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Bürgerhaus Hohenstücken als Hoffnungsträger

Brandenburg an der Havel Bürgerhaus Hohenstücken als Hoffnungsträger

Das Bürgerhaus in Hohenstücken hat am Wochenende sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Das Gebäude, das Vereinen und Institutionen eine Heimstatt bietet, ist das Zentrum des Stadtteils, der seit der Wende mit vielen Problemen zu kämpfen hat – sich aber Jahr für Jahr besser entwickelt.

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Der Verein Trend-Sport Academy zeigt eine Bailaro-Tanzvorführung.

Quelle: Torsten Gränzer

Brandenburg/H. Lange machte der Stadtteil Hohenstücken den Anschein eines vergessenen Quartiers. Ein Stadtviertel, das einst als fortschrittliches Wohngebiet mit Fernheizungen geschaffen wurde und später das Antlitz eines vernachlässigten Stiefkindes bekam.

Bürgerhaus entwickelt sich

Das Bild ändert sich langsam. Vor der offiziellen Eröffnung des 15. Stadtteilfestes in Hohenstücken gibt es Samstag Rap statt Löffelmusik, rustikale Bratwurst und Kaffee statt Latte Macchiato. Und liebevoll gebackenen Kuchen aus dem seit nunmehr zehn Jahren bestehenden Bürgerhaus Hohenstücken. Das größte Bürgerhaus Deutschlands ist mit Vereinen, Gruppen und Veranstaltungen vollständig ausgelastet und das Herz Hohenstückens.

Heimat vieler Vereine

„Unsere Senioren zehren von den Tanzveranstaltungen. Es gibt noch zu wenig Angebote für sie“, so Tino Haberecht, der seit 2009 Koordinator des Bürgerhauses und Leiter des Quartiersmanagement Hohenstücken ist. Senioren sind Samstag auf dem Stadtteilfest wenige auszumachen. Eher Eltern mit ihren Kindern, die Bastel- und Schminkstände, Rutsche, Hüpfburg und Segway nutzen. Soziale Vereine und Selbsthilfegruppen stellen sich und ihre Angebote für ältere und behinderte Menschen den Jüngsten vor.

Musik gab es von der Märkischen Schalmeien-Kapelle

Musik gab es von der Märkischen Schalmeien-Kapelle.

Quelle: Torsten Gränzer

Unterschiellicher Blick auf den Stadtteil

Ihnen wird spielerisch der menschliche Körper näher gebracht. Dass Inklusion und Integration nicht nur Worte im Schema des Randgruppendenkens bleiben müssen, sondern gelebt werden wollen, zeigt vor allem die große Anzahl derartiger Projekte im Bürgerhaus. Programme zur Stärkung Jugendlicher „mit multiplen Vermittlungshemmnissen“ und zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen finden ebenso unter einem Dach zusammen.

Von denen gibt es so viele wie unterschiedliche Meinungen. Ein Mann erzählt offen, dass mittlerweile viele Syrer in seinem Haus leben würden und er deshalb nun wegziehen wolle. Auf der Bühne dagegen erklären die Kinder der Kita „Mittendrin“ im Gedicht, warum Hohenstücken für sie schön und lebenswert ist. Ein Autohaus wirbt für sein Oktoberfest. Der Werber gibt auch der Frau im Tschador einen Flyer. Die Wahlwerbestände zweier Parteien sind nur mäßig frequentiert. Das Bühnenprogramm scheint interessanter, lebendiger. Schalmeien-Kapelle, Line-Dancer, Kinderdarbietungen faszinieren die Menschen, zaubern lächelnde Gesichter und lassen Sorgen für den Moment vielleicht vergessen.

Die Kids des Tanz- und Turnschuppen Plaue bei ihrem Auftritt

Die Kids des Tanz- und Turnschuppen Plaue bei ihrem Auftritt.

Quelle: Torsten Gränzer

Probleme sind nicht von der Hand zu weisen

Vor wenigen Tagen fand die Landesarmutskonferenz im Bürgerhaus statt. Der hohe Anteil Arbeitsloser lasse sich nicht ignorieren. „Wir iniziieren, wie mit Mosaiksteinen, viele kleine Dinge. Durch unsere Netzwerke kennen wir die Probleme des Anderen, durch Austausch entstehen Synergien“, sagt Tino Haberecht. „Es geht bei jeder Art der Problemlösung um Nachhaltigkeit“. Wiederholt erreichen ihn Anfragen von Universitäten, in denen sich Studentengruppen und Professoren danach erkundigen, wie in Hohenstücken mit Problemen umgegangen und mit den Bürgern ins Gespräch gekommen wird.

Hoffnung fängt mit Bildung an - nicht nur durch Faktenwissen, sondern durch Freude am Entdecken in einem sozialverträglichen Miteinander. In Hohenstücken ist der Anfang gemacht. Das Bürgerhaus ist ein Kristallisationspunkt dieser Hoffnung.

Von Torsten Gränzer

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