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Bundesgesetz gefährdet Zukunft der Tram

Straßenbahn in Brandenburg/H. Bundesgesetz gefährdet Zukunft der Tram

Droht der Straßenbahn in Brandenburg an der Havel zum Jahreswechsel 2022 das Aus? Davor warnt zumindest jetzt der Deutsche Bahnkunden-Verband. Der Grund: Bis zum 1. Januar 2022 müssten laut Bundesgesetz alle öffentlichen Verkehrsmittel vollständig barrierefrei sein. Für Jörg Vogler, den Chef der Brandenburger Straßenbahn, ist die Gefahr zwar noch nicht akut aber real.

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Wirklich behindertengerecht kann eine 1000 Jahre alte Stadt kaum sein. Auch die Verkehrsbetriebe habe deshalb ihre Probleme mit der Umsetzung der Bundesgesetze.

Quelle: Foto: Heiko Hesse

Brandenburg/H. Droht der Straßenbahn in Brandenburg an der Havel zum Jahreswechsel 2022 das Aus? Davor warnt zumindest jetzt der Deutsche Bahnkunden-Verband. Der Grund: Bis zum 1. Januar 2022 müssten laut Bundesgesetz alle öffentlichen Verkehrsmittel vollständig barrierefrei sein. „Und davon sind wir weit entfernt“, warnt der DBV-Landesvorsitzende Frank Böhnke. Derzeit gibt es sieben Straßenbahnbetriebe im Land Brandenburg. Mit Ausnahme der Landeshauptstadt Potsdam verkehren in allen Städten Bahnen, die meist noch aus DDR-Zeiten stammen und nicht vollständig behindertengerecht seien. Eine Neuanschaffung und den Umbau der Haltestellen könnten die Kommunen aus eigener Kraft nicht stemmen. Die Landesregierung lasse die Straßenbahn-Städte allein im Regen stehen und weigere sich, die Umrüstung und umfassende Erneuerung der Flotten finanziell zu unterstützen, sagte Böhnke gestern der MAZ: „Es ist fünf vor Zwölf!“ Böhnke und der Verband vermuten, dass die Landespolitik mit Blick auf den demografischen Wandel das Ende der Straßenbahnen und die schrittweisen Umstieg auf die Einführung von Bussen auf den Lienien durchsetzen will.

Ganz so schwarz sieht Jörg Vogler, der Chef der Brandenburger Verkehrsbetriebe (VBBr) die Situation noch nicht.

Die VBBr würden ihre Fahrgäste schon heute planmäßig mit barrierefreien Niederflurfahrzeugen transportieren. Die um Verkehrsjargon „Hängebauchschweine“ genannten Straßenbahnen mit eingebautem Niederflurteil seien in der Regel immer auf den Schienen der Stadt unterwegs. Bauartbedingt würden sie aber nur über einen geringen Niederflurraumanteil verfügen, räumt Vogler ein. Doch „unsere Fahrgäste mit Mobilitätshandicap können jederzeit in diesen Fahrzeugen mitgenommen werden.“ Aktuell gebe es also mit den Straßenbahnen keine Probleme mit einer barrierefreien Beförderung. Doch Vogler räumt ein: Die Flotte muss nach 2020 dringend erneuert werden. Etwa 20 Straßenbahnen haben die VBBr im Einsatz: Eine neue Straßenbahn koste Minimum 2,5 Millionen Euro. Selbst wenn sich die Umstellung über zehn Jahre hinziehe, seien die Investitionskosten immens, so Vogler. „Die Notwenigkeit zur Ablösung der alten Baureihen ergibt sich auch aus der demografischen Entwicklung, die einen deutlich höheren Anteil an Fahrgästen mit Mobilitätshandicap erwarten lässt“, sagt Jörg Vogler voraus.

Während es also um die Straßenbahnen selbst noch nicht so dramatisch bestellt sei, sieht der VBBr-Chef einen erheblichen Investitionsbedarf im Bereich der baulichen, behindertengerechten Anpassung von 31 Bahnsteigen an insgesamt 14 Haltestellen im Straßenbahnliniennetz der Havelstadt. Zwar seien von den 85 Bahnsteigen der Straßenbahn 54 Bahnsteige barrierefrei. Doch um den Rest den Gesetzen entsprechend auszubauen, seien riesige Investitionen nötig. Die nächsten Umbauten werden an den Haltestellen Fouquèstraße, Silokanal, Rotdornweg, Gördenallee und Geranienweg bis Ende 2017 realisiert. Die verbleibenden Haltestellen sollen dann bis 2022 folgen. Das ist teils mit riesigem Aufwand verbunden: teilweise müssen Haltestellen verschoben, Mittelinseln angelegt und Straßenführungen geändert werden. Vogler: „Das ist ohne finanzielle Unterstützung des Landes nicht vorstellbar.“

Mit einigem Argwohn sieht es Vogler, dass die Landesregierung zwar das Thema Elektromobilität in das Regierungsprogramm geschrieben hat. Doch die Straßenbahn, die seit 100 Jahren mit Strom fährt, ist dort in keinem Wort erwähnt. „Die Verkehrsbetriebe Brandenburg gehen davon aus, dass die zukünftige Mobilitätsstrategie und die zukünftige Elektromobilitätsstrategie des Landes Brandenburg die Straßenbahnen nicht einfach ausklammern werden und daher deren Fortbestand, auch mit einer Landesunterstützung, für unsere Fahrgäste gesichert ist.“

Von Benno Rougk

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