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Brandenburger starren auf ihre Trümmer

Erschreckendes Ausmaß des Großbrandes Brandenburger starren auf ihre Trümmer

Das Ausmaß des Großbrandes in der historischen Innenstadt von Brandenburg an der Havel ist enorm. Vier Häuser wurden ein Raub der Flammen und des Löschwassers. Es hätte nicht viel gefehlt und es wäre noch schlimmer gekommen. Die Menschen stehen vor dem Nichts.

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Betroffene können den Anblick der Zerstörung nicht fassen.
 

Quelle: Julian Stähle

Brandenburg/H.  Jörg Lohmann führt den Polizisten zu seinem Haus. „Oder was davon noch übrig ist“, sagt er. 1997 hatte das Ehepaar Lohmann das historische Gebäude in der Altstädtischen Fischerstraße mitten in Brandenburg an der Havel mit viel Liebe und Aufwand saniert. Es war eines der ersten sanierten Häuser in dieser Straße. In der Nacht zu Samstag ist es ein Raub der Flammen und des Löschwassers geworden, bei einem der schlimmsten Großbrände, die die Stadt Brandenburg seit der Wende erlebt hat. „Jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn man nichts mehr hat außer den Klamotten am Leib“, sagt Jörg Lohmann. Wie fühlt es sich an? „Beschissen.“

>> Verheerendes Feuer wütet in Brandenburgs Altstadt

Lohmanns Haus steht unmittelbar neben dem Gebäude, bei dem vor kurzem erst die Sanierungsarbeiten begonnen haben. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei ist in der Baustelle das Feuer ausgebrochen. Nachbarn entdeckten es gegen 3 Uhr und alarmierten die Feuerwehr.

Die Polizei dokumentiert die Zerstörung

Die Polizei dokumentiert die Zerstörung. Der Bagger diente den Arbeitern bei der Sanierung des Hauses.

Quelle: Julian Stähle

„Zuerst brannte es im Baustellenhaus, dann griffen die Flammen nach links und rechts in die Dachstühle der anderen Häuser über“, berichtet Katrin Rautenberg, die in der parallel verlaufenen Kommunikation wohnt. „Das ging unglaublich schnell.“ Sie und ihr Gatte Erardo, Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, waren kurz nach 3 Uhr von knallenden Geräuschen geweckt worden. „Wer knallt denn da schon wieder, haben wir uns gefragt“, sagt sie. Doch beim Blick hinaus war schnell klar, was die Ursache war.

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Mehrere Häuser liegen in Brandenburgs Altstadt in Schutt und Asche. Ein Großbrand hat die einst so prächtigen Gebäude zerstört. Unser Fotograf Julian Stähle hat das Elend, aber auch die unglaubliche Arbeit der Feuerwehr dokumentiert. (1)

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„Das Schlimmste ist die absolute Hilflosigkeit“

Gegen 3.15 Uhr rückten die Feuerwehren an. Schnell zeigte sich, dass das Feuer für die Berufsfeuerwehr allein zu groß war. „Wir alarmierten auch die Freiwilligen Feuerwehren Brandenburg und Klein Kreutz“, berichtet Detlef Wolf, Leiter der Brandenburger Feuerwehr. Hinzu holte man die Wehr aus Kirchmöser, weil diese über eine weitere Drehleiter verfügte. Die Flammen habe man ausschließlich über die beiden Drehleitern von oben bezwingen können. Gut und gerne 50 Feuerwehrkräfte kamen zum Einsatz. Gegen 6 Uhr waren die Flammen im Wesentlichen gelöscht. Doch noch Stunden später loderte das Feuer hier und da wieder auf.

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Mehrere Häuser liegen in Brandenburgs Altstadt in Schutt und Asche. Ein Großbrand hat die einst so prächtigen Gebäude zerstört. Unser Fotograf Julian Stähle hat das Elend, aber auch die unglaubliche Arbeit der Feuerwehr dokumentiert. (2)

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Lohmanns waren von Nachbarn geweckt worden. „Wir haben uns angezogen und sind hinaus auf die Straße“, sagt Jörg Lohmann. Was er dann sah, war ein schlechter Film. „Das Schlimmste ist die absolute Hilflosigkeit.“ Er sah, wie die Flammen von nebenan sein Haus erfassten. „Ich habe versucht, mit einem Gartenschlauch etwas auszurichten.“ Da war von der Feuerwehr noch keine Spur.

Brandursache bleibt vorerst Spekulation

Jürgen Jungnickel hatte Lohmanns Einsatz von seiner Wohnung gegenüber beobachtet. Und macht sich seinen Reim auf die Brandursache. „An dem alten Haus ist erst vor wenigen Tagen das Gerüst aufgestellt worden und Arbeiter haben Schutt herausgeholt“, berichtet er. Andere Nachbarn wollen gesehen haben, dass die Bauarbeiten bis Donnerstag aus dem Hof des Hauses liefen und just am Freitag mit Arbeiten im Gebäude begonnen worden sei, „Ob die Ursache des Brandes in einem technischen Defekt liegt oder ob das Feuer fahrlässig oder gar vorsätzlich ausgelöst wurde, ist bislang reine Spekulation“, teilt Polizeisprecherin Jana Birnbaum mit.

Polizeileiter Carsten Eichmüller im Gespräch mit Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg und Katrin Rautenberg

Polizeileiter Carsten Eichmüller im Gespräch mit Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg und Katrin Rautenberg. Das Feuer breitete sich auf ihr Haus nicht aus

Quelle: Julian Stähle

Falsch parkende Autos behinderten die Einsatzkräfte

Die Einsatzkräfte hatten Mühe, den Brandort zu erreichen. An beiden Seiten der Straße hätten parkende Autos die Einfahrt für die große Feuerwehrtechnik verhindert, schimpft ein Feuerwehrmann. Der Sozialbeigeordnete Wolfgang Erlebach, der sich am Vormittag vor Ort umsah, hörte genau hin: „Wenn es sich herausstellt, dass falsch parkende Autos den Einsatz behindert haben, müssen wir etwas unternehmen“, sagt er.

Rautenbergs hatten Angst, dass das Feuer über die schmale Gasse springt und ihr Haus erfasst. „Wie mein Nachbar bei sich, habe ich zum Gartenschlauch gegriffen und unser Haus gekühlt“, sagt Erardo Rautenberg. „Zum Glück stand der Wind nicht in unsere Richtung“, ergänzt Katrin Rautenberg. Und was wäre, wenn es schlimmer gekommen wäre? „Da wir nach vorn nicht hinaus konnten, haben wir unser Boot soweit vorbereitet, dass wir sofort über die Havel hätten setzen können“, sagt sie.

Auch die Notfallseelsorge war vor Ort

Auch die Notfallseelsorge war vor Ort.

Quelle: Julian Stähle

Joachim Hütter sah die Feuerwalze auf sein Haus zukommen. „Ein grauenhafter Anblick.“ Er wohnt zwei Häuser entfernt, das Gebäude war erst vor wenigen Jahren saniert worden. Die Familie gehörte zu den 24 Leuten, die aus ihren Häusern herausmussten. Verletzt wurde niemand, jedenfalls nicht körperlich. Auch Hütters nahmen das Angebot des Sorat-Hotels dankend an, dort den Rest der Nacht zu verbringen. „Wir haben einen Tagungsraum bereit gestellt“, sagt Sorat-Mitarbeiterin Tina Kallenbach. Man bot den verunsicherten Menschen Getränke und ein Frühstück. „Damit sie sich etwas zurecht machen konnten, haben wir ein Zimmer für sie geöffnet.“ Auch das nutzten die Evakuierten gern. Gegen 8.30 Uhr konnten Hütters und die anderen zurück, sofern ihre Häuser noch standen.

Aus der Havel holten die Kräfte das Löschwasser

Aus der Havel holten die Kräfte das Löschwasser.

Quelle: Julian Stähle

Dass das Feuer nicht schlimmer gewütet hatte, ist gewiss dem massiven Einsatz von Löschwasser geschuldet. Zwischen den Zeilen ließ Feuerwehrchef Wolf durchblicken, dass man auch die nun zerstörten Gebäude besser hätte schützen können. „Die vier Häuser waren nicht durch Brandwände voneinander getrennt.“

Die ungeheure Zerstörungskraft des Feuers

Die ungeheure Zerstörungskraft des Feuers.

Quelle: Julian Stähle

Lohmanns ziehen womöglich vorübergehend in eine Wohnung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Wobra. Deren Leiter Stephan Falk war am Vormittag am Brandort und hatten den Unglücklichen die schnelle, unkomplizierte Hilfe seines Unternehmens angeboten. „Die Zusammenarbeit aller Beteiligten klappt gut“, lobt Polizeileiter Carsten Eichmüller. „Hier geht es Hand in Hand.“

Brandenburgs Feuerwehrchef Detlef Wolf am Einsatzort

Brandenburgs Feuerwehrchef Detlef Wolf am Einsatzort.

Quelle: Julian Stähle

Noch am Samstag will ein Baustatiker ermitteln, ob und inwieweit die vier Gebäude zu retten sind. „Guck mal“, ruft Jörg Lohmann seinen Nachbarn zu, „unser alter Holzschuppen hat es überstanden, die Fahrräder sind noch da.“ Und auch die scheue schwarze Katze der Familie hat sich gemeldet. Sie hat sich in eine Ecke verkrochen und wartet ab. Es gibt auch kleine Lichtblicke in dieser Katastrophe.

Von Heiko Hesse

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