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Brawag investiert für reines Trinkwasser

Brandenburg an der Havel Brawag investiert für reines Trinkwasser

Höhere Umweltstandards, höhere Anforderungen an die Technik in der Kläranlage Briest des Wasserversorgers in Brandenburg an der Havel. Laufend wird neu investiert – gerade eben mehr als 300.000 Euro. Die Bakterien im Belebungsbecken werden mit Sauerstoff gefüttert, damit sie besser ihre krankmachenden Koli-Kollegen vernichten können.

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Luftblasen im Belebungsbecken regen die guten Bakterien an.

Quelle: André Wirsing

Brandenburg/H. 14.000 Kubikmeter heiße Luft für ein sauberes Abwasser. Und dies zu jeder Stunde. Laufend modernisiert wird das Klärwerk Briest vom Wasserversorger Brawag.

Die drei Turbo-Kompressoren sind die jüngste Errungenschaft: Sie saugen Umgebungsluft an und verdichten diese, die Temperatur steigt dabei von knapp über zehn auf mehr als 60 Grad Celsius. Über eine Sammelleitung wird die auf einen Druck von bis zu 900 bar verdichtete Luft in die beiden Belebungsbecken geleitet, steigt aus Membranröhren in 4,50 Metern Tiefe feinblasig auf und regt die „guten Bakterien“ dazu an, ihre krankmachenden „Koli-Kollegen“ zu zerstören.

Gute 300.000 Euro investierte die Brawag dafür, eine Viertelmillion in Maschinen, den Rest in Software und Leitstellenanpassung. Neun Monate habe der Entscheidungsprozess gedauert. Die alten Kompressoren waren viel größer und energieraubender, sagt Projektingenieur Johannes Anger. „Diese Anlagen verbrauchen bis zu 60 Prozent des Gesamt-Energiebedarfs im Klärwerk. Da muss man schon spitz rechnen.“ Aber die neuen Anlagen seien nicht nur leistungsstärker und effizienter, sondern auch leiser und laufruhiger. Zum Beweis stellt der Ingenieur eine Zwei-Euro-Münze hochkant auf einen laufenden Kompressor – die Münze bleibt stehen.

Wie schnell die Prozesse in den Becken ablaufen, hängt von ganz vielen Faktoren ab – Einleitmengen (Niederschläge), Temperatur sowie Anteil des so genannten Belebschlammes in den Becken: Ist es zu viel Schlamm, springen die Energiekosten in die Höhe, ist es zu wenig, könnten die Klärwerker vom Wolkenbruch überrascht werden, dann fehlt es an der Masse mit den Killerbakterien, erläutert Klaus-Dieter Hildebrandt, Chef der Briester Anlage.

Der dritte Kompressor stehe im Standby, um Störungs- und Wartungsausfälle zu kompensieren beziehungsweise die volle Leistung abzurufen, wenn es wirklich einmal tagelang wie aus Eimern schüttet. Im normalen Betrieb genügen knapp 600 bar Überdruck, um Leitungswiderstand und 4,50 Meter Höhenunterschied zu überwinden.

33.000 Kubikmeter

Bis zu 33.000 Kubikmeter Abwasser fließen aus der Stadt und einigen Umlandgemeinden an Regentagen nach Briest, an Sonnentagen sind es um 9000 Kubikmeter.

Die Abwasserdruckleitungen sind 76,3 Kilometer lang, die Mischwassersammler: 56,5 Kilometer, die Schmutzwasserrohre 166,3 Kilometer und die reinen Regenwassersammler 109,6 Kilometer. Es gibt zudem begehbare Kanäle auf 3,9 Kilometern Länge.

Die Zahl der Hausanschlüsse beträgt 10.350 Stück.

92,2 Prozent der Einwohner der Stadt sind ans Kanalnetz angeschlossen.

Die Belebungsbecken mit der biologischen Reinigung sind nur der zweite Schritt in der Kette der Prozessetappen: Nach Rechen und Sandfang durchläuft das Abwasser die mechanische Vorreinigung, bei der die schwern Bestandteile zu Boden schweben, dann kommen die Mikroorganismen in den Belebungsbecken zum Einsatz. In der Nachklärung wird das gereinigte Wasser mit Zentrifugen vom Klärschlamm getrennt. Das Wasser wird über den so genannten Vorfluter in die Havel gegeben – an normalen Tagen etwa 400 Kubikmeter pro Stunde, um die 9000 Kubikmeter am Tag, an Starkregentagen sind es dann schon mal 20.000 Kubikmeter oder mehr. „Und dennoch müssen immer mindestens sieben Milligramm Sauerstoff in jedem Liter Wasser sein“, sagt Anger.

Der getrocknete Klärschlamm wird nach Zertifizierung an die Landwirtschaft abgegeben beziehungsweise im unmittelbar benachbarten Blockheizkraftwerk in neue Energie umgewandelt. Wenn es kurzfristig Energiespitzen für Kraftwerke aufzufangen gilt, wird der Strom so teuer verkauft, dass es sich lohnt, die neuen Kompressoren zeitweise mit den eigenen Diesel-Notstromaggregaten zu betreiben.

Ständiges Investieren ist aus mehreren Gründen Pflicht für die Brawag: Die Anlagen unterliegen einem hohen Verschleiß und müssen ständig auf technisch einwandfreiem Niveau gehalten werden. Zudem werden durch internationales, europäisches und nationales Recht ständig die Umweltanforderungen erhöht. Derzeit plant die Brawag ein neues Kalk- und Kohlenstoffsilo, um dem Belebschlamm entsprechend mit Zusätzen anreichern zu können.

Zudem kümmern sich insgesamt drei Labore unabhängig voneinander um die Qualität des gereinigten Abwassers. Das Unternehmen überprüft das Einhalten der Standards fortwährend in Selbstüberwachung, bewahrt alle Daten mindestens zehn Jahre lang auf. Turnusgemäß nimmt ein weiteres Labor mindestens zweimal im Monat Ablaufproben und ein drittes kommt mindestens sechsmal im Jahr zu unangemeldeten Kontrollen. Auch die Einleiter, die Abwasser nicht übers Netz, sondern in Lkw bringen, werden überprüft.

Und die Brandenburger könnten ihren Klärwerkern das Leben auch ein bisschen leichter machen – wenn sie nämlich darauf verzichten würden, Unmengen an Kosmetiktüchern einfach über die Klospülung zu entsorgen.

Von André Wirsing

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