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Brandenburg/Havel Rückwärts denken, einfach leben
Lokales Brandenburg/Havel Rückwärts denken, einfach leben
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13:09 29.05.2014
Christian Radeke in seiner Wohnung. Quelle: J.Steiner
Brandenburg an der Havel

Die beiden knarzenden Clubsessel mussten unbedingt mit ins neue Heim am Beetzsee. Schließlich kleben an ihnen noch Inventarplaketten vom VEB Theater Cottbus. Die hat Denkmalpflegerin Sabine Herrmann vorm Wegwerfen gerettet und irgendwann darauf sitzend den Namen „Nora Schlecht“ erfunden als ihr Partner Christian Radeke einen Namen für seinen Bewegungs-Chor suchte. Die Kunstfigur ist nun ihr gemeinsames Synonym. Eines von unschätzbarem Wert, darf „Nora Schlecht“ doch Sachen denken und sagen, „die man selber nie tun würde“. Beispielsweise sich über Stiefmütterchen beschweren, die plötzlich auf dem gewohnten Fußweg wachsen.

Zwischen all den herumstehenden und -liegenden Instrumenten wie E-Gitarren, Keyboard, Trompete, Geige, Flöten, Xylophon, Trommeln und Schlagzeug hindurch windet sich Radekes Arm bis zur Play-Taste des versteckt stehenden CD-Spielers. Solche Interviews wie das 13 Jahre alte Tondokument würde er gern wieder mit „Nora Schlecht“ führen. Sie beschwert sich im Gespräch über die herzlosen Herren vom Tiefbauamt, die den „ersten offenen Rundfunkkanal“ der Stadt durch schnödes Demontieren der Lautsprecher vom Fensterbrett sprachlos machten. Nun muss sie telepathisch senden – nachmittags leichte Musik und Klassik, um 18 Uhr ein Wortbeitrag, danach „steife Mucke“. Da sie seit ihrem vierten Lebensjahr telepathisch begabt ist, müsse sie nun auf diesem Wege das einzige offene Bürgermedium sein. Das Lachen verstummt, als Radeke erzählt, dass die Herren vom Tiefbauamt wirklich da waren und Landesmedienanstalt sowie Staatskanzlei den „Offenen Kanal“ ernsthaft untersagt hatten, obwohl sich das Paar ernsthaft darum bemüht hatte.

Bei der jüngsten Kommunalwahl hat Radeke auf der Grünen-Liste kandidiert, mit 303 Stimmen mehr bekommen als einige, die nun in der Volksvertretung sitzen. Dennoch scheint er froh darüber, nicht dort hocken zu müssen. Auf seinem Wahlfragebogen hat er als Hobbys „Singen und Tanzen“ angegeben. Das Jungenhafte und die Leichtigkeit hat sich Radeke scheinbar bewahrt.
Die Instrumente im Wohnzimmer sind keine Dekoration, obwohl keiner der beiden Besitzer ein Instrument richtig spielen kann. Ihr „Shruti-Klub“ aus meistens vier Leuten trifft sich mal im Wohnzimmer, mal in der Krypta zum gemeinsamen Musizieren. 

Infos zu Christian Radeke

Christian Radeke wurde am 29. Mai 1954 in Weimar geboren.
Er ist verheiratet mit der Architektin Sabine Herrmann, hat aus erster Ehe zwei erwachsene Söhne.
Zu DDR-Zeiten hat er Theologie studiert, um Repressionen zu entgehen, arbeitete drei Jahre als Pfarrer.
Von Kirchenfunktionären wurde er oft enttäuscht. Er arbeitet heute als Museumspädagoge am Dom „wegen des Ortes, nicht wegen der Kirche“.

Mit Shruti-Box – eine Art indisches Harmonium – Didgeridoo und Gitarren schaffen sich die Musiker eigene Klangwelten, die Melodien kommen einfach. So einfach ist es aber nicht, „wenn man immer Ungeplantes macht, kommt irgendwann immer das Gleiche heraus“. Vor zwei Jahren hat das Paar eine Kunstaktion „Pfeilschuss durchs Nora-Schlecht-Atelier“ inszeniert, sie dauerte eine Zehntelsekunde, brauchte aber neun Monate Vorbereitung. Das ist aufwendig, deshalb sagt Radeke heute: „Ich finde es großartig, dass Musik nach dem Spielen mit einem Mal weg ist, nichts zurücklässt und den Augenblick somit feierlich macht.“ Wer mit Christian Radeke kommuniziert, ist manchmal gezwungen „rückwärts zu denken“, die Welt nicht nur als Ansammlung von Gegenständen zu verstehen. Vor mehr als einem Dutzend Jahren hat er sich an einem Verschönerungs-Gestaltungswettbewerb zum Theater beteiligt – der erste Platz blieb ihm verwehrt, obwohl alles so gekommen ist, wie er es (voraus-)gesagt hatte. „Nichts verändern, nur Plakate ankleben“. Es sollte ein Gag sein, er wollte und will gewohnte Denk- und Verhaltensmuster an einer Stelle aufbrechen. Beispielsweise reichte er noch einen simplen Schriftzug „Theater“ ein, ergänzt um zwei Masken. Nicht lachend und weinend, sondern zwei weinende. Das konnte man visionär nennen, wenn man sieht, was von „Theater“ übrig geblieben ist.

Also ist er noch längst nicht der „spinnerte alte Mann“, als den er sich in nachdenklichen Momenten manchmal selbst sieht. Am Donnerstag hat er seinen 60. Geburtstag gefeiert, mitzubringen hatten die Gäste nur Autan und Instrumente. Für Wein und Suppe hat „Nora Schlecht“ schon gesorgt.

Von André Wirsing

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