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Brandenburg/Havel Damen-Doppel verbreitet Aufbruchstimmung
Lokales Brandenburg/Havel Damen-Doppel verbreitet Aufbruchstimmung
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02:15 26.02.2016
Die drei Damen (Mitte Petra Gute) verstehen sich gut. Quelle: Foto: Ro
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Brandenburg/H

Über 100 Menschen sind an diesem Montagabend in das Foyer des Brandenburger Theaters (BT) gekommen. Viele von ihnen hat man geraume Zeit hier nicht mehr gesehen, obschon sie einst zum Inventar zu gehören schienen. Andere blieben immer treu und waren doch unglücklich. Seit 60 Jahren gehe ich jetzt hierher“, sagt der frühere Friseurmeister Eberhard Nitze. „Ich seit 66 Jahren“, setzt eine ältere Damen nach. Sie alle einst: Sie sind nicht glücklich mit dem Zustand des Hauses, das ihnen heute nach der Zerschlagung des Dreispartenhauses nur noch als „Kulturhaus mit Orchester“ erscheint.

Es ist eine Mischung aus Skepsis und Hoffnung, die in den Gesichtern der Besucher steht. Hoffnung, weil vorn auf der kleinen Bühne zwei neue Theater-Gesichter vorgestellt werden: Katja Lebelt, seit Januar künstlerische Leiterin und Gale Mahood, die neue Orchesterdirektorin.

Skepsis, weil sie in den zurückliegenden 15 Jahren schon so viele Hoffnungsträger kommen und gehen sahen, die alle nicht verhindern konnten, dass das Theater im Herzen der Stadt zumindest im Kopf längst an den Stadtrand gewandert ist.

Moderiert wird der Abend von der Reporterin Petra Gute, die Katja Lebelt seit vielen Jahren kennt. Gute erweist sich als geschickte Stichwortgeberin, auf kritische Nachfragen wartet man vergebens. Nun stehen sie also in der Öffentlichkeit: Katja Lebelt aus Stuttgart, die seit Jahren in Viesen lebt und die Amerikanerin Gale Mahood, die nach ihrer Arbeit in Schottland nun erstmals in Deutschland einen Klangkörper managen wird.

Weit entfernt steht Theatergeschäftsführer Jörg Heyne, bisher der starke Mann am BT. Sein Name fällt an diesem Abend nicht. Wie sich die Zusammenarbeit zwischen ihm und dem sich bestens verstehenden Damen-Doppel entwickelt, bleibt abzuwarten. In der Leitungssitzung zuvor soll es zwischen Mahood und Heyne laut geworden sein.

Der erste Teil der Runde dient dazu, die Frauen vorzustellen. Beide sind mit der „Magie des Theaters und der Musik“ groß geworden, beide haben spannende, wenig gradlinige Karrieren gemacht. Lebelt, die als Ausstatterin große und kleine Produktionen an den besten Bühnen „angezogen“ hat und die sich dann mit ihrer Lehnschulzenhof-Bühne nebenher den Traum eines freien Theaters verwirklichte. Mahood, die in einem Kellertheater als Ausstatterin und Kellnerin begann und dann ein Orchester nach dem anderen begleitete und bei Tourneen um die Welt führte.

Der zweite Teil des Abends soll Antworten finden: Welche Erwartungen hat das Publikum an die beiden Theaterfrauen? Und welche programmatischen Wünsche und Sehnsüchte haben die Zuschauer? Dabei geht es also viel weniger als erwartet um die Fragen: Was wollen die beiden Frauen? Welche Pläne haben sie, welche Ziele? Wer Lebelt kennt, ahnt: Energie hat sie für Drei. Und auch Gale Mahood glaubt man gern, dass sie brennt.

Doch einen Etat für Kunst, über die Konzerte der Symphoniker und die Gastspiele hinaus, haben die beiden nicht. Keinen Cent. Wie viel Geld für die Spielzeit 2017/18 (!) zur Verfügung steht, ist offen. Man werde genau hinschauen, wofür das Geld ausgegeben werde, dann wisse man mehr, sagt Lebelt. Vor Tagen haben sich Dietlind Tiemann und Lebelt getroffen. Sie sollen voneinander beeindruckt gewesen sein. Es war ein gutes Gespräch, bestätigen beide. Doch Tiemanns Credo ist: „Wir können nicht wieder aufbauen, was einmal abgeschafft wurde.“ Doch womit und mit wem will man dann Theater machen? Was an diesem Abend verkauft wird, ist Euphorie und ein gutes Gefühl. Ob sich damit Theater machen lässt, bleibt abzuwarten.

Von Benno Rougk

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