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Brandenburger seit 70 Jahren bei der IG Metall

Seltenes Jubiläum in der Havelstadt Brandenburger seit 70 Jahren bei der IG Metall

Auszeichnung für ein seltenes Jubiläum: Georg Bachner aus Brandenburg an der Havel ist seit 70 Jahren Mitglied in der IG Metall. Der Ingenieur im Ruhestand hat einen Großteil seines Arbeitslebens im früheren Stahl- und Walzwerk in der Havelstadt verbracht. Und er weiß so manch spannende Anekdote zu berichten.

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Georg Bachner (l.) bekommt von Günter Börner die Urkunde.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg an der Havel.
Blutjung, mit 14 Jahren, ist Georg Bachner in die Gewerkschaft IG Metall eingetreten. 1945 war das. Am Mittwoch hat ihm Günter Börner, der Vorsitzende der Brandenburger IG Metall-Senioren, eine Urkunde für 70 Jahre Mitgliedschaft überreicht. Nur vier Brandenburgern wird diese Ehre in diesem Jahr zuteil.

Der heute 84-jährige Georg Bachner arbeitete als Elektro-Ingenieur im Stahlwerk. „Wenn ich von den zurückliegenden Jahrzehnten erzähle, bedeutet das nichts Gutes“, warnt er. Und der Mann, der 1931 in Brandenburg geboren wurde, beginnt vom Krieg zu berichten, von der täglichen Angst vor Fliegerangriffen. Davon, dass er lediglich acht Jahre zur Schule gehen konnte. Es waren andere Zeiten. Schlimme. Lange habe es gedauert, die Kriegsfolgen zu überwinden. Georg Bachner meint damit auch die psychischen.

70 Jahre Gewerkschafter

Doch seine bitteren Worte gehen weiter: „Ich habe zweimal erlebt, dass die Industrie in Brandenburg zu Grunde gegangen ist. Einmal nach dem Krieg, aber das war nicht so schlimm wie nach der Wende.“

„Ja, wir verstehen dich“, sagt Günter Börner. Er hat neben dem Jubilar an der Kaffeetafel Platz genommen. Der Tisch ist festlich gedeckt für acht Personen. Ein üppiger Präsentkorb mit Kaffee, Tee, Wurst und Pralinen steht neben drei Torten auf dem Esstisch. Den Korb hatte der IG Metaller mitgebracht als Geschenk.

34 Arbeitsjahre im Stahlwerk

Georg Bachner wurde 1931 in Brandenburg an der Havel geboren. Zusammen mit seiner Frau Gerda hat er einen Sohn, zwei Enkel und zwei Urenkel.

Seine Lehre zum Elektriker absolvierte Georg Bachner vom 1. April 1945 bis 1948. Vier Jahre musste er kurze Zeit später in einem Uranabbau-Werk in Wismar arbeiten. Als er nach Brandenburg zurückkam, absolvierte er die Abendschule, holte einen höheren Schulabschluss nach und wurde Meister. Später wurde er Elektro-Ingenieur.

Von 1957 bis 1991 arbeitete er im Brandenburger Stahlwerk, in dem rund 10 000 Menschen beschäftigt waren. Dann verlor Georg Bachner wie tausende andere Stahlwerker auch den Job.

Nach der Lehre bis 1948 arbeitete er als Elektriker, später Abendschule und Meister. Schließlich wurde er Ingenieur. 1957 nahm er seine Tätigkeit im Stahlwerk auf.

34 Jahre später, 1991 verlor Georg Bachner seinen Job im Stahlwerk. 60 Jahre alt war er. Wurde Frührentner. Zum Glück gab es das Boot am Quenzsee. „Das haben wir genossen.“

Unzählige Erinnerungen

Die 70 Jahre Mitgliedschaft in der IG Metall – „das sind Erinnerungen. Mit Beginn der Lehre war es selbstverständlich, dass man in die Gewerkschaft eintritt.“ In einem Nebenzimmer bewahrt Georg Bachner Erinnerungen auf an seine Arbeit. In einer kleinen Box liegen mit Hammer und Sichel verzierte Orden: „Fünf Mal Kollektiv der sozialistischen Arbeit.“ Nun kommen auch bei den Zuhörern Erinnerungen auf. Es wird gewitzelt. Aber Georg Bachner ist nicht nach Lachen.

„Haben Sie schon mal mit einem Hammer Panzerstahl bearbeitet?“, fragt er. So sei seine Arbeit in dem sowjetischen Uranabbau-Unternehmen in Wismut gewesen. Vier Jahre hat e er dort geschuftet. Es war brechendschwere körperliche Arbeit. Später war Georg Bachner Aktivist. Mitglied in der Kampfgruppe des Stahlwerks, eine paramilitärische Organisation in den Betrieben zur „Sicherung der Herrschaft des Proletariats“. „Ich wurde kriminalisiert nach der Zeit der Nationalsozialisten und nach der Wende.“ Und wieder ziehen Erinnerungen durch den Raum. „Wir müssen jetzt Kaffee trinken, der wird ja kalt“, sagt Gerda Bachner, die mit ihrem Mann seit 62 Jahren verheiratet ist. Sie holt den Kaffee und später ein altes Schwarz-Weiß-Foto. Es zeigt ihren Mann mit Kollegen.

IG-Metaller Günter Börner kennt solche Lebensläufe. Er betreut die 820 Senioren der Gewerkschaft. Im Oktober sind die Jubilare im Industriemuseum zu einem Fest eingeladen. „Schau, ob Du vorbeikommen kannst. Da kannst Du es Dir bei Kaffee und Kuchen gut gehen lassen“, sagt Börner zu Bachner. Die beiden Männer sind vertraut im Ton. Doch kennen gelernt haben sie sich erst an diesem Juli-Nachmittag.

Von Marion von Imhoff

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