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Carl Wiemann ging vor 150 Jahren an den Start

Brandenburg an der Havel Carl Wiemann ging vor 150 Jahren an den Start

Carl Wiemann hat viele Jahre die Geschicke der Stadt Brandenburg mitgestaltet. Zunächst ging der gelernte Schlosser mit seinem ersten Betrieb in der Steinstraße an den Start. Daraus ist eine bedeutende Werft geworden – 150 Jahre nach der Gründung soll diese gebührend gefeiert werden.

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Da war was los: Wiemann-Werft an der Havel im Jahre 1910, im Hintergrund der Dom

Quelle: Historischer Hafen Brandenburg

Brandenburg/H. Der selbstständige Schlossermeister Carl Wiemann, geboren am 22. November 1842, hat vor 150 Jahren, am 1. März 1867, in der Steinstraße in Brandenburg an der Havel eine Schlosserei eröffnet. Sein Können, seine Geschäftstüchtigkeit und seine Zuverlässigkeit führten durch Betriebsvergrößerungen zu mehrfachen Standortwechseln. Zuletzt saß das Unternehmen, das aus dieser Schlosserei hervorgegangen ist, in die Packhofstraße, an der Havel: die Wiemann-Werft.

Carl Wiemann hatte den Betrieb nach einigen Jahren zu einer Vollwerft entwickelt. Er bestand nicht nur aus einer Schiffswerft. Dazu gehörten auch eine Maschinenfabrik und eine Eisengießerei. Seine Erzeugnisse waren europaweit gefragt. Das Unternehmen war zeitweilig einer größten Arbeitgeber in Brandenburg an der Havel. Wiemann beschäftigte er zeitweise bis zu 500 Arbeiter und Angestellte.

Nach der Enteignung im Jahre 1947 wurde aus dem Wiemannschen Betrieb die Volkswerft, die anfangs vorwiegend seegehende Schiffe für die Ostsee- und Schwarzmeer-Fischerei der Sowjetunion als Kriegs-Reparationsleistungen fertigte. In ihren letzten Jahren des Bestehens gehörten unter anderem Island, Schweden und Dänemark zu ihren zufriedenen Kunden der Brandenburger Werft. Durch staatlichen Beschluss löste man die Werft ersatzlos zum Jahresende 1962 auf. Ehemalige Mitarbeiter erinnern sich gern der ganz besonderen kameradschaftlichen Arbeitsverhältnisse in diesem Vorzeigebetrieb.

Wiemannfest erinnert an das Jubiläum

Aus Anlass des Gründungsjubiläums hatte der Verein „Historischer Hafen“ – mit Unterstützung durch Nachkommen der Wiemann-Familie – die Familiengrabstätte auf dem Neustädtischen Friedhof herrichten lassen und zum 1. März dort zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen.

Die festliche Erinnerung an die Betriebsgründung gibt es beim Wiemannfest des Vereins am 30. April und 1. Mai im Historischen Hafen an der Jahrtausendbrücke in Brandenburg an der Havel. Zu diesem Fest lädt der Verein alle Freunde und Interessenten ein.

Mehr über die Werft und den Hafen erfährt man hier.

Carl Wiemann engagierte sich auch darüber hinaus in Brandenburg. Ab 1904 saß er in der Stadtverordnetenversammlung, von 1909 bis 1915 war er als ehrenamtlicher Stadtrat tätig. Seine großen Erfahrungen und sein Können konnte er als Mitglied in den Ausschüssen der Gasanstalt und des Silo-Kanalbaus einbringen. Sein besonderes Engagement galt der Entwicklung des Städtischen Elektrizitätswerkes und der Straßenbahn. Hier leitete er die Umstellung von der Pferdebahn zur elektrischen Straßenbahn, die 1911 umgesetzt wurde. Er war Vorsitzender im Ausschuss zum Bau der Städtischen Badeanstalt.

Darüber hinaus gehörte Wiemann dem Aufsichtsrat des Brandenburger Bankvereins an und war Patronatsältester der St.Katharinen-Kirchgemeinde. Bei all seiner Tätigkeit ließ er unterstützend die Gesamtentwicklung seiner Vaterstadt nicht aus den Augen. Die Wiemann-Familie stellte nachweislich im 20. Jahrhundert mehrere Stadträte und Kaufleute und nahm damit großen Einfluss auf die Entwicklung ihrer Heimat.

Carl Wiemann ist am 26. Dezember 1921 gestorben. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Neustädtischen Friedhof in Brandenburg. In dieser Stätte ruhen überdies zwölf Angehörige seiner Familie.

Der Autor ist Vorstandsmitglied des Vereins Historischer Hafen Brandenburg und war Lehrling auf der Wiemann-Werft.

Von Herbert Stahlberg

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