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Bündnisgrüner bekommt Nachhilfe angeboten

Eklat beim Kreisbauernverband Bündnisgrüner bekommt Nachhilfe angeboten

25 Jahre Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch auf der Mitgliederversammlung kam es fast zu einem Eklat. Der bündnisgrüne Kreistagspolitiker Axel Müller warf den Bauern ausgeräumte Landschaften und überdüngte Felder vor. Verbandschef Jens Schreinicke bot Müller Nachhilfeunterricht in Sachen Landwirtschaft an.

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KBV-Vorsitzender Jens Schreinicke bot dem bündnisgrünen Kreistagsabgeordneten Axel Müller Nachhilfeunterricht in Sachen Landwirtschaft an.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Mittelmark. Ist der Bauer gut oder wird er zu Recht attackiert? Im Spannungsfeld der Diskussionen über Massentierhaltung und Agrarfabriken haben rund 150 Mitglieder und Gäste des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark (KBV) in der Heimvolkshochschule Seddiner See auf das 25-jährige Bestehen der berufsständischen Interessenvertretung zurückgeblickt.

Dabei kam es fast zu einem Eklat, als der bündnisgrüne Kreistagsabgeordnete Axel Müller den Bauern eine „Bringeschuld“ für ausgeräumte Landschaften unterstellte: „Erst wurden Feldgehölze gerodet, jetzt wollen Sie Geld für eine Kehrtwende.“ Still- und Fließgewässer würden unter dem Eintrag von Stickstoff und Phosphat leiden, die der Regen von den Äckern spüle. Müller verlangte mehr gesetzliche Vorgaben und rief damit den KBV-Vorsitzenden Jens Schreinicke auf den Plan. „Das war sehr provokant. Ich biete ihnen Nachhilfeunterricht in Sachen Landwirtschaft an“, konterte Schreinicke, der auf ein bereits bestehendes Übermaß an Auflagen und Vorschriften für die Branche verwies.

Axel Müller (Bündnis 90/Die Grünen) aus Kleinmachnow sieht die Bauern in der Bringepflicht

Axel Müller (Bündnis 90/Die Grünen) aus Kleinmachnow sieht die Bauern in der Bringepflicht.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Anlass für die lebhafte Diskussion war ein Vortrag von Folkhard Isermeyer vom Braunschweiger Thünen-Institut. Er ging der Frage nach, ob eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft einer Utopie gleichkomme. Die ständige Vorführung in den Medien nage an den Nerven der Bauern. Isermeyer warnte jedoch vor einer Wagenburgmentalität: „Seien Sie offen für Kritik und behaupten Sie niemals, die Landwirte würden alles richtig machen. Die Bauern dürfen nicht erwarten, dass alle Menschen die Tierhaltung so akzeptieren, wie sie ist.“ Isermeyer schlug in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft die Erarbeitung einer Nutztierstrategie für die Zukunft vor.

65 Prozent sind organisiert

Der Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark ist Träger der berufsständischen Interessenvertretung. Ebenso fühlt er sich am Landleben interessierten Bürgern verpflichtet. Seine Abgeordneten wirken im Kreistag sowie in Städte- und Gemeindeparlamenten. Der Kreisbauernverband ist enger Partner des Kreislandfrauenverbandes.

Der Organisiertheitsgrad der mittelmärkischen Agrarbetriebe liegt bei rund 65 Prozent. Die 215 Landwirtschaftsbetriebe bringen es auf eine Gesamtfläche von 72 000 Hektar.Außerdem gibt es 384 natürliche Mitglieder und 41 Fördermitgliedschaften. Zu den prominentesten Einzelmitgliedern zählt Landrat Wolfgang Blasig.

Andere Diskussionsredner warnten vor immer weiteren Auflagen, die am Ende niemand mehr finanzieren könne. Seit Monaten ist die Stimmung unter den mittelmärkischen Bauern gedrückt. „Miserable Preise, ausufernde Reglementierungen, Bürokratie und gesellschaftliche Anfeindungen lassen uns die Lust an unserer Arbeit verlieren“, berichtete KBV-Chef Schreinicke. Ein Ende der Talfahrt auf dem Milchmarkt ist nicht in Sicht. Mit nur 25 Cent Grundpreis melken sich Milchbauern auf Dauer in den Ruin. Der Preisverfall trifft auch die Schweinezüchter. Mit Sorge wird schon jetzt auf die Erntesaison 2016 geblickt. Große Ernte- und Lagermengen der Vorjahre drücken auf die Getreidepreise. Die andere Gefahr kommt vom schwächelnden Ölmarkt: Der Rohölpreis steht in Verbindung mit der Mahlweizennotierung.

Gastredner Folkhard Isermeyer

Gastredner Folkhard Isermeyer: „Die Landwirte haben überwiegend ein gutes Ansehen. Eine zentrale Frage für die Öffentlichkeit bleibt der Umgang mit den Nutztieren.“

Quelle: Frank Büstenbinder

Zur Ankurbelung des Exportgeschäfts hat sich die Mitgliederversammlung am Donnerstag für eine schrittweise Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland ausgesprochen. Eine weitere Forderung ist die Rückstellmöglichkeit bei der Steuer für schlechte Ernte- und Wirtschaftsjahre als Risikoausgleichsrücklage. Außerdem verlangen die Bauern eine Lockerung des strengen Artenschutzes für Biber und Wolf.

Erinnerungen an die Gründerjahre des KBV

Erinnerungen an die Gründerjahre des KBV: Eberhard Schulze, Uwe Naujoks, Moderator Klaus Benthin, Helfried Zenker und Ernst Ruden (v.l.).

Quelle: Frank Bürstenbinder

Bei einem Podiumsgespräch erinnerten die Gründerväter des Kreisbauernverbandes an die Umbruchzeit nach der Wende, in der sich die Landwirte zunächst noch getrennt in den drei Altkreisen Brandenburg, Belzig und Potsdam neu organisierten. Die Neuordnung der Bodenverhältnisse sei eine der wichtigsten Herausforderungen jener Zeit gewesen, berichtete Helfried Zenker aus Bad Belzig. Eberhard Schulze aus Kloster Lehnin erinnerte an die Anfänge der Brandenburger Landpartie und die ersten Kreiserntefeste. Verbandsgeschichte im Potsdamer Raum hat Ernst Ruden aus Krampnitz geschrieben. Für ihn sind die Auseinandersetzungen mit der Treuhandanstalt unvergesslich geblieben.

Von Frank Bürstenbinder

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