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Brandenburger Theater droht die Insolvenz

Tarifstreit mit Folgen Brandenburger Theater droht die Insolvenz

Dem Brandenburger Theater droht die Insolvenz. Gelingt es den Tarifparteien – der Gewerkschaft und dem Bühnenverein – nicht, sich auf einen neuen Haustarifvertrag zu einigen, droht dem Theater das Aus. Denn die Personalkosten des Flächentarifvertrages wären nicht zu stemmen.

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Die Brandenburger Symphoniker im Foyer des Brandenburger Theaters.

Quelle: BT

Brandenburg/H. Die Hälfte des Jahres 2016 ist schon wieder Geschichte. Nun bleiben dem Brandenburger Theater (BT) noch gut sieben Monate, bis der Haustarifvertrag Ende Januar 2017 ausläuft. Der Haustarif stellt die Musiker des Orchesters und andere Künstler finanziell schlechter als der Flächentarif, was bisher durch Freizeit ausgeglichen wird. Gelingt es den Tarifparteien, also der Gewerkschaft, die die Angestellten vertritt - und dem Bühnenverein auf der Arbeitgeberseite nicht, sich bis dahin auf einen neuen Vertrag zu einigen, droht dem BT das Aus. Auf etwa 400 000 Euro beziffert Theatergeschäftsführer Jörg Heyne im Gespräch mit der MAZ die zusätzlich auf das BT zukommenden Personalkosten für den Fall, dass der Flächentarif wieder gilt.

Das hieße: 6 Millionen statt 5,6 Millionen Euro Personalkosten. „Man würde sich der Nullgrenze nähern“, sagt Detlef Reckow von der städtischen Beteiligungsverwaltung, die über das BT wacht und Heyne seit Monaten drängt, a) seinen Wirtschaftsplan für 2016 endlich fertig zu bekommen und b) mit den Haustarifverhandlungen zu beginnen. Dem Vernehmen nach ließ Reckow Heyne das Zahlenwerk für das laufenden Jahr, das eigentlich längst fertig sein müsste, mehrfach überarbeiten, weil immer wieder Zahlen fehlten oder nicht schlüssig waren. Kommentieren will Reckow diese Information nicht. Bestätigt aber mit Blick auf das seit Jahren verzehrte Eigenkapital , dass es mit dem BT „schnell dem Ende entgegen gehen könnte“, wenn der „Haustarifvertrag nicht fortgeschrieben wird.“

Heyne sagt: Er könne die Gewerkschaft nicht zu Verhandlungen zwingen. Er hoffe aber, dass er in den kommenden Wochen in dieser Frage weiterkomme. Der Aufsichtsrat des BT hat längst das Vertrauen in den Geschäftsführer verloren. Dem Vernehmen nach war nur noch der Beigeordnete Wolfgang Erlebach (Linke) in der jüngsten Aufsichtsratssitzung bereit, mit ihm über das Jahresende – dann endet Heynes Vertrag – arbeiten zu wollen. Der Rest der Aufsichtsräte entzog Heyne das Vertrauen, allerdings fand der Vorschlag, ihn sofort freizustellen, keine Mehrheit.

Das letzte Wort hat in dieser Frage die Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU). Sie hat Heyne vor dem Jahreswechsel bedeuten lassen, dass man derzeit keine Basis für eine Zusammenarbeit über das Jahr 2016 hinaus sehe, darüber zur Jahresmitte aber noch einmal reden werde. Offenbar treffen sich die Aufsichtsräte in einigen Wochen mit ihr. Für Heyne ist klar: „Um mich mache ich mir keine Sorgen. Ums Theater schon.“ Das ihm der Aufsichtsrat das Vertrauen entzog, „hat mich überrascht. Aber das bedeutet nicht das Ende des Vertrages.“ Anca Güntsch, die für die SPD als „Sachkundige“ im Kulturausschuss sitzt, beklagt seit geraumer Zeit, dass unter Heynes Regie das Eigenkapital in vier Jahren von 631 000 Euro auf 335 000 Euro geschmolzen sei, während sich gleichzeitig die Verbindlichkeiten des Hauses erhöhten. Für Güntsch, die auch den Förderverein der Symphoniker vorsteht, ist klar: Die Zukunft des Theaters mit Heyne an der Spitze sähe düster aus.

Das sieht der Geschäftsführer, der seit Januar Macht und Einfluss am BT mit der künstlerischen Leitertin Katja Lebelt teilen muss, naturgemäß anders: Das BT habe 2015 gut gewirtschaftet, habe Überschüsse erzielt und die Auslastung gesteigert. Theaterintern beklagt derweil Lebelt, dass sie keinen Einblick in die Zahlen bekommt und nicht weiß, welcher Programmetat noch da ist.

Die Gemengelage ist brisant: Wie es an der Spitze des Hause weitergeht, ist unklar. Wie die inhaltlich, künstlerische Ausrichtung des Hausen in Zukunft aussieht, ist unbekannt. Wie viel Geld für die Kunst zur Verfügung steht, wissen selbst die dafür zuständigen Personen nicht. Dem Haus droht im Fall eines Rückfalls in den Flächentarifvertrag entweder die Insolvenz oder ein massiver Personalabbau. In der Lokalpolitik ist das Thema offenkundig trotz der Brisanz – bis auf wenige Ausnahmen – noch nicht angekommen.

Von Benno Rougk

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