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Brandt am „Pranger“ von Tiemanns Stadtkanal

Schmerzker Reptilienstation Brandt am „Pranger“ von Tiemanns Stadtkanal

Was aus der Reptilienstation von Marko Hafenberg in Schmerzke wird, bleibt unklar. Fakt ist, dass Hafenberg dem wegen Untätigkeit angegriffenen Baubeigeordneten Michael Brandt (CDU) keine Schuld an seinem Problem gibt. Die Kritik des Echsenexperten gilt der Kommunikation mit Sachbearbeitern. Die haben den geforderten Bauantrag nun erhalten.

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Bürgermeister gibt das Tempo vor

Marko Hafenberg ist der Retter der Reptilien.

Quelle: Christian Griebel

Brandenburg/H. Was aus der Reptilienstation von Marko Hafenberg in Schmerzke wird, bleibt unklar. Fakt ist, dass der Reptilienretter dem wegen Untätigkeit angegriffenen Baubeigeordnete Michael Brandt (CDU) keine Schuld an seinem Problem gibt. Die Kritik des Echsenexperten gilt der Kommunikation mit Sachbearbeitern. Die haben den geforderten Bauantrag für die Tierstation nun erhalten.

Die Bauaufsicht war aufmerksam geworden, nachdem Hafenberg sein Gewerbe in Schmerzke angemeldet hatte. Am 18. Juni 2014 forderte sie den Betreiber in einem ordnungsbehördlichen Verfahrens auf, einen Antrag auf Nutzungsänderung nach der Brandenburgischen Bauordnung zu stellen.

Hafenberg vor seiner Reptilienstation

Hafenberg vor seiner Reptilienstation.

Quelle: Griebel

„Das war bis zur Einreichung des Bauantrages in der letzten Woche die einzige Anforderung seitens der Bauaufsicht“, versichert Verwaltungssprecher Jan Penkawa.

Einreichung des Antrags in der Vorwoche

Hafenberg spricht gleichwohl von lauter Steinen, die Mitarbeiter der Bauaufsicht seiner Arbeit in den Weg legen. Er berichtet, dass er in der Summe nicht Stunden, sondern wohl Tage in den Amtsstuben zugebracht habe. In der Hauptsache geht es darum, welche Voraussetzungen der gebürtige Brandenburger erfüllen muss, damit sein Betrieb nicht eines Tages geschlossen wird.

Vereinfacht ausgedrückt besteht Hafenbergs Standpunkt darin, dass er mit seiner Station an zuvor in Schmerzke vorhandene Nutzungen anknüpft. Hafenberg verweist auf die Vorgeschichte des Gebäudes. Schmerzkes Ortsvorsteher Ernst Wegerer (CDU) erinnert sich an die dortige Post, die Arzt- und die Zahnarztpraxis und an die Möbelmanufaktur.

Die Bauaufsicht hingegen weiß von alledem angeblich nichts. Jan Penkawa zufolge wurde dort nach umfangreichen Archivrecherchen lediglich eine Baugenehmigung als Sozial- und Verwaltungsgebäude für die Schweinemastanlage Rietz nachgewiesen.

Bauaufsicht weiß von nichts

Das mag stimmen, doch zumindest hatte die Bauaufsicht den Möbelbau im Blick. Denn am 18. Mai 2012 hatte sie das ordnungsbehördliche Verfahren gegen den Möbelbauer eingestellt, „da es sich bei dem Gebäude offensichtlich um eine bestandsgeschützte Nutzung (Werkstatt/Fabrikation) handelt“.

Von bestandsgeschützter Nutzung sprechen die Bauaufseher inzwischen nicht mehr. „Ich muss einen Bauantrag stellen, so als würde ich abreißen und dann ganz neu bauen“, bedauert Hafenberg. Verbunden damit sind nach seinen Angaben die geltenden Anforderungen an einen Neubau, zum Beispiel bestimmte Brandschutztüren und Fluchtwege. Das wird nicht billig. Mit rund 30 000 Euro Baukosten rechnet der Stationschef.

Marko Hafenberg mit einem seiner Krokodile

Marko Hafenberg mit einem seiner Krokodile.

Quelle: Jacqueline Steiner

Den wiederholt geforderten Bauantrag hat die Planerin von Marko Hafenberg deutlich vor Ablauf der letzten Frist am 31. März 2016 eingereicht, wie die Verwaltung bestätigt. Doch sei der Antrag zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vollständig.

30.000 Euro Baukosten erwartet

Am Montag habe die Bauaufsicht noch fehlende Unterlagen nachgeordert. Beantragt sei die Umnutzung eines Büro- und Verwaltungsgebäudes in Groß- und Einzelhandel für Terraristik und Reptilienzentrum sowie in zwei Wohneinheiten.

Was auf den ersten Blick wie ein fast alltäglicher Streit zwischen Bürger und Bauverwaltung wirkt, ist inzwischen politisch reichlich aufgeladen. Im Mittelpunkt steht Michael Brandt (CDU), der bei Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) in Ungnade gefallene Baubeigeordnete der Stadt.

Brandt moniert in seinen beiden Briefen an die Stadtverordneten, dass die „Berichterstattung der „im Eigentum der Familie der Oberbürgermeisterin stehende Fernsehsender SKB bewusst und zielgerichtet, mit Wissen und Wollen der Oberbürgermeisterin darauf angelegt“ sei, den Beigeordneten, weitere Führungskräfte oder ganze Verwaltungsbereiche wie die Bauaufsicht „öffentlich an den Pranger zu stellen“.

Als solche Stimmungsmache gegen ihn und die Bauaufsicht wertet Brandt den SKB-Beitrag vom 18. Februar, in dem über „angebliche Fehler der Bauverwaltung in Zusammenhang mit der Reptilienstation“ berichtet wurde. Dabei habe sich die Bauaufsicht angesichts der „baurechtswidrigen“ Nutzung „hier sehr umsichtig und professionell“ verhalten, schreibt Brandt.

Thema sollte zur „Chefsache“ werden

Der im Eigentum der Familie Tiemann befindliche Sender hatte in Bezug auf Hafenbergs Reptilienhaus gefordert, dass Brandt das Thema zur Chefsache machen solle und behauptet, alle warteten darauf, dass der „Baubeigeordnete endlich auch aktiv wird“. Vielleicht lenke er ja ein.

Marko Hafenberg bedauert, dass er keine Kinder mehr durch seine Räume führen kann und dass sein Fall in die politische Zwickmühle geraten ist. „Frau Tiemann und Herr Brandt haben damit doch beide nichts zu tun“, betont er. Welche Perspektive seine Tiere haben, das könne er erst sagen, wenn sein Bauantrag beschieden ist.

Die MAZ fragte die Verwaltung, unter welchen Umständen und zu welchem Zeitpunkt Herrn Hafenberg die (zwangsweise) Schließung oder Nutzungsuntersagung drohe. Die Antwort lautet: Das weitere Vorgehen liege dann „im pflichtgemäßen Ermessen der unteren Bauaufsichtsbehörde“.

Von Jürgen Lauterbach

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