymnasium und die Kooperation mit der Schule in Shanghai wissen möchte, kann dies am Freitag, den 14. Dezember tun. Dann öffnet die Schule von 16 bis 19 Uhr ihre Türen.

Dann steht auch Lehrerin Chou Chih-Ying für Gespräche und Hintergrundinformationen zur Verfügung und in der Schule wird der Raum des Chinesisch-Unterrichts besonders hergerichtet. Als Highlight gibt es eine klassische chinesische Tee-Zeremonie.

Das Domgymnasium führt als freie Schule ein Aufnahmeverfahren durch. Anmeldungen für das neue Schuljahr müssen bis zum 7. Januar eingereicht sein.

Immer hat Chou dabei ein Lächeln auf den Lippen. Sie lacht mit den Schülern, strahlt viel Freude beim Unterrichten aus. Und immer wieder schreibt sie chinesische Schriftzeichen an die Tafel. „Einige Zeichen stammen im Chinesischen aus der Natur. Sie sind wie Piktogramme und deswegen gar nicht so schwer wie sie aussehen“, sagt Chou.

Der Schulleiter sitzt mit im Unterricht – und hat die Hausaufgaben nicht gemacht

Mitten unter den Schülern sitzt auch Winfried Overbeck und schreibt die Zeichen von der Tafel ab. Der Direktor des Domgymnasiums sitzt freiwillig selbst im Unterricht bei Chou – und, das muss hier gepetzt werden: Er hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Ansonsten aber ist er engagiert und mit Verve bei der Sache, meldet sich, liest aus dem Buch vor und fügt sich als Schulleiter ohne Allüren nahtlos in die Schülerschaft ein.

Wenn der Rektor in der letzten Reihe sitzt: Winfried Overbeck (3. v. r.) sitzt freiwillig im neuen Chinesisch-Unterricht. Quelle: Ansgar Nehls

Dabei hat Overbeck schon einen kleinen Wissensvorsprung. Seit nun schon fünf Jahren besteht zwischen dem Domgymnasium und der Zhongguang High School in Shanghai eine Schulpartnerschaft. Overbeck war selbst vielfach dort: „Da sind mittlerweile sehr herzliche, intensive Beziehungen entstanden“, sagt Overbeck. Einmal im Jahr besuchen sich Teile des Lehrerkollegiums und der Schülerschaft gegenseitig, lernen Sprache, Lehrgewohnheiten und Kultur kennen. Beim vergangenen Besuch im Oktober hielt Overbeck sogar eine kleine Begrüßungs- und eine Abschiedsrede – auf Chinesisch.

Kooperation mit der Partnerschule läuft schon seit 2013

Die Kooperation mit der High School in Shanghai hat dabei immer auch einen kleinen Wettbewerbs-Charakter, erzählt der Schulleiter. „In diesem Sommer ist Frau Chou als Übersetzerin mit nach China geflogen“, sagt Overbeck. Im Gegenzug habe die chinesische Schule dann einen Professor aus den USA einfliegen lassen – ebenfalls als Übersetzer. Der Wettbewerb sei dabei immer freundschaftlich, betont Overbeck. „Aber vielleicht ist unser Chinesisch-Unterricht jetzt der erste kleine Schritt, damit dort in Zukunft auch Deutsch angeboten wird.“

So schwer sind die Schriftzeichen gar nicht, sagt Lehrerin Chou Chih-Ying. Manche seien der Natur nachempfundene Piktogramme. Quelle: Ansgar Nehls

Chou Chih-Ying wird für das Domgymnasium die Koperation in Zukunft koordinieren. Vorher aber will sie ihren Schülern noch mehr Chinesisch beibringen. „Die Schüler lernen so schnell und können so viel aufnehmen. Für die ist eine neue Sprache gar kein Problem.“ Und auch die Schüler sind mit Freude dabei: „Chinesisch ist mal etwas ganz anderes“, sagt Schülerin Alisa. „Das ist einfach cool.“

Von Ansgar Nehls

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