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Brandenburg/Havel Preiskampf um Flüchtlingsunterkunft in Brandenburg an der Havel
Lokales Brandenburg/Havel Preiskampf um Flüchtlingsunterkunft in Brandenburg an der Havel
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10:23 31.05.2018
Flüchtlingsunterkunft Upstallstraße Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg an der Havel

28 Frauen und Männer, die in der Asylunterkunft in Hohenstücken arbeiten, sind in heller Aufregung, fürchten um ihre Jobs. Denn die Münchener Firma, die die Wohnblöcke in der Upstallstraße zum 1. Juli übernehmen soll, hat sie angeblich abblitzen lassen.

Der Brandenburger Kreisverband des DRK hat die früheren Kasernengebäude in den vergangenen zweieinhalb Jahren als Flüchtlingsunterkünfte auf- und ausgebaut. Doch nun verlieren die Rotkreuzler die Verantwortung für die 239 Bewohner aus elf Nationen.

Im März hatte die Sozialverwaltung der Stadt zwei Lose europaweit ausgeschrieben: den Sozialdienst in der Sammelunterkunft und dessen Bewachung. Das DRK hat sich auf beides beworben und trotz seiner Erfahrung und weithin akzeptierten Arbeit beide Male das Nachsehen.

„Ärgerlich“, nennt Geschäftsführer Andreas Griebel den Ausgang. Schließlich war es das DRK, dass viele Strukturen in der Stadt erst geschaffen und ausgebaut hat – angefangen bei den Notunterkünften in der Hafenstraße und der Nicolaischule. Daher hätte sich das DRK eine stärkere Gewichtung regionaler Kompetenz gewünscht.

Doch entscheidend war neben dem Konzept der Preis. Das DRK wurde unterboten. Die Gesellschaft PulsM aus München will die Up­stallstraße billiger managen. Sie erhält den Zuschlag für die Betreuung der geflüchteten Bewohner in der größten Asylbewerberunterkunft der Stadt, da ihr Gebot als das „wirtschaftlichste“ eingestuft wird.

Was aus den DRK-Mitarbeitern wird, sagt PulsM nicht, verweist an die Stadt, die schließlich Betreiber des Heims sei. Indirekt Position bezogen haben die Münchener gleichwohl. Ausgeschrieben für Brandenburg an der Havel sind aktuell Stellen für Sozialpädagogen, Betreuer, Hausmeister und Reinigungskräfte.

Bei den Beschäftigten des DRK, deren Verträge auslaufen, schrillen nicht nur deshalb die Alarmglocken. Es heißt, am Telefon habe man sie ausgelacht, als sie PulsM nach ihrer Zukunft und möglichen Weiterbeschäftigung fragten. Mitarbeiter vermuten, dass sie mit ihren bisherigen DRK-Gehältern über dem liegen, was PulsM ausgeben möchte. Was die Firma zu zahlen bereit ist, bleibt in den Stellenanzeigen offen. Von „leistungsgerechter Bezahlung“ ist die Rede. Bewerber sollen ihre Gehaltsvorstellung nennen.

Die Beschäftigten der Upstallstraße fürchten, dass sie ihre Jobs selbst bei einem Betriebsübergang verlieren würden, also auch dann, wenn sie einen Anspruch auf Übernahme hätten. Sie vermuten, dass zu viel Zeit ins Land gehen wird, ehe sie ihren Anspruch gerichtlich durchgesetzt hätten.

Das Flüchtlingsthema untersteht im Rathaus dem Sozialbeigeordneten Wolfgang Erlebach. „Das wirtschaftlichste Angebot muss den Zuschlag erhalten“, teilt der Linken-Politiker mit. Stadtverordnete seien nach der Kommunalverfassung nicht an der Vergabe zu beteiligen. Daher blieben sie ahnungslos.

Die Stimmung unter den Arbeitnehmern in der Upstallstraße ist im Keller. Offiziell äußert sich niemand. Doch von „einer großen Sauerei“ ist die Rede. „Fast 30 Leute stehen bald auf der Straße, wissen nicht, was aus ihnen wird“, heißt es.

Über die Politiker der Stadt äußern sie sich enttäuscht: „Herr Erlebach und andere haben sich nicht bei uns sehen lassen.“ Der Linken-Beigeordnete erklärt, die Frage des Betriebsübergangs müssten DRK und PulsM miteinander regeln.

Von Jürgen Lauterbach

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