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Brandenburg/Havel Brandschutz: Altarkerzen im Stahlschrank
Lokales Brandenburg/Havel Brandschutz: Altarkerzen im Stahlschrank
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12:59 16.04.2019
Rüdiger Freiherr von Schnurbein ist der Leiter des Dommuseums im Dom zu Brandenburg an der Havel. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Rüdiger von Schnurbein ist seit 2006 Direktor des Dom-Museums, er ist auch ein Kenner von Architektur und Baugeschichte.

Herr von Schnurbein, haben Sie sich schon einmal ausgemalt, wie es wäre, wenn der Brandenburger Dom brennen würde?

Rüdiger von Schnurbein: Tatsächlich habe ich mit meiner Frau am Montagabend angesichts der Bilder aus Paris darüber geredet. Die Räume, die ständig genutzt sind wie Schule, Büros oder das Museum sind mit Rauchmeldern ausgestattet. In der Domkirche selbst geht das nicht aus technischen Gründen. Wir setzen daher massiv auf den vorbeugenden Brandschutz.

Wie sieht das konkret aus?

Wir haben beispielsweise schweren Herzens die schönen Holztüren zum Friedgarten ausgebaut und durch zertifizierte Brandschutztüren ersetzt. Aber es funktioniert beispielsweise nicht, in den 600 Jahre alten Dachstuhl eine Sprinkleranlage zu montieren. Das Holz ist sehr trocken, da oben ist es staubig, es kann natürlich zum Brand kommen. Deshalb darf man den Dachstuhl nie mit offenem Licht oder Taschenlampen betreten, nur die vorhandene Beleuchtung nutzen. Und im Dominneren werden beispielsweise die Kerzen für den Gottesdienst in einem eigenen Stahlschrank gelagert.

Was ist, wenn mal etwas repariert, ersetzt oder neu gebaut werden muss?

Der Dom ist das Wahrzeichen von Brandenburg an der Havel. Quelle: Stefan Melchior

Es ist beispielsweise verboten, im Inneren der Kirche, also auch im Dachstuhl, zu flexen oder zu schweißen. Sind solche Arbeiten nötig, müssen die Teile ausgebaut und im Burghof bearbeitet werden. Im Übrigen gibt es sehr regelmäßige Begehungen gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr. Es kommt schon mal vor, dass nach der Weihnachtszeit die Krippe einfach mal im Turmstumpf abgestellt wird. Wir müssen also darauf achten, dass die nichtöffentlichen Bereiche nicht zu schwer zugänglichen Rumpelkammern werden.

Kontrollieren Sie beziehungsweise Ihre Mitarbeiter auch selbst?

Selbstverständlich, zur Schließzeit im Museum gibt es nicht nur den obligatorischen Rundgang durch alle Räume, sondern auch durch die Kirche, damit keine brennende Kerze vergessen wird.

Was passiert, wenn es wirklich brennt? Gibt es eine Rang- und Reihenfolge, was wann wie gerettet wird?

Wir müssen sehen, dass sich im Notfall das Feuer nicht zu weit ausbreitet. Die Altäre beispielsweise sind ja nicht nur mit zwei Schnellspanner-Schrauben befestigt, sondern fest montiert. Zudem sind sie beispielsweise meist nur mit sechs Mann zu heben. Retten wird also schwierig.

Gibt es im Domstiftsarchiv beispielsweise eine Sprinkleranlage?

Nein, wir haben das aber diskutiert im Zusammenhang mit dem Umzug ins Haus der alten Schätze in wenigen Jahren. Die Idee wurde aber wieder verworfen. Wir sehen es gerade auch in Notre-Dame. Da musste auch sparsam mit Wasser umgegangen werden, weil sich Mörtel stark vollsaugt, schwer wird und die ganze Statik verändert.Bei Backsteinbauten wie am Dom ist das noch gefährlicher. Es gibt auch technische Lösungen, mit denen man Luft aus den Archivräumen abziehen könnte, um dem Feuer Sauerstoff zu entziehen. Dazu werden wir die Spiegelburg aber nicht dicht genug bekommen.

Also hilft nur, vorab lieber mehrfach zu kontrollieren?

In der Tat, wir setzen auf die mehrfachen Kontrollen. Wenn doch einmal ein Feueralarm ausgelöst wird, tritt die normale Alarmkette in Kraft. Wenn beispielsweise in der Grundschule ein Melder anschlägt, kommt die Berufsfeuerwehr mit „voller Kapelle“. Die Kinder in Schule und Hort werden zudem regelmäßig in Feuerwehrübungen trainiert, damit alle wissen, wo sie hinlaufen müssen.

Und bei den zu schützenden Gütern gibt es im Ernstfall keine Rang- und Reihenfolge?

Nein, das entscheiden die Experten der Feuerwehr im Notfall ganz alleine, wie sie den Brand löschen.

Von André Wirsing

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