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Brandenburg/Havel Archäotechnica lässt ihre Besucher in die Bronzezeit eintauchen
Lokales Brandenburg/Havel Archäotechnica lässt ihre Besucher in die Bronzezeit eintauchen
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16:38 12.08.2018
Jörg Nadler aus Schleswig führt auf der Archäotechnica vor, wie ein Fischer in der Bronzezeit ausgestattet war. Quelle: Tobias Wagner
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Brandenburg/H

Wie klingt ein bronzezeitliches Instrument? Wie wurde Kleidung vor tausenden Jahren produziert? Wie wurde gelebt? Wie gestorben? Bei der diesjährigen Archäotechnica widmete sich das Archäologische Landesmuseum im St. Paulikloster in Brandenburg an der Havel das gesamte Wochenende einer dynamischen und wahrlich glänzenden Epoche: der Bronzezeit. Diese war eine Menschheitsperiode von etwa 2200 bis 800 vor Christus, in der Metallgegenstände vorherrschend aus Bronze hergestellt wurden.

In Freilichtmuseen recherchiert

Darsteller aus den Bereichen Archäotechnik, der Nachstellung historischer Ereignisse sowie Archäologen und weitere Experten entführten in eine längst vergangene Epoche. So wurden unter anderen bronzezeitliche Handwerkstechniken, aber auch regionale Trachtensitten und Lebensbedingungen vorgeführt und erlebbar gemacht.

Bei vielen Ausstellern drehte sich alles um Bronzegegenstände. Quelle: Tobias Wagner

„Unser Ziel ist es, den Alltag von damals vorzustellen“, sagt Fatima Wollgast, Kuratorin am Archäologischen Landesmuseum. „Denn die Bronzezeit hatte nicht nur lediglich etwas mit dem Metall zu tun, sondern so viel mehr“. Die Historikerin befasste sich bereits seit Oktober 2017 mit der Planung der diesjährigen Archäotechnica.

Die erste Veranstaltung fand 2010 ebenfalls im Paulikloster statt und behandelte Handwerkstechniken des 12. und 14. Jahrhunderts. Wollgast recherchierte bundesweit in Freilichtmuseen, um die diesjährigen Darsteller für die Archäotechnica zu gewinnen. „Die Akteure, die sich für das Thema Bronzezeit faszinieren, kennen sich untereinander und sind oft gemeinsam unterwegs“, so Wollgast. „Das ist eine ganz kleine Szene“.

Vergessene Fangmethoden

Jörg Nadler aus Schleswig beispielsweise führte vor, wie ein Fischer in der Bronzezeit ausgestattet gewesen sein könnte und welche Fangmethoden für diese Epoche nachgewiesen sind. „Es existieren aus dieser Zeit ja nur Fragmente, die bei Grabungen ans Tageslicht gebracht werden“, sagt Nadler.

„Aus diesen Fragmenten und den Erkenntnissen wissenschaftlicher Publikationen baue ich mir dann ein Bild zusammen und die Gerätschaften nach“. Der gelernte Berufsfischer hatte seine historisch nachempfundenen Netze, Reusen und Angelhaken aus Hirschgeweihen in der Mitte des Klostergartens ausgestellt, und sich schon früh mit den Wurzeln seines Handwerks beschäftigt. „Ich war bereits als Kind von der Thematik fasziniert und vermittle seit 1992 Wissen über die Fischerei“.

Ohne Feuer keine Bronzegießer: Das Ausstellungsgelände am Paulikloster. Quelle: Tobias Wagner

Doch auch einem prähistorischen Salzsieder oder einem Bronzegießer schauten die Besucher über die Schulter. Ebenfalls erläuterten die Akteure fachkundig verschiedene Web- und Färbeverfahren sowie die kunstfertige Verarbeitung von Bernstein.

Weitere Experten zeigten, was Funde vom ältesten bekannten Schlachtfeld Europas im Tollense-Tal über Kampf und Waffen während der Bronzezeit verraten. Am lebenden Beispiel wurde die Domestikation von Pferden erklärt, die ab der Bronzezeit greifbar wird.

So muss ein Schaufensterbummel zur Bronzezeit ausgesehen haben. Quelle: Tobias Wagner

Die kultische Seite des bronzezeitlichen Lebens beleuchtete die in einer Nachbildung eines Priestergewandes gekleidete Rosemarie Stadler, normalerweise Besucherführerin im Federseemuseum in Bad Buchau. „Ich beschäftige mich mit der Frage, welche religiösen Hintergründe die Menschen damals hatten“, so Stadler.

Diese seien vorwiegend kultisch geprägt gewesen. „In unseren Breitengraden stand der Sonnenverlauf im Mittelpunkt“. Die Menschen erklärten sich den Verlauf der Sonne mit Wasservögeln, welche die Sonne auf einer Barke über das Firmament ziehen würden. Im Gepäck hatte Stadler einen Sonnenstempel aus Ton. Dieses Stempel hinterließ auf sogenanntem Opferbrot ein Ornament, das numerisch-kalendarische Aussagen mathematisch exakt darstellt.

Ein Opferbrot gab es am Stand von Stadler zwar nicht, dafür aber Kekse. Vor allem die jungen Gäste des Wochenendes versüßten diese den Ausflug in eine längst vergangene Zeit, die jedoch im Paulikloster zumindest für dieses Wochenende noch einmal zum Leben erweckt wurde.

Von Tobias Wagner

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