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Brandenburg/Havel Damwild verdrückt sich immer mehr
Lokales Brandenburg/Havel Damwild verdrückt sich immer mehr
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13:39 10.10.2017
Eine Jagdgesellschaft beim Legen einer Strecke. Mit diesem Brauch wird dem erlegten Wild die letzte Ehre erwiesen. Quelle: Enrico Kugler
Mittelmark

Wer bei Olaf Andert für die Vorweihnachtszeit Medaillons, Gulasch oder Steaks vom Damwild ordert, muss sich möglicherweise in Geduld üben. Der Wildhändler in Reckahn bekommt in seinem Zerlegebetrieb „Am Weinberg“ das schwindende Jagdglück mittelmärkischer Waidleute zu spüren. „Wegen der seit Jahren rückläufigen Strecke hat sich der Damwildanteil in der Verarbeitung von 20 auf fünf bis zehn Prozent verringert“, berichtet Andert.

Waschbär auf dem Vormarsch

In Potsdam-Mittelmark gibt es derzeit 1350 Jagdausübungsberechtigte, die sich auf 330 Jagdbezirke unterschiedlicher Eigentumsformen verteilen.

Anders als das Damwild erweisen sich die deutlich geringeren Rotwildbestände als stabil. Hochburgen sind das westliche Havelland an der Kreisgrenze und der Raum Treuenbrietzen. Von dort zieht neuerdings Rotwild in Richtung Fläming.

Mink, Waschbär und Marderhund sind als invasive Arten unverändert ein Problem. Vor allem der Waschbär ist zur Plage geworden. 1503 Stück wurden erlegt. Im Vorjahr waren es 1077.

Auch die Zahl der erlegten Füchse hat zugenommen. Sie stieg auf 2510 Stück. Außerdem wurden 444 Dachse gestreckt.

Der Reckahner geht selbst seit über 20 Jahren auf die Pirsch. Die Briesener Berge gehören zu seinem Revier. Andert weiß aus eigener Erfahrung wie sich die Einstände in den Damwildhochburgen des Flämings seit der Rückkehr der Wölfe verändert haben. Unruhe ist in die Wälder gezogen. Nach so mancher Ansitz steht der Jäger mit leeren Hände da. Besonders in den Hegegemeinschaften Nonnenheide/Hagelberg, Nördlicher Fläming und Wiesenburg macht sich das Damwild auf dramatische Weise rar. Selbst abgesenkte Abschusspläne sind unerfüllbar geworden. Am Ende fehlt das Wildbret für die menschliche Ernährung und als Einnahmequelle für die Jäger, die mit dem Verkauf ihre Pachtzahlungen finanzieren müssen.

Wildhändler Olaf Andert zerlegt in seinem Wildhof ein Damwild-Kalb. Schwarzwild macht in der Verarbeitung den größten Anteil aus. Quelle: JACQUELINE STEINER

In ganz Potsdam-Mittelmark hat der Niedergang der Damwildstrecke auch im Jagdjahr 2016/17 angehalten. Den Jägern liefen 2534 Tiere vor die Flinte. „Das sind wieder 200 weniger als im Vorjahr. Im Spitzenzeiten wurden rund 4700 Stück erlegt“, berichtet Torsten Fritz von der Unteren Jagdbehörde des Landkreises bei einem Blick in die jüngste Jagdstatistik. Nur weil es in den noch wolfsarmen Kreisen Oberhavel und Uckermark besser lief, liegt die landesweite Damwildstrecke in etwa auf dem Niveau von 2015/16.

Rätselraten um Altengrabower Wölfe

Noch immer wird darüber spekuliert, ob es tatsächlich die Wölfe sind, die den Jägern die Reviere leer räubern. Zum Konkurrenten ist Isegrim für den Menschen mit Sicherheit geworden. Und es werden immer mehr Wölfe in Potsdam-Mittelmark. Das Rudel auf dem Truppenübungsplatz Lehnin hat es in diesem Frühjahr wohl auf sechs Welpen geschafft. Bei Görzke gilt ein Wurf von zwei Nachkommen als gesichert. Vom Rudel Göritz/Klepzig bei Raben werden ebenfalls sechs Welpen gemeldet. Dazu kommt eine Verdichtung der Population durch weitere Ansiedlungen im Jerichower Land und im Havelland bei Klietz. Gemunkelt wird über ein neues Rudel bei Rädel/Tornow.

Wo sind die Altengrabower Wölfe geblieben? Welpen gab es in diesem Frühjahr keine. Auch Alttiere sind von dem bisher größten Rudel verschwunden. Dafür gab es bei den Wölfen in Lehnin sowie bei Raben und Görzke Nachwuchs. Quelle: Axel Gomille

Überraschend dagegen ist die aktuelle Entwicklung auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow. Bundesforst-Wolfsbeauftragter Klaus Puffer sagte der MAZ: „Wir haben in diesem Jahr keine Welpen nachgewiesen. Außerdem ist die Zahl ausgewachsener Wölfe auf vier gesunken.“ Möglicherweise ist die in den Vorjahren äußerst fruchtbare Fähe nicht mehr am Leben. Sie wäre jetzt immerhin zehn Jahre alt. Doch etwas muss mit dem sonst zweistelligen Rudel passiert sein. Normalerweise nimmt ein Tochtertier die Rolle der alten Fähe ein. Über die Gründe für das zusammengeschrumpfte Altengrabower Rudel mag Puffer derzeit nicht spekulieren. Vielleicht hat der intensivere Übungsbetrieb mit schweren Waffen die Wölfe vergrault. Auch illegale Tötungen sind nicht ausgeschlossen.

Jede Menge Wildschweine

Dass der Wolf die Wälder nicht leer frisst, zeigt die Schwarzwildstrecke. Die Jäger in Potsdam-Mittelmark erlegten im zurückliegenden Jagdjahr 6128 Wildschweine. Eine Rekordstrecke im Vergleich zu 2015/16 mit 4841 Tieren. „Das Schwarzwild vermehrt sich so stark, dass es weder die Jäger noch die Wölfe schaffen den Zuwachs abzuschöpfen“, meint Torsten Fritz von der Unteren Jagdbehörde. Milde Winter und optimale Nahrungsbedingungen befördern die rasante Vermehrung. In Potsdam-Mittelmark sind die obligatorischen Trichinenproben (6,50 Euro) für bis zu ein Jahre alte Wildschweine kostenfrei. „Möglicherweise war dieser Kreistagsbeschluss ein zusätzlicher Anreiz für Abschüsse“, meint Vize-Landrat Christian Stein.

Mit 1503 Waschbären wurden in Potsdam-Mittelmark noch nie so viele Exemplare erlegt wie im Jagdjahr 2016/17. Quelle: dpa-Zentralbild

Das vermehrte Angebot an Schwarzwild drückt den Preis im Ankauf, der teilweise unter einen Euro je Kilo gefallen ist. Damwild hält sich bei 2,50 bis drei Euro je Kilo in der Decke. Nur Rehwild ist teurer. Wildhändler Olaf Andert sieht für das schwindende Damwildangebot keinen Ersatz: „Es gibt Liebhaber, die den besonders mageren und an den Geschmack von Lammfleisch erinnernden Damwildbraten nicht gegen Wildschwein oder Rotwild tauschen wollen.“

An Rehwild fehlt es nicht. Die Strecke hat mit 5048 Stück im Vergleich zum Vorjahr wieder leicht zugelegt. Die Zahl war aber auch schon deutlich höher. Die Rotwildstrecke erhöhte sich von 200 auf 232 Stück.

Von Frank Bürstenbinder

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