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Brandenburg ist die Stadt der Superlative

Doppelte Liebeserklärung an die Havelstadt Brandenburg ist die Stadt der Superlative

Andreas Kalesse ist Stadtkonservator der Stadt Potsdam, also deren oberster Denkmalschützer. Doch nicht allein der Landeshauptstadt gilt sein Engagement und sein Interesse. Er ist auch ein unglaublich großer Fan der Stadt Brandenburg an der Havel.

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Andreas Kalesse mit seinen Potsdamer Schätzchen

Quelle: Christel Köster

Brandenburg an der Havel. „Ja, Brandenburg mochte ich schon immer, bereits, als sie noch die hässliche Stahlstadt war. Aber das ist nun überwunden.“

Er war als junger Denkmalpfleger „Schüler“ von Karsten Westphal, der gerade das Gotische Haus restauriert hat. „Mit diesem Haus wird die Havelstadt eines ihrer ganz wichtigen und bedeutenden Denkmale um viel viel Glanz vermehrt zurückerhalten. Karsten hat als einziger Architekt so viel für die mittelalterliche Backsteinarchitektur geleistet, was man gar nichthoch genug schätzen kann. Allein schon das Paulikloster hat er sensationell restauriert. In unserer Spandauer Zeit hat er das Gotische Haus, eine  große Kelleranlage und zwei Bürgerhäuser mit hohem Anteil mittelalterlicher Bausubstanz restauriert. Ich hatte ihn überall empfohlen, weil ich stets von seinem Spezialvermögen zutiefst überzeugt war. Die Havelstadt hat letztlich davon am meisten profitiert, was ich dieser schönen Stadt von Herzen gönne.“

Auszüge aus Briefwechsel

Das hat Kalesse jüngst in einem Briefwechsel mit der MAZ geschrieben. Für ein Potsdamer Monatsmagazin hat er eine neuerliche Liebeserklärung verfasst, er besprach den im Vorjahr vom Architekturbüro Krekeler herausgegebenen Architekturführer. Auszüge daraus veröffentlichen wir an dieser Stelle:

„Man ist geneigt, auf derartige Literatur überwiegend zu verzichten, denn wie so oft stand man vor oder in einem Bau, versuchte die Beschreibung zu verstehen und kam wiederholt zur festen Überzeugung , dass es sich augenscheinlich nicht um das Gebäude handeln könne, mit welchen man sich gerade befassen wollte. Bei diesem Buch ist nun alles ganz anders: Es ist nicht nur durch und durch gut geschrieben, sondern angesichts der besonderen Architektur kommt man ohne diesen fundierten Architekturerklärer gar nicht mit eigenen Erkundungen durch die überreichlich mit Geschichtszeugnissen ausgestattete Havelstadt.

Anlässlich des 20-jährigen Bürojubiläums 2014 gaben die Dr. Krekeler & Partner Architekten und Dr. Krekeler Generalplaner GmbH etwas an die Stadt ihrer Erfolge zurück, indem sie in Zusammenarbeit mit der noch kreisfreien Stadt Brandenburg, der „Mutter der Mark“, einen Architekturführer herausgaben. Das zeugt von einem hohen Niveau des Miteinanderarbeitens und beschämt damit indirekt diejenigen Geschichtsvergessenen, die demnächst die bedeutendste Stadt des Landes Brandenburg nur noch zu einer Art größeren Dorfes in einem neuen Landkreis degradieren wollen. Die Oberbürgermeisterin, Frau Dr. Dietlind Tiemann schrieb das Vorwort.

Unverzichtbar für Brandenburg-Erkunder

Das Buch zeichnet sich vor allen dadurch aus, dass die neuesten bauhistorischen und archäologischen Erkenntnisse in die Objektbeschreibungen mit einbezogen wurden. Damit ist das Buch unverzichtbar für Brandenburg-Erkunder, denn man gelangt selbst kaum an all diese Informationen. Wer die Denkmaltopographie der Havelstadt von 1994/1995. Der ersten Neufassung des Bestandes an Denkmalern und denkmalwerten Gebäuden, mit denen des Architekturführers vergleicht, wird feststellen, welch rasante Entwicklung die Stadt in Bezug auf gute Denkmalpflege genommen hat. Auch wenn von den etwa 400 Denkmalen der Innenstadt nur eine Auswahl in diesem Rahmen vorgestellt wird, kann man nach der Lektüre des Buches in etwa trotzdem abschätzen, was geleistet wurde.

In fünf Kapiteln, Dominsel, Altstadt, Neustadt, Stadterweiterung und Außerhalb, werden die Bauten vorgestellt, jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Einführung in die Geschichte des Stadtbereichs. Anhand von Kartenausschnitten aus historischen Karten, Zeichnungen, Grundrissen und aktuellen farbigen Architekturfotos wird ein verständlicher Eindruck von dem Thema vermittelt.

Immer wieder Superlative

In dem Buch stößt man ständig auf Superlative wie: „Die Domkirche St. Peter und Paul ist einer der ältesten, gleichzeitig der bestdatierte frühe Backsteinbau östlich der Elbe.“ Das Haus Domlinden 28 gilt als „Hauptbeispiel der klassizistischen Architektur in Brandenburg“. „Die ehemalige Altstädtische Lateinschule zählt zu den ältesten Schulhäusern der Mark und ist einer der am besten erhaltenen Renaissance-Fachwerkbauten Brandenburg.“ Das Haus steht am Gotthardtplatz 5. In der Altstadt steht in der Schusterstraße 6 ein großer Backsteinbau.: „Das sogenannte ‚Ordonnanzhaus‘ ist das größte und zugleich älteste Bürgerhaus der Mark Brandenburg.“ Das Haus Bäckerstraße 14 wurde 1408 erbaut: „Hier hat sich das älteste Fachwerkhaus des Bundeslandes Brandenburg in wesentlichen Teilen aufgehend erhalten.“ Zur Ritterstraße 86 heißt es: „Das stattliche Bürgerhaus mit spätklassizistischer Fassade zur Ritterstraße und freigelegtem gotischen Giebel zur Johannisgasse ist eines der besterhaltenen mittelalterlichen Bürgerhäuser Brandenburgs.“

Ehemals graue Stahlstadt

Vor dem Gartenbadehaus für die Kinder eines jüdischen Fabrikanten von Hans Scharoun von 1934/35 erfährt man ebenso erstaunt, wie von der bedauerlichen Schließung des Stadtbades von 1929/30 am Alfred-Messel-Platz 1, welches weitgehend im Originalzustand erhalten ist. Die Gartenstadt Plaue von Paul Schmidthenner von 1916/17 ist ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Gartenstädte im frühen 20. Jahrhundert. Die Gartenstadt Staaken stand unübersehbar Pate mit dem Rückgriff der Brandenburger und Potsdamer Architektur des 18. Jahrhunderts, die wiederum sich auch hier widerspiegelt. Die Kirche von Otto Bartning von 1929 gilt als ein „herausragendes Beispiel der klassischen Moderne im Land Brandenburg“. Und von der Ostmoderne sei hier nur noch abschließend auf den Zielrichterturm an der Regattastrecke am Beetzsee von 1967/68 verwiesen und auf die Friedenswarte, den zentralen Aussichtsturm der jetzigen Buga, von 1974, auf dem Marienberg.

Die ehemals graue Stahlstadt hat sehr viel aus allen Bauepochen zu bieten und mit diesem Architekturführer geht man gern und gespannt auf Entdeckungsreise. Ein hervorragendes Buch, rechtzeitig zu Buga erschienen und so kann man einen reich inhaltlich gefüllten Tag in Brandenburg an der Havel verbringen mit neu gestaltetem Grün und historischen Architekturschätzen.

Von André Wirsing

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