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Brandenburger ziehen in den Anden Zähne

Medizin-Hilfe für Ecuador Brandenburger ziehen in den Anden Zähne

Die Brandenburgerin Isalbell Steinhoff reiste 2012 das erste Mal nach Ecuador. Im Süden des Andenstaates arbeitete die Zahntechnikerin für drei Monate in einer Missionsklinik. In diesem Sommer half auch der 55-jährige Zahnarzt Frank Schwerin in der Provinz Zamora Chinchipe. Ein medizinisches Engagement fernab von Luxus.

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Eine Alltagsszene, die Frank Schwerin bei seinem Aufenthalt in der Provinz Zamora Chinchipe eingefangen hat.

Quelle: Privat

Brandenburg an der Havel. „Meine Eltern finden es toll“, sagt die 32-jährige Isabell Steinhoff, wobei, naja, für ihre Mutter sei der Abschied schon schwer gewesen. Im Oktober 2012 reist die junge Frau das erste Mal allein nach Ecuador. Guadalupe heißt das Ziel, ein kleiner Ort in der Provinz Zamora Chinchipe im Süden des Andenstaates, in dem die Zahntechnikerin für drei Monate arbeiten wird.

Zur Clínica Misional führt eine abenteuerliche Hängebrücke. Abenteuer, ja genau das habe sie auch gesucht, als sie auf die Anzeige in einer Fachzeitschrift antwortete. „Das klang sehr interessant und per Mail habe ich Kontakt aufgenommen“, berichtet sie. Die Brandenburgerin besucht also einen Spanischkurs, möchte andere Menschen, ein anderes Land kennenlernen und ist bereit, auch mal Abstriche vom Luxusleben in Kauf zu nehmen. Strom, Wasser, Internet, diese grundsätzlichen Dinge seien ja da.

Klinikpersonal unter sich

Klinikpersonal unter sich: Mit dabei Frank Schwerin.

Quelle: privat

Frank Schwerin gibt ihr da recht. Fragt dann aber doch: „Ist bei euch auch mal der Strom ausgefallen?“ „Nein, das Wasser“, antwortet Isabell und den Tag mit einer kalten Dusche zu beginnen, sei wirklich nicht schön. Aber die Fotos sind es, die im Wartezimmer der Praxis im Lilienweg von dem ehrenamtlichen Auslandseinsatz erzählen. Die hat Frank Schwerin, Doktor der Zahnmedizin, selbst gemacht.

Im Juni dieses Jahres hat auch der 55-Jährige seinen vertrauten Arbeitsplatz mit dem im fernen Ecuador getauscht und vier Wochen unentgeltlich in der Klinik im Regenwald gearbeitet. Wichtig ist ihm dabei vor allem das soziale Engagement, Menschen zu helfen, für die eine medizinische Versorgung nicht selbstverständlich ist. Dieses Interesse hat auch Isabell Steinhoff und war deshalb im vergangenen Jahr noch einmal für neun Wochen im zahntechnischen Labor der Klinik tätig.

Der Diözesanpriester Pater Georg Nigsch aus Österreich, von allen Padre Jorge genannt, leitet die Clínica Misional. Im Jahr 2001 gegründet, wird sie seither vom Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. (FCSM) unterstützt, der zahnmedizinische Projekte in Lateinamerika organisiert und fördert.

Wenig Ärzte in abgelegenen Regionen

Es gibt ein Gesundheitssystem und ausgebildete Fachkräfte in dem kleinen Andenstaat, warum ist diese Form der Hilfe eigentlich notwendig? Es gebe zwar in den ländlichen Gebieten, fern der Großstädte kleine Gesundheitsstationen, beschreibt der Brandenburger Zahnarzt die Situation. Junge, einheimische Ärzte müssen dort auch ein soziales Jahr ableisten, eröffnen dann jedoch oft eine eigene Praxis in lukrativeren Gegenden – für viele der Patienten in der Provinz Zamora Chinchipe schwer zu erreichen. Zudem müssten sie das Fünffache von dem bezahlen, was bei einem Besuch in der Missionsklinik anfällt.

Bei der Arbeit

Bei der Arbeit: Isabell Steinhoff.

Quelle: privat

„Die Klinik hat ein großes Einzugsgebiet und die Patienten fahren bis zu drei Stunden mit dem Bus“, sagt Schwerin und dass die Menschen dann geduldig viele Stunden warten, denn ein Bestellsystem gebe es nicht. Sie kommen mit Schmerzen, brauchen eine „Placa“, eine Zahnprothese, oder diese muss repariert werden. Als Behandler muss auch er Spanisch sprechen und hat vorab eine Liste mit spanischen Fachausdrücken erhalten. Trotzdem ist die Verständigung oft nicht leicht, so dass die angestellte Schwester vor Ort übersetzt.

Die Behandler und Zahntechniker reisen aus den Vereinigten Staaten, aus Australien, Italien, Mexiko an, aus Österreich oder Deutschland. „Es ist wie eine Familie auf Zeit“, erklärt Isabell Steinhoff, die dadurch Freunde in der ganzen Welt gefunden und sie auch schon besucht hat. Man arbeite zusammen, esse gemeinsam und verbringe die Freizeit miteinander, beschreiben die beiden Brandenburger Freiwilligen und schwärmen von dem unschlagbar guten Essen der „Hermanans“, den Ordensschwestern, die sich um die Versorgung kümmern und ebenfalls aus verschiedenen Ländern stammen. Das Gebet vor und nach dem Essen gehöre dazu und auch in der Kirche am Sonntag sei man herzlich willkommen.

„Unschlagbar gutes Essen“

Touristen sind in dieser Region kaum anzutreffen und so wissen alle Einheimischen sofort, dass die Fremden zur Klinik gehören. „Man bekommt viel Wertschätzung“, sagt Frank Schwerin und auch Isabell Steinhoff hat Sätze wie: „Ist ja toll, was ihr da macht“ gehört. Man habe sie anerkennend „Doktorita“ genannt und sogar zu einer Hochzeit eingeladen. Auch wenn die Klinikausstattung im Regenwald recht solide ist, weiß Frank Schwerin nun vor allem die moderne Technik in der heimischen Praxis in Brandenburg zu schätzen.

Jedoch das Gefühl, dass man in Guadalupe wirklich gebraucht wird, weil das Leben im Regenwald viel existenzieller ist, dass Patienten auch acht Stunden Wartezeit hinnehmen und dass das Arbeiten, dem in einer Sauna gleichkommt, sind interessante Erfahrungen, die er nicht missen möchte. Würden sie es wieder tun? Diese Frage können beide mit einem eindeutigen Ja beantworten, auch wenn ein genauer Termin noch offen bleibt.

Von Ina Schidlowski

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