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Brandenburg/Havel Grüne Lese auf dem Buga-Weinberg
Lokales Brandenburg/Havel Grüne Lese auf dem Buga-Weinberg
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16:32 07.08.2015
Weinexperte Volker Jörger beschneidet die Rebstöcke auf dem Marienberg. Quelle: Norman Giese
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Brandenburg an der Havel

Gut bestückte Rebstöcke mit vollen Trauben in sattem Grün soweit das Auge reicht – der Weinberg auf dem Marienberg hat sich prächtig entwickelt. Umso verwirrter schaute der eine oder andere Buga-Besucher dieser Tage drein, als er sehen musste, wie ein großer Teil der Trauben abgeschnitten und entfernt wurde. Was bei Laien für ungläubiges Kopfschütteln sorgt, hat einen einfachen und logischen Grund: die Qualitätssteigerung.

„Unser Ziel ist es nicht besonders viel Wein, sondern besonders guten Wein herzustellen“, erklärt Axel Mehrhoff. Als externer Projektleiter war der Weinberater aus Köln in dieser Woche gemeinsam mit Volker Jörger vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg in die Havelstadt gekommen, um mit der so genannten Ertragsregulierung zu beginnen. Bei der „Grünen Lese“, wie dieses Vorgehen auch genannt wird, werden die Rebstöcke ausgedünnt, um die Qualität der verbleibenden Trauben zu erhöhen. „Wir schneiden dabei fast 60 Prozent weg“, sagt Volker Jörger.

Dank der Unterstützung zweier Weinexperten hat sich der Weinberg auf dem Brandenburger Marienberg prächtig entwickelt. Die Rebstöcke sind mit vollen Trauben behangen und die erste große Lese lässt nicht mehr lange auf sich warten. Zunächst stand jetzt aber die Ertragsregulierung, die so genannte „Grüne Lese“, auf dem Programm.

Ein bis zwei Wochen zum Beschneiden

Weil Jörger und auch Mehrhoff nur zwei Tage lang in Brandenburg bleiben konnten, zeigten sie dem ausführenden Pflegepersonal vor Ort, worauf bei der Ausdünnung zu achten ist. Im Auftrag der Wasser- und Abwassergesellschaft (Brawag), der der Weinberg gehört, kümmert sich die Lebenshilfe Brandenburg mit zwei Gruppen fast täglich um die Pflege der Anlage. „Sie werden sicher ein bis zwei Wochen brauchen, um alle Reben zu beschneiden“, vermutet Axel Mehrhoff.

Die Prozedur ist aufwendig und muss bei jedem der insgesamt rund 3300 Rebstöcke individuell ausgeführt werden. Von den fünf bis 15 Trauben, die jeder der Stöcke im Durchschnitt hat, bleiben bei der Ertragsregulierung maximal vier erhalten. Der Rest landet auf dem Boden und wird als biologischer Dünger weiterverwendet.

Weinbau in Brandenburg an der Havel

Schon im 12. Jahrhundert ist auf dem Brandenburger Marienberg Wein angebaut worden.

Kalte Winter, Misswuchs, Nachlässigkeiten in der Pflege sowie die hohe Besteuerung brachten den Weinbau gegen 1820 aber wieder zum Erliegen.

Im April 2013 hat die Brawag mit der Errichtung des Weinberges auf ihrem Wasserhochbehälter III begonnen.

Insgesamt wurden 3300 Reben der Weißweinsorten Solaris und Johanniter auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Weinberg gepflanzt.

Lese ab 20. September

Entscheidend für die Auswahl ist unter anderem die Länge der einzelnen Triebe sowie ihr jeweiliges Blatt-Frucht-Verhältnis. Pro Traube sollte ein Trieb mindestens acht Blätter haben. Nur so ist eine optimale Assimilation möglich, bei der aufgenommenen Nährstoffe unter der Einwirkung von Licht in organische Verbindungen umgewandelt werden und so das Wachstum des Weinstocks sowie das Reifen der Trauben fördern.

Im Moment sind die Beeren an den Rebstöcken noch nicht ganz reif. Lange dauert es aber nicht mehr bis zur ersten großen Lese auf dem 2013 angelegten Weinberg auf dem Marienberg. „Die Lese wird so um den 20. September liegen“, sagt Volker Jörger. Dann werden zunächst die Trauben der Rebsorte Solaris geerntet. Die Johanniter-Rebstöcke, die zweite auf dem Weinberg angepflanzte Weinsorte, seien etwa zwei Wochen später reif für die Lese.

„Wir rechnen mit einem Ertrag von 800 bis 1000 Kilogramm“, so Axel Mehrhoff. „Ein Kilo ist in etwa eine Flasche.“ Bis die fertige Cuvée – die beiden Weißweinsorten werden in einem Wein vereint – trinkfertig bei der Brawag eintrifft, werden allerdings noch einige Monate vergehen. „Zwischen Mai und August 2016 wird der Wein fertig sein“, sagt Mehrhoff.

Von Norman Giese

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