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Brandenburg/Havel Brandenburg: In zehn Minuten 50 Jahre älter
Lokales Brandenburg/Havel Brandenburg: In zehn Minuten 50 Jahre älter
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19:01 28.11.2016
Noch haben Steve und Jenny gut Lachen. Der Age-Man-Anzug macht aus dem jungen Mann in wenigen Minuten einen schwerfälligen Senior.   Quelle: Benno Rougk
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Brandenburg/H

 Die Gelenke sind steif, die sieben Sinne längst nicht mehr wie gewohnt beieinander. Steve Engel (20) ist in zehn Minuten zum Greis geworden. Nun bereitet es ihm Mühe aufzustehen oder sich zu setzen, im Rollstuhl wirkt jede seiner Bewegungen so, wie man sie von denen alter Menschen im Straßenbild kennt. Natürlich ist Steve nicht wirklich verfallen. Seine Mitschülerin Jenny Engel (17) und Christiane Soyeaux vom Landesamt für Innere Mission (Lafim) haben ihm dicke Bandagen um Knie, Rumpf und Armgelenke gelegt.

Mehrgewicht verdeutlicht den Muskelschwund

 Sie haben ihm einen bleischweren Anzug übergeholfen, Ohrschützer für Baggerfahrer und einen Helm über den Kopf gestülpt, der sein Sichtfeld verkleinert und ein gelbes Visier hat, das die Augentrübung im Alter simuliert. Dass Steve nun aussieht wie ein Michelin-Männchen, wie Soyeaux es nennt, dient nicht der Belustigung seiner 16 Mitschüler, die sich an diesem Montag im Oberstufenzentrum Alfred Flakowski versammelt haben. Die angehenden Sozialassistenten sollen auf Geheiß ihrer Lehrerin Anke Tiburski eine Zeitreise in die Welt der Senioren unternehmen. Die jungen Menschen sind gegenwärtig im Praktikum. Steve betreut Senioren im Haus Wilhelmsdorf, Jenny im Pflegeheim Alexa. Der junge Mann ist ein Gemütsmensch. Ohne zu murren erträgt er den Tunnelblick und den Umstand, dass er fast nicht hört, was seine Mitschüler zu ihm sagen. Sein Körper, sichtlich im Fitness-Center trainiert, spielt zwar mit, als Steve den Raum läuft oder versucht Treppen zu steigen. Doch alles passiert nur noch zeitverzögert. Die Folge: Ebenso wie das Umfeld wird auch der Betroffene ungeduldig.

Jeder Sturz ist eine Gefahr für das Leben

„Age-Man-Anzug“, heißt das Kostüm, das Christiane Soyeaux mitgebracht hat. Es soll, wie sie und Anke Tiburski sagen, den Berufsschülern Empathie vermitteln und sie für die Probleme alter Menschen sensibilisieren. Die Zeit wird nicht reichen an diesem Vormittag um alle Schüler einmal zum Greis oder zur Greisin zu machen. Aber es wird für alle deutlich, was es heißt, wenn die Muskelmasse Jahr für Jahr schwindet, die Koordination nachlässt und der Blick getrübt ist, die Angst vor Stürzen wächst.

Die angehenden Sozialassistenten – wobei für einige OSZ-ler diese Ausbildung nur der Einstieg in eine weitere Berufsbildung im Betreuungs- oder Pflegebereich sein wird – müssen fit gemacht werden für einen riesigen Markt. Keine Stadt im Osten ist vom Altersdurchschnitt her älter als Brandenburg an der Havel. Ein Alten- oder Pflegeheim nach dem anderen wird gebaut. Der Mangel ist Programm. „Wer jetzt geboren wird, wird 110“, sagt Christiane Soyeaux. Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel bei Ärzten und Pflegepersonal wird von den 17 OSZ-lern nicht aufzuhalten sein, gerade weil auch hier in Brandenburg die Menschen immer älter werden und die Jungen oft fortziehen oder fortgegangen sind.

Empathie bei jungen Menschen wecken

Empathie im Alltag und im Pflegeheim, das müssten die jungen Menschen dringend Mitbringen. Hilfe zur Selbsthilfe sei immens wichtig. Und vor allem Geduld. Denn wer die Betroffenen „überpflege“, weil er ihnen – was oft schneller gehe – alles abnehme, beschleunige den Verfall. Der Age-Man-Anzug simuliert die Gebrechen eines Seniors über 70 Jahre. Viele dieser Menschen hören oft nur einen Bruchteil von dem, was ihnen ihre Umwelt rät. Selbst das Zeitunglesen wird im Sitzen zur Qual, wie Steve demonstriert. Das Papier lässt sich kaum falten, die Bücher fallen auseinander. „Fernsehen wäre leichter“, sagt er. „Ja, ja – das hieße, sich einfach berieseln zu lassen“, sagt Christiane Soyeaux. Eine ganze Reihe von Beispielen hat die Expertin noch parat: Sie erzählt von den demütigenden Momenten an der Supermarktkasse, wenn die kleinen Münzen sich nicht mehr greifen lassen, weil die Finger steif werden und das Gefühl in den Kuppen nachlässt. Dass sie oft nicht mehr die Preise an den oberen Regalen lesen können oder daran heranreichen, weil der Körper vom Alter gebeugt ist, wird den Schülern jetzt nach und nach klar.

„Ich bin froh, dass ich noch jung bin!“

„Ich bin froh, dass ich noch jung bin“, sagt Steve erleichtert als er wieder auf seinem Stuhl sitzt. Für Jenny, die sich wirklich rührend um ihren Mitschüler gekümmert hat, war die Vorführung keine Überraschung: „Das sind die Bewegungen der Menschen, die ich aus dem Heim kenne.“

Klettverschlüsse für Schuhe, Kleidung mit wenigen Knöpfen, große Griffe und Tasten, größere Schriften – all das sind Dinge, die im Zuge der Altersforschung in den vergangenen Jahren vermehrt im Alltag Einzug hielten. Und doch verwundert – gerade mit Blick auf dieses einfache Experiment – wie ignorant Hersteller vieler Produkte und Dienstleistungen noch immer dieser immer größer werdenden Gruppe von Menschen gegenüberstehen.

Auch wenn an diesem Montagvormittag im Unterricht von Anke Tiburski viel gelacht und mild gespottet wird: Die künftigen Sozialassistenten haben ihre Lektion gelernt.

Von Benno Rougk

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