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100 Meter zum betreuten Briefkasten

Weiter Postweg für Rentner 100 Meter zum betreuten Briefkasten

Ausgerechnet im neuen „betreuten Wohnen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Brandenburg an der Havel müssen Rollstuhlfahrer, Rollatornutzer und andere Mieter tagtäglich 50, 100 oder 200 Meter zur gemeinsamen Briefkastenanlage am zurücklegen, um ihre Zeitung zu holen. An ihrer Haustür gibt es keine Briefkästen. Das wussten die Mieter vorher, sagt der ASB.

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Jeder hat seinen Briefkasten, doch der Weg dorthin ist etwas weit.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg an der Havel. Darüber kann man sich wundern. Ausgerechnet im „betreuten Wohnen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) müssen Mieter je nach genauer Wohnlage tagtäglich etwa 100 bis 200 Meter zur Gemeinschafts-Briekastenanlage am ASB-Verwaltungsgebäude zurücklegen, wenn sie ihre Zeitung oder ihre Post holen wollen. Denn an ihrer Haustür gibt es keine Postkästen.

„Besonders beschwerlich ist das für Mieter, die im Rollstuhl sitzen oder auf den Rollator angewiesen sind“, sagt Rentner Manfred Linke (83). „Die Mieter waren beim Einzug darüber informiert“, versichert Ariane Leder vom ASB.

„Sicher und geborgen im Alter, unabhängig und umsorgt in ein liebens- und lebenswerten Zuhause“, so wirbt der ASB erfolgreich für die 17 Zwei-Raum-Wohnungen mit Terrasse, Einbauküche und Fußbodenheizung. Der Brandenburger Ortsverband hat die altersgerechte Wohnanlage in Hohenstücken für gut drei Millionen Euro errichtet und im April eröffnet. Die ebenerdigen Wohnungen, die an kleine Reihenhäuser erinnern, sind alle vermietet, Interessenten haben sich auf die Warteliste setzen lassen.

Manfred Linke weiß den Komfort seiner neuen Wohnung durchaus zu schätzen. Doch bezogen auf einige wenige Schwachpunkte macht sich der Rentner zum Fürsprecher seiner Nachbarn. „Warum bekommen wir keine eigenen Briefkästen?“, fragt er. Gerade im Winter sei es doch gefährlich, wenn gehbehinderte Mieter oder Leute, die einen Schlaganfall erlitten haben, zu ihrer Postsammelstelle schlittern müssen.

„Wenn es friert, wird es beschwerlich zu gehen“, befürchtet Erika Kossert. „In unserer früheren Wohnung hatten wir den Postkasten direkt im Haus“, berichtet Gisela Hornfeld, die sich mit dem Rollator fortbewegt.

Fast doppelt so teuer wie der Durchschnitt

Alle 22 Wohnungen der Anlage in der Rosa-Luxemburg-Allee 1 sind vermietet. Der Arbeiter-Samariter-Bund hat das Projekt „Betreutes Wohnen” an der Stelle seiner früheren Kita „Wichtelparadies” realisiert.

Der Mietpreis für die 64 Quadratmeter-Wohnungen liegt bei 513 Euro kalt, was eine Quadratmeterkaltmiete von etwas über 8 Euro bedeutet. Das findet Mieter Manfred Linke viel Geld, auch wenn er seine Wohnung toll findet.

Die Mieteinnahmen dienen nach den Worten von Ariane Leder der Refinanzierung der Bausumme. Die Gewinnmarge für den Verein liege bei nur anderthalb Prozent. Der Bausachverständige und -betreuer habe den geforderten Mietpreis für angemessen befunden, zumal die Wohnungen einen hohen Standard aufwiesen und Eigenheimcharakter hätten.

Die durchschnittliche Miete für Neubauten liegt in Hohenstücken bei 4,62 Euro je Quadratmeter, teilt Frank Schulze mit, der Geschäftsführer des Mietervereins Brandenburg. Er bietet Mietern die Unterstützung seines Vereins an und empfiehlt im Übrigen, sich an das Amt für Soziales und Wohnen zu wenden mit der Bitte, den Mietpreis zu prüfen. Mieter im betreuten Wohnen konnten nach Angaben von Frank Schulze in der Vergangenheit über diesen Weg Erstattungen überzahlter Mieten durchsetzen, zum Teil in Höhe von einigen tausend Euro.

Auch die Hausverwaltung war zunächst über die „nicht ideale Lösung“ verwundert. Doch handele es sich bei dem mit einer Schranke abgetrennten, innenliegenden Bereich um eine Privatstraße, welche die Post nicht befahre, erklärt der Geschäftsführer der WBG Ziesar.

Ganz so ist es allerdings nicht, wie Post-Sprecher Markus Wohsmann versichert. Die direkte Zustellung an den Wohneinheiten habe die Post nie abgelehnt. Für das Unternehmen sei es auch kein Problem, die Briefe innerhalb der Anlage zuzustellen, wenn an den Wohneinheiten Einzelbriefkästen angebracht sind. Voraussetzung dafür sei die ungehinderte Zufahrt, denn die Post wird in Hohenstücken nicht zu Fuß, mit Zustellfahrzeugen ausgeliefert.

Markus Wohsmann ermuntert die Vertreter des ASB, auf die Stammzustellerin zuzugehen, um einen Gesprächstermin mit der Stützpunktleitung und dann eine Lösung zu finden.

Der ASB habe vorab erkundet, dass die Mieter in erster Linie Sicherheit wünschten, erklärt Ariane Leder, die beim ASB für das betreute Wohnen verantwortlich ist. Die abgeschlossene Schranke halte unberechtigte Fahrzeuge fern. Die Mieter hätten vor dem Einzug gewusst, wo sich ihre Briefkästen befinden, und dem zugestimmt.

Von Jürgen Lauterbach

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