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Brandenburg/Havel Wie Maria zum Kinde
Lokales Brandenburg/Havel Wie Maria zum Kinde
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15:17 06.08.2018
Der erst 24 Jahre alte Caspar Wein hat ein Jahr lang den Domkantor vertreten. Quelle: Nicolas Lepke Baroni
Brandenburg/H

Das Lächeln will gar nicht mehr raus aus dem Gesicht von Caspar Wein – es ist teilweise verschmitzt, sehr dankbar und ein kleines bisschen spitzbübisch im positiven Sinne. Der junge Mann mit den vollendeten Manieren freut sich einfach nur über dieses Geschenk: Er durfte mit 24 Jahren und „nur“ einem Bachelorabschluss als studierter Kirchenmusiker ein Jahr lang Kantor in der Wiege der Mark sein, am Dom zu Brandenburg. Dort vertrat er Domkantor Marcell Fladerer-Armbrecht, der zwölf Monate Elternzeit absolvierte.

„Es war eine Superchance, meine erste Festanstellung. Das ist eine Leuchtturmstelle und eine satte Referenz im Lebenslauf“, schwärmt Caspar Wein selbst. Aber es war auch kein Selbstläufer: „Es gab natürlich auch viel inneren und äußeren Druck. Die Erwartungshaltung auf allen Seiten war sehr hoch. Aber ich habe mir immer gesagt, Scheitern ist keine Option.“ Der Domkantor habe ihm geholfen, wenn der jüngere Vertreter fragte, sich von selbst aber zurückgehalten. Das empfand Wein als wohltuend. Natürlich musste es Absprachen geben, schließlich werden die Musikaktivitäten lange im Voraus geplant, weil auch die auswärtigen Künstler gebucht werden müssen.

„Es war ein phänomenal schönes Jahr am Dom, auch wenn ich gleich ins kalte Wasser springen mussten und dann auch noch auf einer A-Stelle.“ Das ist eine sehr hoch bewertete Stelle, für die man mindestens ein Masterstudium und einige Beruferfahrung braucht. Caspar Wein hatte Fürsprecher, die zuerst ihn ansprachen und dann den Kontakt zum Dom, zum Kurator, zum Kirchenkreis, zum Kantor herstellten. In den Gesprächen hat wohl ganz vieles „gepasst“ –man riskierte das Engagement des jungen Mannes.

Er wird sich revanchieren: Gemeinsam mit dem Brandenburger Kantatenkreis, den | Brandenburger Symphonikern und Solisten führt er Werke von Franz Schubert (1797-1828) auf: Magnificat und Stabat Mater sowie die Tragische Sinfonie. Mit diesem Konzert verabschiedet er sich einstweilen vom Dom, weil danach Fladerer-Armbrecht wieder seinen Dienst antritt.

Dieses Konzert ist Höhepunkt und Abschluss einer ganzen Reihe von Marienkonzerten zu Ehren des so genannten Lehniner Altars. Das ist der 500 Jahre alte Marienaltar, der im Hohen Chor der Domkirche steht.

Es geht also in den Schubert-Werken um die biblische Rolle der Maria. Der Komponist war keine 20 Jahre alt, als er sich damit befasste und sich die beiden wohl emotionalsten Momente im Leben Marias aussuchte: Auf der einen Seite die Gewissheit ihrer unerwarteten Schwangerschaft, über die sie in hellen Jubel und Dank – dem Magnificat in C-Dur – ausbricht, auf der anderen Seite die Trauer am Kreuz über ihren sterbenden Sohn, der den Menschen durch sein Selbstopfer das Paradies eröffnet – im Stabat Mater in f-Moll (Nach einer Gedichtzeile: Es stand die Mutter schmerzerfüllt).

Verbunden werden diese zwei absolut gegensätzlichen Empfindungen mit der 4. Sinfonie in c-Moll, die auch den Beinamen „die Tragische“ trägt, eine hoch emotionale Sinfonie, die schon weit in den Raum der Romantik im epochalen Sinne vorausgreift. Sie entstand im selben Jahr wie die beiden Marien-Werke, nämlich 1816.

Es ist natürlich eine sehr große Aufführung für einen jungen Kantor mit bis zu 75 Minuten für das Chorkonzert und noch einmal 30 Minuten für die vier Sätze der rein instrumental vorgetragenen Sinfonie.

Zudem hat Caspar Wein eigene Ansprüche an seine Abschiedsvorstellung: „Ich möchte eine Interpretation anbieten, die nicht in Richtung alter Musik geht, sondern postklassisch ist und dennoch in die Mariengeschichte passt.“ Dazu versuche er auch, in den Proben die Mitglieder des Kantatenkreises und die Symphoniker dabei mitzunehmen. Die Zuhörer, die am 2. September in die Domkirche kommen, müssen oder dürfen einschätzen, ob es ihm gelungen ist. Karten gibt es bereits jetzt im Domladen und in der MAZ-Ticketeria.

Und wie geht es mit dem jungen Kirchenmusiker danach weiter? Er will mehr von der Welt entdecken, nimmt sich sechs Monate Auszeit in Südamerika. Danach geht er in seine Gemeinde in Berlin-Steglitz zurück – dort ist er Mitglied im Gemeindekirchenrat. Dort will er auch ein neues Konzept für die Kirchenmusik entwickeln. „Ich kann mir dann auch gut ein Masterstudium vorstellen für weitere zwei Jahre.“ Dann dürfte es auch klappen mit einen Dauer-A-Stelle. Bei der Vorgeschichte und Referenzliste.

Von André Wirsing

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