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DAK bremst einen Schwerbehinderten aus

Brandenburg an der Havel DAK bremst einen Schwerbehinderten aus

Ein zu 90 Prozent schwerbehinderter Mann aus Brandenburg an der Havel hat bei seiner Krankenkasse einen Elektroroller beantragt. Doch die DAK hat den Antrag abgelehnt - weil das Zurücklegen längerer Wegstrecken kein Grundbedürfnis sei. Einen viermal so teuren Elektrorollstuhl dagegen würde die Kasse finanzieren.

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Das Geld für einen Elektroroller will die Krankenkasse nicht zahlen.

Quelle: dpa

Brandenburg/H. „Das Zurücklegen längerer Wegstrecken gehört nicht zum Grundbedürfnis.“ Mit dieser Begründung lehnt die Krankenversicherung es ab, einem zu 90 Prozent schwerbeschädigten Versicherten in Brandenburg/Havel einen Elektroroller zu finanzieren. Der kranke Mann möchte sich damit fortbewegen. Den etwa viermal so teuren Elektrorollstuhl, den die Kasse bezahlen würde, braucht er nicht.

Bernd Schneider (Name geändert) aus Brandenburg/Havel kann nach mehreren Herzinfarkten und auch wegen eines Schlaganfalls und weiteren Krankheiten nur schwer laufen. Drei Operationen habe er in diesem Jahr überstanden, berichtet der 66 Jahre alte Mann, der die Hälfte seines Berufslebens im Stahlwerk gearbeitet hat und die andere Hälfte selbstständig war.

Die lädierte Hüfte lässt keine größeren Wegstrecken mehr zu ohne Schmerzen. „Meine Frau klagt schon, dass mit mir nichts mehr anzufangen ist“, sagt der Brandenburger, der sich wegen seiner körperlichen Einschränkungen zunehmend ausgeschlossen fühlt aus seinem alten Bekanntenkreis. Die kurzen Wege im Haus kann er laufen, doch auf der Straße oder im Wald wird das sehr schnell zu anstrengend.

Seine Ärztin stellte ihm zwar ein Rezept für ein entsprechendes Hilfsmittel aus, aber seine Versicherung lehnte es ab, den beantragten Elektroroller im Wert von etwa 750 Euro zu bezahlen.

Das „Hilfsmittel-Kompetenzzentrum“ der DAK begründete die Ablehnung zum einen damit, dass der Elektroroller nicht für die speziellen Bedürfnisse kranker oder behinderten Menschen konzipiert worden sei. Es handele sich dabei um einen „Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens“.

Die Krankenkasse sieht sich nicht in der Pflicht für den Elektroroller zu bezahlen und weist dabei auf gesetzliche Bestimmungen hin. Deshalb soll Bernd Schneider ihn sich selbst kaufen, wenn er einen haben will. Das Zurücklegen längerer Wegstrecken gehöre nicht zum Grundbedürfnis, bescheidet das Kompetenzzentrum der DAK den Brandenburger Kunden.

Die Versicherung führt ihre Sicht weiter aus: „Das Grundbedürfnis kann nicht dahin verstanden werden, dass die Krankenkassen einen Behinderten durch die Bereitstellung von Hilfsmitteln in die Lage versetzen muss, Wegstrecken jeder Art zurückzulegen, die ein Nichtbehinderter bei normalem Gehen zu Fuß bewältigen kann.“

Um den „Nahbereich“ zu erschließen, kommt für die DAK ein Rollator, ein Rollstuhl, ein Elektrorollstuhl oder ein Elektromobil in Frage, aber eben nicht ein E-Scooter. „Die müssen doch mal mit der Zeit gehen und anerkennen, dass es in bestimmten Fällen bessere und billigere Hilfen bei Gehbehinderungen gibt“, schimpft Schneider.

Er hat sich als Empfänger von Grundsicherung an das Sozialamt gewandt, das sich allerdings für nicht zuständig erklärtem den Antrag ebenfalls ablehnte und den Rentner wieder an die Versicherung verwies.

Auf den um ein Vielfaches teureren Elektrorollstuhl möchte der Brandenburger verzichten. Er will nicht haben, was er im Alltag nicht wirklich braucht und seine Krankenkasse unnötig belasten würde. „Was soll ich denn mit der großen Kiste, damit kann ich nichts anfangen“, sagt er und hofft, dass sein Widerspruch vielleicht Erfolg hat.

Von Jürgen Lauterbach

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