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Brandenburg hat viele Teeniemütter

Minderjährig schwanger Brandenburg hat viele Teeniemütter

Die Stadt Brandenburg an der Havel belegt bundesweit den Spitzenplatz bei Teenie-Müttern. Nirgendwo sonst im Land ist die Wahrscheinlichkeit für Minderjährige so hoch, ein Kind zu bekommen. Von 1000 jungen Mädchen bekommen hier 27 ein Kind. Deutschlandweit liegt der Wert bei 8. Laut einer Studie kommen die meisten Teeniemütter aus Hartz-IV-Familien.

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In Brandenburg an der Havel bringen signifikant viele Teenies Kinder zur Welt.
 

Quelle: imagebroker

Brandenburg an der Havel.  Die Stadt Brandenburg belegt bundesweit den Spitzenplatz bei Teenie-Müttern. Nirgendwo sonst in Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit für Minderjährige so groß wie hier, ein Kind zu bekommen. Das fand das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut Hans-Böckler-Stiftung (WSI) in Düsseldorf heraus.

Enger Zusammenhang zu Hartz-IV-Umfeld

Wie WSI-Forscher Studienleiter Eric Seils der MAZ sagte, bekommen in der Havelstadt von 1000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren 27 ein Kind. Deutschlandweit sind es 8 von 1000, in Potsdam-Mittelmark 5 von 1000 und landesweit 12 von 1000. „Wir haben einen engen Zusammenhang zu einem Hartz-IV-Umfeld“, sagt Seils.

Von den 25 Mädchen, die minderjährig im Untersuchungsjahr 2013 schwanger und Mutter geworden sind, stammen 22 aus Hartz-IV-Familien oder deren Umfeld. „Der Armutskontext spielt eine relativ bedeutende Rolle“, so Eric Seils zur MAZ.

„Wirtschaftliche Perspektivlosigkeit“ vieler junger Frauen

 „Je größer der Anteil der jungen Frauen, die derartige Leistungen angewiesen sind, desto höher fällt die Geburtenquote im Teenageralter durchschnittlich aus.“ „Das Problem sind daher nicht die Babys, sondern die Armut und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit der jungen Frauen.“ Das WSI verknüpft diese Erkenntnis mit der Forderung, „die Ausbildung und Arbeitsmarktintegration von Jugendlichen zu fördern“. Zudem gebe es einen „Osteffekt“, in Ostdeutschland sei das Phänomen verbreiteter. Die Quoten sind in Ostdeutschland am höchsten und in Bayern am niedrigsten.

Seils beschreibt es so: „Wer die falschen Freunde hat und früh mit dem Sex anfängt, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden. Mit 15 hätten die meisten jungen Mädchen bereits intime Erfahrungen mit Jungen. Für die Untersuchung hat das WSI 395 Städte und Landkreise verglichen. Die geringste Quote weisen das Münchner Umland, Memmingen und Eichstätt mit jeweils zwei minderjährigen Müttern pro 1000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren auf. „Die Geburtenquote unter Teenagern ist in Brandenburg an der Havel mehr als zehnmal so hoch wie in Eichstätt“, sagt Seils.

Abbrüche in der Studie nicht erfasst

In den Zahlen tauchen Seils zufolge nicht jene Teenager auf, die schwanger geworden sind, aber sich für einen Abbruch entschieden haben. Im Land Brandenburg wurden 2013 genau 37,5 Prozent aller Schwangerschaften bei unter 20-Jährigen durch Abtreibung beendet. Das entspricht der deutschlandweiten Zahl.

Die Brandenburger Streetworkerin Christiane Schmidt vom Humanistischen Regionalverband steht Teenie-Müttern immer wieder zur Seite. Sie kennt eine junge Brandenburgerin, die mit 16 Jahren bereits zwei Schwangerschaftsabbrüche hinter sich hatte. „Sie sind ja selbst noch Kinder, die zu wenig Aufmerksamkeit bekommen haben. Wenn Mädchen schwanger werden, denken sie, das sei einfach so passiert beim Sex.“ Das Bewusstsein, es durch Verhütung steuern zu können, fehle häufig. Mädchen mit geringen beruflichen Perspektiven „denken da, ein Kind würde ihre Lebensplanung nicht durcheinanderbringen. Es ist ein Lebensgefühl, auf nichts bewusst hinzusteuern“.

Früher Sex und seine Folgen

Die Zahlen minderjähriger Mütter ist in den Landkreisen und Städten Deutschlands sehr unterschiedlich. In Ostdeutschland liegt sie höher als in Westdeutschland. In Baden-Württemberg und Bayern bei 5 auf 1000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren, in Hessen liegt sie bei 7, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen liegt sie bei 8 auf 1000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren, in Hamburg und im Saarland bei 9, in Bremen bei 12 auf 1000 und in Berlin auf 14 je 1000 junge Mädchen.

In Ostdeutschland liegen Brandenburg und Sachsen bei zwölf Geburten auf 1000 weibliche Teenager, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen bei 14 und in Sachsen-Anhalt bei 17. Innerhalb des Landes Brandenburg und deutschlandweit liegt Brandenburg/Havel mit 27 auf 1000 an der Spitze, gefolgt von Cottbus mit 21 und der Uckermark mit 18 auf 1000 weibliche Teenager. In Potsdam bekamen von 1000 jungen Mädchen 2013 neun ein Baby, in Potsdam-Mittelmark waren es mit fünf nur halb so viele pro 1000.

In absoluten Zahlen kamen mit 43 Neugeborenen in keinem Landkreis Brandenburgs so viele Babys von Teeniemüttern zur Welt wie im Barnim. Die Quote beträgt dort aber15 bezogen auf 1000 junge Mädchen. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen im Barnim minderjährig Mutter wird, fast nur halb so groß wie in Brandenburg an der Havel.

Von Marion von Imhoff

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