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Brandenburg bekommt neues Doku-Zentrum

Eröffnung im Frühjahr 2017 Brandenburg bekommt neues Doku-Zentrum

Noch in diesem Jahr soll für das neue Dokumentationszentrum über den Strafvollzug in Brandenburg an der Havel der Bauantrag gestellt werden. Land und Bund finanzieren das Projekt im früheren Direktorenhaus der Justizvollzugsanstalt in der Anton-Saefkow-Allee mit jeweils 337.000 Euro. Das Brandenburger Architekturbüro Uli Krieg ist mit der Planung beauftragt.

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Wo Jahrzehnte die Gefängnisleiter lebten, soll ein neuer Ausstellungsort auch das Grauen des Strafvollzugs zu NS-Zeiten dokumentieren.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg an der Havel. Möglichst noch in diesem Jahr soll für das neue Dokumentationszentrum über den Strafvollzug in Brandenburg an der Havel der Bauantrag gestellt werden. Land und Bund finanzieren das Projekt im früheren Direktorenhaus der Justizvollzugsanstalt (JVA) in der Anton-Saefkow-Allee mit jeweils 337 000 Euro. Das Brandenburger Architekturbüro Uli Krieg ist mit der Planung beauftragt. Bauherr ist die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte. Nach Angaben von Horst Seferens, Sprecher der Stiftung, soll das Dokumentationszentrum Anfang 2017 eröffnen. Das Zentrum soll den Strafvollzug zweier Diktaturen dokumentieren und zeigen, was die Häftlinge in der Zeit des Nationalsozialismus’ und in der DDR durchleiden mussten. Gewidmet ist die Dauerausstellung dem Thema Strafvollzug von der Weimarer Republik bis zur Gegenwart.

Das frühere Direktorenhaus soll von einem Wohnhaus in eine Gedenkstätte umgebaut, komplett modernisiert und mit neuer Technik ausgestattet werden. Nach MAZ-Informationen ist eine der ins Spiel gebrachten Varianten, auf dem 1687 Quadratmeter großen Grundstück zusätzlich einen knapp 80 Quadratmeter großen Neubau zu errichten, um eine ausreichende Ausstellungsfläche zu schaffen, ohne Keller und Dachboden des Direktorenhauses mit nutzen zu müssen.

Historiker-Team erarbeitet Ausstellungskonzept

Mit der Gestaltung der Dauerausstellung ist das Berliner Büro Tatwerk beauftragt worden. Auf dessen Homepage ist der Wettbewerbsbeitrag zu sehen, mit dem sich das Tatwerk-Team bewarb und den ersten Platz errungen hat. Er erinnert in seiner museumspädagogischen Darstellungsweise an die Dauerausstellung in der Euthanasie-Gedenkstätte mit einer Zeitschiene, großflächigen Fotos, Schaukästen und Themenräumen, etwa zum Strafvollzug in der Weimarer Republik 1928 bis 1933. Ausgesucht worden war Tatwerk laut Seferens aus fünf Büros. Wie die Ausstellung tatsächlich aussehen soll, steht noch nicht endgültig fest. Die Stiftung hat dazu im August einen weiteren Historiker eingestellt. Er soll mit Silvia de Pasquale, die die Euthanasie-Gedenkstätte und die Gedenkstätte in der JVA leitet, und einer wissenschaftlichen Volontärin das inhaltliche Ausstellungskonzept erarbeiten. Tatwerk wird diese Ideen gestalterisch umsetzen.

Wie Stiftungssprecher Seferes betonte, werden Berichte von Zeitzeugen in die Dokumentation einfließen. „Wir werden Schicksale biografisch darstellen. Uns ist ganz wichtig, so zu vermitteln, wie der Alltag aussah.“

Hinter den Gefängnismauern besteht schon eine Gedenkstätte

Das Dokumentationszentrum soll die schon bestehende Gedenkstätte innerhalb der JVA erweitern. Hinter den Gefängnismauern ist der Hinrichtungsort zu besichtigen, an dem zwischen 1940 und 1945 mehr als 2000 Männer an der Guillotine starben.

Ob auch dieser Komplex umgestaltet werden soll, sei noch nicht entschieden, sagt der Stiftungssprecher. Auf jeden Fall soll das Fallbeil dort weiter ausgestellt werden und als Ort des Terrors künftige Generationen mahnen. Weil die Gedenkstätte hinter den Gefängnismauern aber nicht öffentlich, sondern nur nach Voranmeldung und mit Begleitung von JVA-Bediensteten zu besichtigen ist, rangen Gedenkstätte und Land zwölf Jahre lang um ein Dokumentationszentrum an einem zugänglicheren Ort.

In dem einstigen Direktorenhaus wohnten bis 1988 die Leiter des früheren Zuchthauses. Unter ihnen war auch Fritz Ackermann, der das Gefängnis bis 1982 fast 25 Jahre lang führte.

Das Brandenburger Gefängnis

Die heutige Justizvollzugsanstalt Brandenburg galt zu ihren Anfängen in der Weimarer Republik Ende der 20er-, Anfang der 30er-Jahre als Beispiel für einen neuen humanen Strafvollzug. Das änderte sich schlagartig mit der Machtergreifung Adolf Hitlers. Unter den Nationalsozialisten setzte sich eine menschenverachtende Behandlung der Inhaftierten durch. Das Zuchthaus wurde zum Ort des Grauens. Mehr als 2000 Männer starben zwischen 1940 und 1945 an der Guillotine.

Zu DDR-Zeiten saßen dort neben Schwerverbrechern und Inhaftierten mit mehr als fünf Jahren Gefängnisstrafe auch politische Häftlinge ein.

Noch in den 90er-Jahren gab es in der Justizvollzugsanstalt annäherend 600 Haftplätze. Heute sind es nach Angaben des Justizministeriums 341 Haftplätze, davon 100 für Strafgefangene im offenen Vollzug. Der großflächige Gebäudekomplex wurde mit Millionen-Aufwand völlig modernisiert.

Von Marion von Imhoff

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