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Vorgetäuschte Vergewaltigung kostet 700 Euro

Geschichte war nur eine Notlüge, weil sie ein Date hatte Vorgetäuschte Vergewaltigung kostet 700 Euro

Einen Strafbefehl über 700 Euro hat das Amtsgericht gegen eine 27-jährige Brandenburgerin erlassen, die im vergangenen Oktober eine Straftat vortäuschte. Die Frau hatte angegeben von zwei Männern am Trauerberg vergewaltigt worden zu sein und damit einen Einsatz von über 20 Polizisten ausgelöst.

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Überall am Trauerberg suchten Polizisten damals nach den angeblichen Vergewaltigern. Doch die Geschichte war nur eine Notlüge.

Quelle: Christian Griebel

Brandenburg an der Havel. 700 Euro, das könnte die Strafe sein für die junge Frau, die im vergangenen Oktober fälschlich behauptet hatte, sie sei nachts am Trauerberg vergewaltigt worden. Amtsrichterin Ellen Hofmann erließ am Dienstag wegen des Vortäuschens einer Straftat einen Strafbefehl über 70 Tagessätze à zehn Euro. Dagegen kann ihr Rechtsanwalt Simon Schmedes Einspruch erheben.

Die angeklagte 27 Jahre alte Susanne L. (Name geändert) erschien am Dienstag nicht im Brandenburger Amtsgerichts, legte aber ein ärztliches Attest vor. Daraufhin beantragte die Staatsanwältin einen Strafbefehl, den die Richterin in besagter Höhe erließ. Die Vorgeschichte und das Zustandekommen der (Not-)Lüge über die angebliche Vergewaltigung kamen im Strafverfahren nicht zur Sprache. Ebenso wenig wurde die Persönlichkeit der nicht vorbestraften Brandenburgerin erörtert.

Ob der Fall mit dem Strafbefehl erledigt ist, bleibt zunächst offen. Rechtsanwalt Schmedes, der in einem anderen Gerichtsverfahren gebunden war, hatte eine Verlegung des Prozesstermins beantragt. Die Richterin lehnte seinen Antrag jedoch ab. Schmedes bedauert, dass wesentliche Gesichtspunkte nicht geklärt wurden, besonders die Frage, ob seine Mandantin vermindert schuldfähig war, als sie die falsche Geschichte von der Vergewaltigung ersann.

Vom 25. bis 27. Oktober 2013 waren wegen des mutmaßlichen Verbrechens zwei Dutzend Polizisten im Einsatz gewesen. Rund um den Trauerberg, den angeblichen Tatort, suchten sie Spuren und Zeugen. Soweit bekannt hatte Susanne L. die Geschichte, dass zwei Männer sie in jener Freitagnacht auf dem Spielplatz am Trauerberg ausgeraubt und vergewaltigt hätten, aus einem pikanten Grund frei erfunden. Sie hatte damals eine Liebesnacht bei einem anderen Mann als ihrem Lebenspartner verbracht und brauchte dafür eine Begründung. Dazu diente die erfundene Vergewaltigungsgeschichte, wie sich in einer zweiten Vernehmung herausstellte. Ihr Lebenspartner soll es gewesen sein, der sie dazu animierte, die Straftat anzuzeigen. Damit löste sie die Ermittlungen aus, deren Tragweite sie vermutlich nicht überblickte. Andere Frauen bekamen Angst vor den gefährlichen Männern.

Als Susanne L. zwei Tage später merkte, was sie angerichtet hat, schluckte sie aus Verzweiflung Tabletten und wurde in die Psychiatrie eingeliefert. Nach MAZ-Informationen war sie zuvor schon als labiler Mensch aufgefallen.

Weil die 27-Jährige die Polizei unnütz mit der Jagd auf nicht existierende Vergewaltiger beschäftigt hatte, drohte ihr ein Kostenbescheid der Behörde. Laut Polizeisprecherin Jana Birnbaum macht die Polizei nach interner Prüfung jedoch keine Forderung geltend.

Von Jürgen Lauterbach

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