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Haydn und Looten erklingen in der Domaula

Brandenburger Abendmusik Haydn und Looten erklingen in der Domaula

„Gerade war noch Weihnachten, jetzt sind wir schon mitten in der Passionszeit – zumindest musikalisch.“ Augenzwinkernd begrüßt Domkantor Marcell Fladerer-Armbrecht die Zuhörer im gut besuchten Saal der Domaula am Sonntagnachmittag. Dieses mal hatten sich die Musiker der Brandenburger Symphoniker einer ganz speziellen Gegenüberstellung gewidmet.

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Moderne Gegenüberstellung: Katrin Kösler und Philippe Perotto an der Geige, Geraldo Brandigi an der Bratsche sowie Joachim Köhler am Cello (v.l.).
 

Quelle: Tobias Nandelstädt

Brandenburg/H.  „Gerade war noch Weihnachten, jetzt sind wir schon mitten in der Passionszeit – zumindest musikalisch.“ Augenzwinkernd begrüßt Domkantor Marcell Fladerer-Armbrecht die Zuhörer im gut besuchten Saal der Domaula am Sonntagnachmittag. Das zweite Konzert der bekannten Abendmusik-Reihe wurde bespielt vom Streichquartett Amarone. Dieses mal hatten sich die Musiker der Brandenburger Symphoniker einer ganz speziellen Gegenüberstellung gewidmet.

So hatte sich das Quartett, bestehend aus Katrin Kösler und Philippe Perotto an der Geige, Geraldo Brandigi an der Bratsche sowie Joachim Köhler am Cello, zwei völlig verschiedenartigen Komponisten der Passionsmusik verschrieben: Joseph Haydn, dem berühmten Hofmusiker der Wiener Klassik auf der einen Seite, sowie Christophe Looten, dem noch lebenden französischen Komponisten der Neuzeit auf der anderen Seite. Während das Werk „Die Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ von Joseph Haydn aus dem Jahr 1787 ein häufig orchestriertes Werk der Klassik ist, stellt seine moderne Entsprechung von Christophe Looten aus dem Jahr 2009 ein nahezu unbekanntes Werk dar.

Beim ungewöhnlichen Zusammentreffen beider Passionskompositionen entsteht durch die direkte Konfrontation der einzelnen Sätze eine teils eigentümliche, kaum zu überhörende Stimmung. So fällt es in den einzelnen Sätzen von Christophe Looten, welche das Quartett jeweils an den Anfang gestellt hatte, schwer, die verschiedenen Stimmen von Geige, Bratsche und Cello nebeneinander her zu verfolgen. Längst nicht immer entdeckt man bei Looten eigene Melodien. Besonders stark zeigt sich Lootens Interpretation der Passion in den intensiven Passagen, wo sich heftige und laute Eruptionen mit leisen und friedlichen Passagen abwechseln. In diesen Momenten drückt Looten genau jene Gefühlswelt von Jesus Christus am Kreuz aus – zwischen menschlich verzweifelnd und göttlich ergeben – welche die Passionsgeschichte auch heute noch derart faszinierend machen.

Demgegenüber bestechen Haydns Sätze in der Ausführung des Quartetts Amarone durch eine klassische, teilweise simplizistische Anmutung. „Mit einem Minimum an Tönen soll der größtmögliche Ausdruck erzeugt werden“, sagt Domkantor Marcell Fladerer-Armbrecht, der für die fünfteilige Reihe der Abendmusiken in der Domaula verantwortlich zeichnet. Besonders eindrucksvoll wird dies im fünften Satz „Mich dürstet“, in dem Haydn durch die gezupften Pizzicato-Passagen dem am Kreuz dürstenden Jesus ein helles Bächlein vorgaukelt.

Zur nächsten Abendmusik steht dann wiederum ein Solo-Klavierabend auf dem Programm. Am 14. Februar musiziert Mizuka Kano am restaurierten Bechstein-Flügel. Der Eintritt ist wie immer frei.

Von Tobias Nandelstädt

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