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Brielow hat es mit dem Kreuz

Streit im Kirchenförderverein Brielow hat es mit dem Kreuz

In der Brielower Kirche beginnen die letzten Sanierungsarbeiten. Doch es gibt Streit um ein großes Kreuz, das an der Apsiswand hinter dem Altar angebracht war. Das christliche Symbol aus Buchenholz soll nicht wieder an seinen Platz zurückkehren. Warum Ingrid Feuerherd diesen Plan durchkreuzen will.

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Blick auf die Apsis mit dem inzwischen abgenommenen Kreuz in der Brielower Kirche vor der Sanierung.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Brielow. Es ist eines der wichtigsten Sinnzeichen des Christentums. Für immer ist es verbunden mit dem Opfertod Jesu Christi. Es steht für die Verbundenheit des Menschen mit der Erde und den Mitmenschen sowie mit dem Göttlichen. Nur in Brielow ist es ein Kreuz mit dem Kreuz. Das hängt gerade wegen Sanierungsarbeiten nicht an seinem Platz. Jahrzehntelang war es an der Apsiswand hinter dem Altar angebracht. Dorthin soll das gut zwei Meter hohe Symbol aus Buchenholz nie wieder zurückkehren. So der Konsens von Denkmalpflege, Kirchengemeinde und Förderverein.

Historisches Ensemble

Die Brielower Kirche bildet mit dem Friedhof und der berühmten Schwedenlinde, die mit Gurten und Stangen vor dem Auseinanderbrechen bewahrt wird, ein historisches Ensemble. Der Turm stammt aus dem Jahr 1690, das Langhaus mit seinen roten Klinkern wurde 1873 angebaut.

Historische Ansichten von 1925 zeigen den Innenraum der Kirche in einer ganz anderen Ausmalung als heute. Ein großes Kreuz an der Wand der halbrunden Apsis existierte damals nicht. Lediglich der Altar war mit dem christlichen Symbol geschmückt.

Die letzte umfassende Innenrenovierung vor der Wende fand 1978 unter Pfarrer Hans Simon statt. Durch das Entfernen einiger Bankreihen wurde der Altarraum vergrößert. Außerdem fanden Isolier- und Malerarbeiten statt. Ein neuer Altar in Tischform wurde aufgestellt.

Für Ingrid Feuerherd, die sich im Kirchenförderverein für den Erhalt des Gotteshauses engagiert, ein Unding. „Ich bin in Brielow getauft und konfirmiert worden. Die Kirche ohne Kreuz ist für mich unvorstellbar. Damit sind doch viele von uns groß geworden“, sagte die empörte Brielowerin der MAZ. Sie erinnert daran unter welchen schwierigen Bedingungen ihr Onkel, der Stellmachermeister Willi Taube, das Kreuz einst anfertigte. Dieses Engagement dürfe nicht einfach so vergessen werden, so Feuerherdt. Die Brielowerin lief bei Pfarrerin Johanna Rief vom Pfarrsprengel Päwesin Sturm, um den Plan doch noch zu durchkreuzen. Mit wenig Erfolg.

Ingrid Feuerherd will das große Kreuz im Kirchenraum behalten

Ingrid Feuerherd will das große Kreuz im Kirchenraum behalten.

Quelle: Frank Bürstenbinder

„Es passt einfach nicht hin. Das Kreuz gehörte nie zur Originalausstattung der Kirche. Im Zuge der bevorstehenden Malerarbeiten soll der historische und denkmalgerechte Zustand des Innenraums wieder hergestellt werden“, begründet Kirchenältester Dietrich Schwalbe die dauerhafte Abnahme des Kreuzes. Zu DDR-Zeiten war die ursprünglich mit Ausmalungen versehene Apsis mit weißer Farbe übertüncht worden. Davor wurde die schlichte Holzkonstruktion gehängt. „Mit der originalgetreuen Wiederherstellung des Farbanstrichs würde sich das Kreuz nicht vertragen“, ist auch Kirchenfördervereinsvorsitzende Elisabeth Elsner überzeugt.

Auf ein Kreuz in ihrer Kirche sollen die Brielower auch in Zukunft nicht verzichten müssen. Eine silberne Variante könnte auf dem Altar Platz finden, eingerahmt von zwei silbernen Leuchtern, die sich im Besitz der Kirchengemeinde befinden. So jedenfalls die ersten Vorstellungen. „Wir warten ab, wie die Wand nach der Sanierung auf den Betrachter wirkt. Dann wird die Ausstattung Thema sein“, so Kirchenältester Schwalbe. Noch ist die Ostwand des Innenraums von einem Gerüst verdeckt. Die Restaurierung wird mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Die vor dem Verfall gerettete Brielower Kirche

Die vor dem Verfall gerettete Brielower Kirche.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Es handelt sich um den letzten vom Kirchenförderverein angeschobenen Bauabschnitt zur Rettung und zum Erhalt der Brielower Kirche. Die Kosten werden als Gemeinschaftswerk vom Förderverein, der Kirchengemeinde und aus dem Fördertopf der kreislichen Denkmalpflege finanziert. Vor zwölf Jahren begann der Förderverein mit einem ersten Arbeitseinsatz an dem rund 150 Jahre alten Backsteinbau. Danach folgte ein langer und mühsamer Weg über die Turm- und Fassadensanierung bis zur Erneuerung der einsturzgefährdeten Deckenkonstruktion. Ein oder zwei Winter hätte das Gebälk vielleicht noch gehalten. Doch Experten gaben der Decke kein langes Leben mehr. Heute gilt die Brielower Kirche als gerettet. Auch ohne Kreuz an der Wand. „Nach der Sanierung der Apsis bleiben lediglich noch ein paar Schönheitsreparaturen übrig“, so Fördervereinsvorsitzende Elsner. Im Zuge der jetzigen Sanierung werden noch zwei Lampen in der Apsis entfernt. Eine LED-Beleuchtung soll dann den Altarraum erhellen. Wieder zu lesen sein wird ein Bibelspruch, der die Wand im Original schmückte.

Beim Kreuz will Ingrid Feuerherd nicht lockerlassen. Sie wolle nicht, dass es verrotte oder zu Brennholz gemacht werde. „Findet sich kein Platz bin ich bereit, das Kreuz zu kaufen. Das bin ich meinem Onkel schuldig“, sagte die Brielowerin.

Von Frank Bürstenbinder

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