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Brandenburg/Havel Büdner-Museum in Oberjünne eröffnet
Lokales Brandenburg/Havel Büdner-Museum in Oberjünne eröffnet
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02:15 26.08.2015
Marcel Semmler (links) und Manfred Andert (rechts) überreichen Norbert Fröhndrich ein Exponat. Quelle: Andreas Koska
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Oberjünne

Die Golzower Heimatfreunde zählen zu den ersten Besuchern des Büdnermuseums. Am Samstag öffnete es in Oberjünne seine Pforten. Und: Manfred Andert und Marcel Semmler kamen nicht mit leeren Hemden. „Wir haben zwei alte Leinenhemden mitgebracht“, berichtet Semmler, der stellvertretende Vorsitzende der Heimatfreunde ist. Norbert Fröhndrich strahlt über beide Wangen. Vor neun Jahren war er Ortsbürgermeister des Dorfes und verantwortlich für die Jubiläumsfeierlichkeiten aus Anlass des 225. Geburtstags des Ortes, da hatte der Oberjünner die Idee ein Büdnermuseum aufzubauen.

„Wenn du willst, dann mach, ich glaube aber nicht daran“, sagte Ehefrau Veronika, als er ihr davon erzählte. Er hat es gemacht. Jetzt können die Besucher im ersten Stock des fast 200 Jahre alten Wohn- und Stallhauses in sechs eigens abgeteilten Räumen, die unterschiedlichen Aspekte des kleinbäuerlichen Lebens nachvollziehen. Von der Küche über die Wohn- und Schlafstube geht es über ein kleines Klassenzimmer in die Handwerkerwerkstätten und dann zu den bäuerlichen Geräten.

Die Ausstellung wartet mit interessanten Geschichten auf. Quelle: A. Koska

Als Marcel Semmler liest, dass ein Mittelstraß zu den ersten Siedler zählte, kann er es kaum fassen. „Das war der Opa meiner Oma“, sagt der 42-jährige Golzower. Dario Verseck aus Cammer schaut fasziniert auf die Schulbücher und Möbel. „Das ist doch ein Schreibfehler“, entfährt es dem Zehnjährigen. „Es muss doch Bibel heißen, nicht Fibel“, ist er überzeugt. Sein Vater stammt aus Oberjünne. Den Ausdruck Fibel für das erste Lesebuch kannte er bisher nicht. „Ich kann es mir nicht vorstellen, in so einem Klassenzimmer unterrichtet zu werden“, sagt der junge Mann. Gemeinsam mit seiner Oma versucht er, die alte Handschrift zu entziffern.

Erstaunlich viele Kinder und Jugendliche gehören am ersten Tag zu den rund 60 Besuchern des neuesten Museum im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Mit dabei die Geschwister Ballerstedt aus Arnsdorf, die das Wochenende bei ihrem Vater verbringen. Die Zwillinge Lars und Lena sind über die Knute im Klassenraum entrüstet. Die zehnjährigen Kinder können es sich nur schwer vorstellen, dass Kinder einmal damit gezüchtigt worden und leiden förmlich mit ihren Vorfahren. Bruder Benno kann die Wäschestampfer und Dreschflegel nicht zuordnen. „Jetzt habe ich etwas dazugelernt“, freut sich der Zwölfjährige.

Alte landwirtschaftliche Geräte gehören zur Ausstellung dazu. Quelle: A. Koska

„Gestern waren schon die bayerischen Enkel des Nachbarn hier, sie haben gleich in der Küche gespielt, das Bett ausprobiert und Schulstunde abgehalten“, erzählt Veronika Fröhndrich. Sie genießt die Freude ihres Mannes an der Geschichte. „Für ihn ist es Erholung nach der Arbeit“, sagt sie. Ihr Mann kann sich seine Passion nicht so recht erklären. „Das steckte schon immer in mir drin“, glaubt er. Die Geschichte der Landbevölkerung hat ihn schon früh interessiert. Die Chronik von Oberjünne, die er zum Ortsjubiläum veröffentlichte , war ein erstes Zeugnis des Hobbys.

Im Museum, das nach Vereinbarung und an den Wochenenden geöffnet sein wird, hat er alles genau beschriftet. Die Erklärungen zur Zentrifuge oder Butterfass lassen keine Fragen offen. Einer seiner größten Schätze ist aber ein Abgabenbuch des Büdners Krause. Darin sind ab 1791 alle Abgaben genaustens festgehalten. „Es wurde mir von den Nachfahren geschenkt“, berichtet er voller Stolz.

Besucher Siegfried Haage begutachtet eine alte Kochstelle. Quelle: A. Koska

Ähnlich geht es ihm mit dem Brautkranz und Schleier von Wilhelmine Steinborn aus dem Jahr 1902. „Die Brautkronen sind noch von meiner Oma“, erzählt der Hausherr. Das kleine Museum wird höchstwahrscheinlich erweitert werden müssen. Viele Besucher brachten als Geschenk Utensilien von ihren Höfen mit. Elfriede Krüger hat Schulbücher ihrer Großmutter dabei. Von anderen Gästen kommen ein Ledermesser und ein Borkenbeil. Andere avisieren ein Bügelsäge. Steingutkuchenformen und Tiegel ergänzten die Gaben. Jürgen Beckmann aus Reckahn hat eine alte Begrüßungstafel mit einem Segensspruch im Gepäck.

Raum für eine Erweiterung wäre noch in der alten Schmiedewerkstatt von Fröhndrichs Vater. „Hier ist alles noch genauso, wie es damals aussah“, berichteten Besucher. Fröhndrich widerspricht nicht, allerdings stimmt er den Ideen auch nicht zu.

Von Andreas Koska

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