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Brandenburger Theater weiter in Not

Nussknacker frisst Schneemann Brandenburger Theater weiter in Not

Alles wird anders im Brandenburger Theater, angesichts der drohenden Überschuldung und der unklaren Strukturen. Aufführungen werden regelmäßig abgesagt oder verändert. Bestes Beispiel „Der Schneemann“. Das Stück wurde gekippt und Tage vor der Premiere durch eine billigere Veranstaltung in der Studiobühne ersetzt.

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Katja Lebelt
 

Quelle: Benno Rougk

Brandenburg/H..  200 Jahre soll das Brandenburger Theater im kommenden Jahr werden. Wenn es das Haus dann noch gibt, was in den vergangenen Monaten wiederholt selbst in der neuen Theatergeschäftsführung um Klaus Deschner bezweifelt worden war. Fast trotzig hatte das Theaterteam um die neue künstlerische Leiterin Katja Lebelt trotzt der sich abzeichnenden, drohenden Insolvenz im Sommer das Motto „Es bleibt, alles anders“ der Spielzeit vorangestellt. Dass nun wirklich alles anders wird, scheint sich nicht zu bewahrheiten. In der Aufsichtsratssitzung des Brandenburger Theaters am Donnerstag wurde erneut der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Erlebach in seinem Amt bestätigt. Dass ist, wie es gestern aus der Lokalpolitik hieß, erstaunlich. Zumal der Beigeordnete Erlebach (Die Linke) nach dem Auseinanderbrechen der CDU-Linke-Rathausfraktion keine Hausmacht mehr im Rathaus und nur noch wenig Unterstützung in der SVV hat. Um den Posten des AR-Vizes gab es einige Rangelei. Die langjährige Aufsichtsrätin Birgit Patz (parteilos, für die Linke) und die Neueinsteigerin Marlies Eichhorn (parteilos, für Büfübü) kandidierten gegeneinander. Nach Stimmengleichheit entschied das Los für Patz, von der erwartet worden war, dass sie als Theaterexpertin schon gegen Erlebach kandidiert.

Im Nachgang an die Wahl wurde auch der Wirtschaftsplan von Deschner für das Jahr 2017 beschlossen. Aus den Reihen der Aufsichtsräte wurde Deschners Werk unterschiedlich bewertet. Allerdings scheint sich das Lager derer, die das Orchester in der gesamten Größe erhalten wollen und die statt dessen auf eine Neuprofilierung des Theaters unter Lebelt verzichten, durchgesetzt zu haben. Der Aufbau einer Schauspielsparte und die wesentliche Erhöhung von Eigen- und Schauspielproduktionen scheint damit vom Tisch, erzählt ein mit den Vorgängen vertrauter Stadtverordneter. Ganz anders bewertet man dies im Umfeld von Lebelt. Die ließt am Freitagsabend mitteilen: Die meisten der geplanten Eigenproduktionen seien im kommenden Jahr wie geplant im Spielplan umsetzbar.

In der Tat scheint die Position von Lebelt unter Deschner zunehmend geschwächt zu werden. Eine Vielzahl von Veranstaltungen musste in den zurückliegenden Wochen auf Druck Deschners oft im letzten Moment abgesagt werden. Dabei schien sich Deschner nicht die Bohne darum zu scheeren, dass er sich beispielsweise bei der Absage des Stummfoilmklassiksers „Prinz Achmed“ mit Begleitung der Brandenburger Symphoniker durchaus in die künstlerischen Belange Lebelts einmischte. Jüngstes Beispiel für die internen Verwerfungen ist das mit lauten Tönen angekündigte Programm „Der Schneemann“ mit dem in der Weihnachtszeit Familien ins große Haus geholt werden sollten um einen Film und ein Sinfoniekonzert für Große und Kleine zu hören.

Der Schneemann wurde jetzt vom Nussknacker gefressen: Die Rechte für die Geschichte über eine zauberhafte Freundschaft Stummfilm nach dem Bilderbuch von Raymond Briggs mit der Livemusik von Howard Blake kann Katja Lebelt nicht bezahlen. Das Geld sei alle und das Interesse gering. Es wurden fast keine Karten verkauft. Jetzt wurde die Veranstaltung, die immerhin an drei Tagen mit den Symphonikern und eingekauften Künstlern im großen Haus vor insgesamt 1200 Gästen stattfinden sollte, in die kleine Studiobühne verlegt. Einige Dutzend Karten sind schon verkauft. Nun spielen die Brandenburger Symphoniker Musik von Peter I. Tschaikowsky, Philip Lane und Leroy Anderson. Am Pult ist Michael Ellis Ingram zu erleben; Sprecher ist Fabian Oehl.

Doch im Theater wird weiter gelächelt. Auf Einladung der „Freunde des Brandenburger Theaters“ wollte Katja Lebelt am Sonntag, 27. November um 11 Uhr beim Theaterfrühstück den „Schneemann“ präsentieren. Nun steht auf dem Frühstücksprogramm das deutlich besser verkaufte Weihnachtsmusical „A New York Christmas“; die Silvester-Revue „Großer Ball im Café Oske“ und das Familienkonzert „Nussknacker und andere Geschichten zur Weihnacht“, wie es auf der Internetseite des Theaters heißt.

Im BT ist man sich durchaus bewusst, was man dem Publikum zumutet und dass das Spielplanheft kaum das Papier wert ist, auf dem es gedruckt wurde. BT-Sprecherin Monika Martinčević: „Natürlich sind unsere Gäste wegen der finanziellen Situation extrem verunsichert. Aber wir versuchen die Irritationen zu beheben.“

Von Benno Rougk

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