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Brandenburg/Havel Brandenburger Dom: Abbildungen zeigen Abgrenzung und Fremdsein
Lokales Brandenburg/Havel Brandenburger Dom: Abbildungen zeigen Abgrenzung und Fremdsein
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05:03 22.08.2018
Museumsleiter Rüdiger von Schnurbein (l.) führt durch den Dom in Brandenburg. Quelle: Tobias Wagner
Brandenburg/H

Die Darstellungen sind mal subtil, dann wieder offensichtlich. Eins ist jedoch sicher: auf Bildnissen des 16. Jahrhunderts gibt eine Person im Hintergrund genau so viel Auskunft über Ausgrenzung wie die historische Beschreibung eines „Wilden“. Auch im Dom in Brandenburg an der Havel sind Schilderung der „Anderen“ und der Umgang mit dem Fremden auf Altarbildern zu finden.

Im Dom zu Brandenburg finden sich frühneuzeitliche Darstellungen von Abgrenzung und Fremdsein.

„Von der Abneigung bis zur Faszination ist in den historischen Darstellungen alles zu erkennen“, sagt Rüdiger von Schnurbein, Leiter des Dommuseums. „Fakt ist jedoch, dass sich dahingehend das Christentum nicht immer mit Ruhm bekleckert hat.“

So fiel den Türken im frühen 16. Jahrhundert eine besondere Rolle zu. Die Eroberung des Mamelukensultanats im heutigen Ägypten im Jahr 1517 durch die Osmanen verschob das Machtgefüge im Mittelmeer. Für die europäischen See- und Handelsmächte wuchs der osmanische Sultan zu einer ernsten Bedrohung. Die Figur des Türken galt nunmehr als Schreckgespenst und wurde in der Kunst fortan als böse dargestellt.

Das Martyrium des heiligen Sebastian

Der Cranach-Altar, der um 1530 erschaffen wurde und im Dommuseum zu finden ist, zeigt beispielsweise das Martyrium des heiligen Sebastian. Im Hintergrund ist ein Türke zu sehen, der dieses Martyrium überwacht. „Somit galten Türken nicht als Personen, sondern wurden auf Christenfeinde reduziert“, sagt von Schnurbein.

Das Herabsetzen des Fremden funktionierte jedoch auch durch das Hochstilisieren der eigenen Religion. „Früher gab es noch keinen Nationalstaat“, erklärt von Schnurbein. „Der Bürger definierte sich nicht als Deutscher, sondern über seinen Glauben“. Auf dem Lehniner Altar im Chor des Domes steht die Madonna stellvertretend für das Christentum auf einem Halbmond, dem Symbol für das türkische Reich. Dies soll den Sieg über die Türken verdeutlichen.

Herabwürdigung der Eingeborenen in einem Bericht

Wesentlich deutlicher sind hingegen die Schriften von Christoph Columbus. Dieser formulierte 1493 einen Rechenschaftsbericht über eine Reise im indischen Meer, den er an den Schatzmeister des spanischen Königspaares sandte. Columbus beschreibt darin eine paradiesische Natur und Eingeborene, die zwar zu guten und gefügigen Arbeitskräften erzogen werden können, jedoch Monstrositäten mit zweierlei Geschlecht ähnelten. Im christlichen Europa wurde diese als Vorbote der Apokalypse gedeutet.

Antisemitismus in alten Abbildungen

Das Fremde existierte jedoch nicht nur in Übersee. Auch in der heimischen Bevölkerung kam es zur Abgrenzung gegenüber anderen Religionen. Auf dem um 1470 entstandenen Tafelbild „Volkreicher Kalvarienberg“ sind Juden deutlich plakativ dargestellt. Sie tragen einen sogenannten Judenhut, der zeitweise von der nicht-jüdischen Obrigkeit vorgeschrieben wurde. „Dieses Tafelbild könnte beinahe zum Aufruf der Judenmission verstanden werden“, so von Schnurbein.

Darstellung des Heilsgeschehens

Des weiteren zeigt der Lehniner Altar neben der Krypta des Doms die Taufe des Saulus zum Paulus. Auch in dieser Darstellung unterscheiden sich Juden in ihrer Kleidung vom Rest der dargestellten Personen. Der Altar könne dahingehend gedeutet werden, dass auch Juden zum christlichen Glauben bekehrt werden sollten.

Doch es gibt durchaus auch positive Darstellungen. Ein aufwendig besticktes liturgisches Gewand aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts etwa zeigt Juden als Weissager des Heilsgeschehens, also Gottes Inkarnation und Erlösungswerk. Diese Deutung als Propheten galt entgegen anderer Darstellungen als höchstes Zeichen der Anerkennung.

„Der Toleranzbegriff war früher ein anderer“, sagt Rüdiger von Schnurbein. „Glücklicherweise ist dieser aber auch mittlerweile in der christlichen Kirche angekommen.“

Von Tobias Wagner

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