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Brandenburg/Havel Brandenburger wollen nicht hamstern
Lokales Brandenburg/Havel Brandenburger wollen nicht hamstern
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18:18 24.08.2016
Quelle: imago stock
Brandenburg/H

Die Bundesregierung rät der Bevölkerung, Vorräte für Notsituationen anzulegen. Terroristischen Anschläge, Cyber-Attacken, Naturkatastrophen – für die Brandenburger keine realen Gefahren. Befolgen sie den Rat und horten Lebensmittel, Wasserflaschen oder Batterien?

Was halten die Brandenburger davon? An einem ganz normalen Tag, befüllen sie in ganz normalen Mengen ihre Einkaufswagen. Sie stapeln keine Paletten von Mehl, Reis oder Dosenerbsen in die Wagen und horten sie zu Hause. Auch die Regale sind nicht leergeräumt.

„Wir hatten noch keinen einzigen Kunden, der hier mit riesen Vorräten aus unserem Laden spaziert ist“, sagt eine Rewe-Mitarbeiterin in Brandenburg an der Havel. Was hält sie von der aktuellen Diskussion? „Ich finde es schwachsinnig. Man hat doch immer Lebensmittel im Haus.“

Tatsächlich gibt es unzählige Stimmen, die sagen, dass sie ohnehin so viel Essen zu Hause haben, dass sie ein paar Tage problemlos über die Runden kommen. Dafür kaufe man ja ein. Wer gehe schon jeden Tag in den Supermarkt? Jetzt im Sommer leben viele Menschen zudem zu einem Teil von Obst und Gemüse aus ihren eigenen Gärten.

Konzept für den Zivilschutz

In dem am Mittwoch von der Bundesregierung beschlossenen neuen Zivilschutz-Konzept werden die Bürger auch aufgefordert, selbst aktiv zu werden. In insgesamt vier Zeilen des siebzigseitigen vom Innenministerium erarbeiteten Konzeptes wird die Bevölkerung dazu aufgerufen, Vorräte für bis zu zehn Tage anzulegen.

Viele andere Aspekte nehmen also einen weitaus größeren Raum in dem Papier ein. Und dennoch: die Diskussion um den Rat zu Hamsterkäufen ist laut und intensiv – schon Tage bevor das Konzept vorgestellt wurde.

Die Brandenburger Studentin Christina (29) denkt auch nicht daran, haufenweise haltbare Lebensmittel in ihrer Wohnung zu horten. „Ich würde mir die Vorräte nicht bewusst anlegen.“ Sie halte es außerdem für den falschen Zeitpunkt. „Es ist die falsche Richtung. Die Menschen haben ohnehin Angst vor Anschlägen und dann ausgerechnet jetzt dazu zu raten, Vorräte anzulegen, schürt die Angst nur weiter.“

Natürlich, die Vorräte sollen nicht nur für den Fall eines terroristischen Anschlages das Überleben sichern. Auch Naturkatastrophen oder großflächige Stromausfälle könnten der Bevölkerung die Versorgung durch Supermärkte unmöglich machen. Die Bundesregierung selbst hält „Hybride Konflikte“ für die größte Gefahr. Bei solchen setzt der Angreifer Computerviren oder Sabotage ein. Christina hält jedoch die aktuelle Diskussion um den Terror für den Grund, warum die Menschen bei einem Rat durch die Bundesregierung, Vorräte anzulegen, sofort an eine reale Gefahr durch Terroristen denken. „Es ist einfach der falsche Zeitpunkt.“ Die Empfehlungen an die Bevölkerung sind allerdings nicht neu. Das Konzept wird vorgestellt als Überarbeitung einer zuletzt im Jahr 1995 aktualisierten Version. Jene war geprägt von der weltpolitischen Entspannung nach dem Ende des Kalten Krieges. Unabhängig von den Empfehlungen des Innenministeriums informiert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf seinen Internetseiten, wie sich die Bürger auf Notfälle vorbereiten sollten.

Die Brandenburger bleiben also entspannt. „Ich finde es nicht erforderlich“, sagt auch die Rentnerin Karin Schacht (73). „Solche Krisen hatten wir schon öfter. Das ist Panikmache. Erwarten tue ich jedenfalls nichts.“

Auch der 64-jährige Hans-Werner Meienberg aus Jeserig sieht die Sache gelassen. „Ich finde den Rat schon sinnvoll, aber ich denke, es kommt darauf an, wo man wohnt.“ Meienburg denkt beim Thema Vorräte und Notlagen offenbar zu allererst an Naturkatastrophen. „Wir leben in Jeserig und halten die Vorräte nicht für notwendig. Aber wenn man in hochwassergefährdeten Regionen wohnt oder in Bergregionen, in denen es Erdrutsche geben kann, haben Lebensmittel für Notsituationen sicher Sinn“, erklärt der Senior. Dass demnächst ein Krieg ausbreche, sei aus seiner Sicht nicht zu erwarten. „Wenn ich an all die Gefahren denke, die es heute so gibt – man kann einfach nicht alles verhindern, eine Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.“

Der Einkaufswagen von Hans-Werner Meienberg ist denn auch fast leer. Nur etwas Spielzeug für die Enkelkinder und Kauknochen für den Hund liegen darin. „Mich regt das alles überhaupt nicht auf“, sagte er und geht in Ruhe weiter.

Von Annika Jensen

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