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Brandenburg/Havel Katastrophale Situation im Asylheim
Lokales Brandenburg/Havel Katastrophale Situation im Asylheim
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00:58 19.09.2014
Halbe Treppe: Wolfgang Reitsch (links) und Rainer Kelch. Quelle: J. Steiner
Brandenburg an der Havel

163 Bewohner hat das Übergangswohnheim für Asylsuchende in der Flämingstraße, 74 stehen noch vor der Tür. Offiziell gibt es derzeit 150 Plätze. Wolfgang Reitsch hat den seit vier Jahren geltenden Betreibervertrag zum Jahresende gekündigt. Der Chef des DRK-Kreisverbandes will so auf die schlechte Unterbringungssituation in dem Wohnheim aufmerksam machen, in dem zu DDR-Zeiten Vertragsarbeiter des Getriebewerkes aus Vietnam, Angola oder Mocambique kampierten.

„Wir haben aus verschiedenen Gründen gekündigt. Vor allem stehen wir als Deutsches Rotes Kreuz nicht mehr hinter der Einrichtung, wenn die Zustände so bleiben. Irgendwann wurden die Küchen und Bäder nebst Leitungen in den ersten drei Etagen saniert, in der vierten aber einfach aufgehört. Die oberste Etage ist komplett unbewohnbar. Zudem haben wir teilweise mehr als 20 Jahre alte Einrichtungsgegenstände. Für neue bekommen wir kein Geld. Hier müsste anders gewirtschaftet werden – jedes Jahr eine bestimmte Summe, um regelmäßig austauschen zu können“, fordert Reitsch.

Seit 23 Jahren ist Rainer Kelch Heimchef, er führt drei Sozialarbeiter, vier Rezeptionisten und eine Reinigungskraft. „Ich habe vorher vier Chefs gehabt, alle haben nur in die eigene Tasche gewirtschaftet. Das DRK ist erstmals ein seriöser Betreiber. Wenn Reitsch geht, gehe ich auch.“

Beide sind sich einig, dass die Platznot zwar aus den langen Verweilzeiten im Heim resulitiert, aber nicht, weil es die Asylsuchenden so gemütlich finden, sondern weil die Antragsverfahren viel zu lange dauern und es bürokratische Hemmnisse gibt. „Wir haben für eine Familie mit fünf Kindern gekämpft für eine Wohnung, hatten eine gefunden, die war dem Jobcenter aber zu teuer. Angeboten wurde eine mit 60 Quadratmetern für sieben Personen“, erzählt Kelch. Eine Familie kommt aus Afghanistan, die Frau hochschwanger. Als sie hier entbindet, haben alle anderen schon den Duldungs-Status, für das Baby wird aber ein Extra-Verfahren eröffnet, statt den Status gleich zu übertragen.

211 Asylbewerber

1720 Ausländer mit Hauptwohnsitz leben in der Stadt.
211 Menschen erhalten derzeit Leistungen aus dem Asylbewerberleistungsgesetz.
2013 wurden der Stadt 68 asylsuchende Menschen zugewiesen, in diesem Jahr sind es 145, davon sind 71 bereits da.
Beinahe jeder dritte Asylbewerber lebt derzeit in einer Wohnung, das erhöht allerdings den Aufwand beim Betreuen der Menschen.

Mit Hilfe der Wobra gelingt es nun, 18 junge Männer aus Pakistan und Indien in vier Wohnungen unterzubringen. „Das Unternehmen wird weitere Quartiere zur Verfügung stellen. Es sind ja auch für die Wobra Einnahmen“, sagt Aufsichtsratschef Michael Brandt.

Er hat als Stadtentwicklungsbeigeordneter seinem Kollegen vom Sozialressort Wolfgang Erlebach 110000 Euro gegeben, die nicht mehr als Eigenmittel für Buga-Investitionen gebraucht werden. Zusammen mit vom Land erstatteten Kosten kommen 380000 Euro zusammen, die nun in den Ausbau der vierten Etage im Übergangswohnheim gesteckt werden. Damit wird die Kapazität im Heim um 50 auf 200 Plätze erweitert.

Reitsch hört es mit Genugtuung. „Hoffentlich wird es auch schnell umgesetzt, der Druck aus dem zentralen Aufnahmelager des Landes in Eisenhüttenstadt ist groß, weitere Flüchtlinge aufzunehmen.“ Und der Umbau der Wohnetage dauere hoffentlich nicht so lange wie das Sanieren der zentralen Eingangstreppe am Haus. Da hat es die Verwaltung fertig gebracht, in genau zehn Monaten nur eine Hälfte zu sanieren, die andere ist mit Eisengittern abgesperrt.

Einen Teil seiner Bedingungen versuche die Stadt zu erfüllen, konstatiert der DRK-Chef. Mehr Transparenz in der Verwaltung, Aufholen des Sanierungsstaus, selbst zum Thema Investieren in Einrichtungsgegenstände sendet Bürgermeister Steffen Scheller inzwischen positive Signale. „Es ist theoretisch denkbar, dass wir unsere Kündigung noch am 30. Dezember zurücknehmen.“

Allerdings werde die Stadt mittelfristig nicht umhinkommen, über ein zweites Übergangsheim an einem anderen Ort nachdenken zu müssen. Das Haus in der Flämingstraße sei ein akzeptierter Standort, einer neuen Diskussion müsse man sich stellen.

Von André Wirsing

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