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Brandenburg: Neuer Chef im SOS-Kinderdorf

Leitung der Kinder- und Jugendeinrichtung Brandenburg: Neuer Chef im SOS-Kinderdorf

31 Jungen und Mädchen leben in sechs Familien im SOS-Kinderdorf. Obwohl damit zwei der acht Häuser leer stehen, nimmt der Verein keine alleinreisenden minderjährigen Flüchtlinge auf, worum ihn die Stadt gebeten hatte. Für geflohene Mütter mit ihren Kindern soll das nicht gelten, sagt der neue Leiter Matthias Fischer-Kallenberg.

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Der Neue ist da: Matthias Fischer-Kallenberg inmitten des Brandenburger SOS-Kinderdorfes.

Quelle: Malo

Brandenburg an der Havel. Er ist der Neue im SOS-Kinderdorf in Brandenburg, Matthias Fischer-Kallenberg leitet die Einrichtung mit 31 Kindern und 50 Mitarbeitern ab sofort als Nachfolger von Ulrike Salamon, die nach 18 Jahren des Aufbaus und Wirkens in der Einrichtung in den Ruhestand gegangen ist.

Der 51-jährige Sozialpädagoge ist „gut dabei, hier anzukommen“, wie Matthias Fischer-Kallenberg über sich sagt. Viel Zeit zum Luftholen hat er nicht. Die Flüchtlingskrise beschäftigt auch den gebürtigen Berliner. Immerhin zwei der acht SOS-Kinderdorfhäuser stehen leer. Eine Kinderdorfmutter starb, ihre Kinder mussten auf andere Familien verteilt werden, eine zweite ging in den Ruhestand.

Jugendamt fragt Trägerverein an

Natürlich fragt das Brandenburger Jugendamt bei dem Verein an, ob nicht minderjährige Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern in Deutschland angekommen sind, aufgenommen werden könnten. Doch Fischer-Kallenberg verneint: „Wir haben jetzt erst abgelehnt, einen 19-jährigen Flüchtling aufzunehmen. „Ich habe klar Stellung bezogen, hier im Kinderdorf leben Familien, das schließt eine bestimmte Altersgruppe aus. 17- und 18-Jährige können im Dorf nicht versorgt werden.“ Die Altersgrenze der neu aufzunehmenden Kinder liege bei 10 Jahren.

Vom Lackierer zum Kinderdorf-Chef

Matthias Fischer-Kallenberg, Jahrgang 1964, ging vor dem Abitur für anderthalb Jahre in die USA. Er erwarb ein Sprachdiplom und machte Abitur in Berlin.

Danach erlernte er den Beruf des Malers und Lackierers und kehrte nach Amerika zurück. Nach seiner Rückkehr besuchte er in Baden-Württemberg eine Meisterschule und leitete zur Wendezeit einen Malerbetrieb.

Als junger Vater „passten Familie und Beruf so nicht mehr zusammen“. Matthias Fischer-Kallenberg ging zum SOS-Kinderdorf in den Berufsausbildungszweig und studierte berufsbegleitend acht Jahre lang Sozialpädagogik. Später absolvierte er ein internes Führungskräftetraining.

Im Kinderdorf leben 31 Kinder in sechs Familien. Betreut werden sie von Kinderdorf-Müttern und Sozialarbeitern.

SOS-Kinderdorf betreibt eine Familienberatungsstelle und ein Eltern-Kind-Zentrum in Brandenburg und einen Kindergarten.

Ein Haus für geflohene Mütter mit ihren Kindern zu öffnen, könne er sich hingegen vorstellen. „Mein Fokus ist der, das die Kinder, die schon hier sind, gut versorgt sind und gut versorgt bleiben.“ Aber: „Wir sind mit der Stadt im Austausch, wie wir uns mit einbringen können.“ Denkbar sei, bei der Integration von Kindern in Kindergärten zu helfen oder später Flüchtlingsfamilien zu besuchen als so genannte ambulante Hilfe. „Wir können nicht hoppla-hopp reagieren, dann haben wir eine krisenhafte Situation, die das ganze Dorf befallen kann.“

Immer schwieriger, Kinderdorf-Mütter zu finden

Das SOS-Kinderdorf steht vor einer neuen Entwicklung. Es sei immer schwieriger, Kinderdorf-Mütter zu finden. Künftig sei es denkbar, auch Wohngruppen von Kindern und Jugendlichen zu betreuen mit einem wechselnden Sozialarbeiterstamm, innewohnenden Betreuern.

Dafür müssen die Häuser vergrößert werden. „Innerhalb der nächsten vier Jahre sollen vier Häuser, möglicherweise aber auch alle acht angebaut werden, damit wir flexibel reagieren können.“ Derzeit sind die für sechs Kinder angelegten Häuser zu klein für Wohngruppen. Damit dieser Anbau funktionieren kann, werde ein leeres Haus benötigt, in dem die Familien dann während der Bauarbeiten wohnen könnten.

„Ich war überall und hier und dort.“

Matthias Fischer-Kallenberg ist zwar neu im SOS-Kinderdorf, nicht aber dem Träger selbst. 16 Jahre lang arbeitet er beim SOS-Kinderdorf-Verein in Berlin. Dort war er bisher unter anderem in der Berufsausbildung von jungen Erwachsenen mit Lernbehinderungen tätig.

Der neue SOS-Kinderdorf-Leiter lebt, mit Ausnahme jener Tage, die er in seinem Dienstappartement im Kinderdorf verbringt, in Hennigsdorf. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne. Über sein Leben sagt Matthias Fischer-Kallenberg, es sei ein wenig kompliziert, es zu schildern. „Ich war überall und hier und dort.“ Das klingt, als sei er der richtige, um Kinder, die ihre Wurzeln verloren haben und neue finden müssen, ins Erwachsenwerden zu begleiten.

Von Marion von Imhoff

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