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Brandenburg/Havel Brandenburger Koproduktion: Radio Walnuss
Lokales Brandenburg/Havel Brandenburger Koproduktion: Radio Walnuss
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00:16 11.04.2017
Diese Brieftasche rettete einem Soldaten im 1. Weltkrieg das Leben. Der Mann mit den weißen Handschuhen ist Veit Didczuneit, Abteilungsleiter im Museum für Kommunikation. Quelle: Angelika Rippl
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Brandenburg/H

Einige MAZ-Leser glaubten an einen Aprilscherz. Doch bei allem Spaß an der Sache hat der Brandenburger Unternehmer Klaus-Peter Tiemann das Radio in der Nussschale nach historischem Vorbild ernsthaft nachgebaut. Im Unterschied zum Original kann er damit zu nächtlicher Stunde tatsächlich ferne Mittelwellensender empfangen.

Klaus-Pete Tiemanns Walnussradio. Quelle: Volkmar Maloszyk

Veit Didczuneit aus Brandenburg hatte den Unternehmer und Stadtverordneten gewissermaßen aus der Reserve gelockt. Der Historiker, der als Abteilungsleiter im Museum für Kommunikation arbeitet, hat soeben ein sehr lesenswertes Buch herausgegeben. Auf gut 300 Seiten stellen er und seine rund 30 Co-Autoren 101 Objekte aus 4000 Jahren Kommunikationsgeschichte in

Das Originalradio in der Nussschale. Quelle: Museum für Kommunikation Berlin

bebilderten kurzen Beiträgen vor.

Ein Star unter den 101 Objekten der Buchveröffentlichung ist das namensgebende „Radio in der Nussschale“, eines der kuriosestes Objekte in den an Kuriositäten nicht eben armen Sammlungen der Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Diesen Bastler-Apparat hatte ein unbekannter Enthusiast vor etlichen Jahrzehnten gebaut, seine Familie überließ die zum Radio aufgepeppte Walnuss 1978 dem Museum.

Buchherausgeber Didczuneit kennt Tiemann gut und traf ihn eines Tages beim Mitarbeiterfest des städtischen Klinikums. Man kam auf das historische Radio in der Nussschale zu sprechen. Der gelernte Fernseh- und Rundfunktechniker fackelte nicht lang, sondern erklärte sich bereit, eine Walnuss empfangsbereit zu machen.

Klaus-Peter Tiemann zeigt das Innenleben des Empfangsgerätes. Quelle: Volkmar Maloszyk

Seit dem vergangenen Freitag liegt die Radionuss samt aller Anschlusskabel für Antenne, Erde und Kopfhörer säuberlich und elegant in einer vornehmen Schatulle mit der Aufschrift: MW-Detektor in der Nussschale anno 201 – RFT Kabel“. Ihr Schöpfer will sein Empfangsgerät dem Museum überlassen.

Veit Didczuneit ist von dem Ergebnis begeistert und freut sich über die großzügige Geste des Radiobastlers. Die neue Nuss wird aufgenommen und inventarisiert. Anschließend werden die Museumsleute das Gerät ausprobieren und eines Tages gewiss öffentlich ausstellen.

Das Original wird aus dem früheren 20. Jahrhundert wird vom 25. April an in der Vitrine „das besondere Objekt“ im Kommunikationsmuseum in der Leipziger Straße in Berlin zu sehen sein gemeinsam mit einem weiteren Detektorempfänger in einer Zigarrenschachtel.

Das neue Buch erzählt hundert weitere Objektgeschichten – von der 4000 Jahre alten Keilschrifttafel bis zur Datenbrille aus dem Jahr 2015. Für den Herausgeber Veit Didzuneit geht es stets nicht nur um Technik, sondern mindestens ebenso sehr um den sozialen und geschichtlichen Kontext, in dem die 101 Objekte stehen, die Bedeutung, die sie zu ihrer Zeit hatten oder haben. Sein Buch dröselt beispielhaft ebenso Technik-wie Zivilisationsgeschichte auf. Lieblingsobjekt des Historikers ist die „Brieftasche mit Einschussöffnung“, die dem Soldaten Hans Schröder im Ersten Weltkrieg das Leben rettete.

Zwanzig Feldpostkarten und die Reclam-Ausgabe von Goethes Faust steckten an seiner Brust in seiner Brieftasche. Wahrscheinlich am 9. Juli 1918 in Nordfrankreich fing diese Brieftasche die Wucht eines Granatsplitters ab. Der junge Unteroffizier wurde nur am Bein schwer verletzt. Der spätere Komponist starb erst 1987 im Alter von 91 Jahren. Vor drei Jahren schenkte seine Tochter Nele Hertling dem Museum den mit Briefen gefüllten ledernen Lebensretter, berichtet der Feldpostfachmann aus der Brandenburger Altstadt.

„Das Radio in der Nussschale und andere Objektgeschichten, herausgegeben von Veit Didczuneit, 312 Seiten, Hirmer Verlag München 2017, 26 Euro.

Von Jürgen Lauterbach

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