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Das Ende der Bischofsresidenz

Reformation in Ziesar Das Ende der Bischofsresidenz

Fünf neue Stelen aus Stahl erinnern in Ziesar an den Einzug der Reformation und die Folgen für Ziesar. Das Nonnenkloster wurde aufgelöst. Die Zeit der Bischofsresidenz ging zu Ende. Auch ein vergessener Sohn der Stadt kommt in der Ausstellung zu Ehren. Er wurde zu einem bedeutenden Reformator. Nur die Hamburger kennen Aepinus (1499-1553) besser.

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Die Stelen sind ein Gemeinschaftswerk: Clemens Bergstedt, Christian Müller-Lorenz, Gemeindepädagoge Matthias Kopp und Hartmut Eberling (v.l.).

Quelle: Bür

Ziesar. Die Stadtkirche war mal katholisch. Es gab ein Kloster. Und bis 1560 war Ziesar sogar Residenz der Bischöfe von Brandenburg. Die von Martin Luther angeführte Reformation wirbelte das Leben in der einst bischöflichen Stadt gehörig durcheinander. Davon erzählen fünf tiefbraune Stelen aus Stahl, die in diesen Tagen ihren Platz im öffentlichen Raum von Ziesar gefunden haben. Drei Standorte befinden sich in Nachbarschaft der Kirche, zwei Stelen wurden auf der Burg aufgestellt, wo die prächtig ausgemalte Kapelle des einstigen Bischofssitzes bis heute der katholischen Gemeinde als Gebetsraum dient.

Hartmut Eberling bei seinem Vortrag über Aepinus in der Stadtkirche

Hartmut Eberling bei seinem Vortrag über Aepinus in der Stadtkirche.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Die weiße und gut lesbare Schrift beschreibt thematisch die mit der Reformation einhergehenden Veränderungen. Zum Beispiel verloren die Zisterzienserinnen mit der Auflösung des Nonnenklosters ihre Lebensgrundlage, aus der bischöflichen Stadt wurde eine kurfürstliche. Doch das Kreuz als Symbol christlichen Glaubens blieb. Daran erinnert Ausstellungsdesigner Detlef Saalfeld, der auf die Idee kam, die Stelen in zwei versetzt angeordnete Hälften zu teilen. Je nach Betrachtungswinkel des Besuchers erscheinen die Umrisse eines Kreuzes mal stärker mal schwächer. Der Macher der Stelen ist in Ziesar kein Unbekannter. Saalfeld wirkte maßgeblich an der Gestaltung der Dauerausstellung im Burgmuseum mit.

Je nach Betrachtungswinkel zeigt sich ein Kreuz zwischen den Hälften jeder Stele

Je nach Betrachtungswinkel zeigt sich ein Kreuz zwischen den Hälften jeder Stele.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Bei einem Festakt in der Kirche St. Crucis aus Anlass des Reformationsjubiläums verwies Christian Müller-Lorenz von der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte (vormals Kulturland Brandenburg) auf insgesamt sieben Städte, die wie Ziesar im öffentlichen Raum an die Ereignisse vor 500 Jahren erinnern. In Brandenburg an der Havel wurde zum Beispiel ein Reformationspfad eröffnet.

Ideengeber für die Ausstellung in Ziesar war Hartmut Eberling vom Kultur-und Heimatverein Ziesar. Der pensionierte Augenoptikermeister und geschichtsinteressierte Bürger fand heraus, das Ziesar einen bedeutenden Reformator hervorgebracht hat, der jedoch in seiner Heimatstadt vergessen ist. Es handelt sich um einen gewissen Johannes Hoeck, genannt Aepinus (1499-1553). Der Sohn eines städtischen Ratsherren brachte es zum Doktor der Theologie, der es eng mit Martin Luther und Philipp Melanchton hielt. „Für die Stadt Stralsund arbeitete Aepinus die erste evangelische Kirchenordnung aus“, konnte Eberling in seinen Vortrag den Gästen der Ausstellungseröffnung berichten. Der Ziesaraner Reformator wurde sogar Hamburgs erster Superintendent und vertrat die Hansestadt in heiklen diplomatischen Diensten. Die Hamburger halten Aepinus, der 1553 in ihrer Stadt begraben wurde, bis heute in Ehren.

Ein Standort ist vor der früheren Klosteranlage

Ein Standort ist vor der früheren Klosteranlage.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Ziesars Museumsleiter Clemens Bergstedt räumte ein, bislang nichts von Aepinus gehört zu haben. Auch für Bürgermeister Dieter Sehm war die Tatsache einen angesehenen Reformator unter den Söhnen seiner Stadt zu haben neu. Wo das Geburtshaus von Aepinus stand, ist leider unbekannt. Im Dreißigjährigen Krieg sind alle Kirchenbücher verbrannt. Immerhin erinnert seit dem vergangenen Jahr eine Bronzeplakette, die im Pflaster neben dem Ärztehaus eingelassen wurde, an den Reformator. Geschaffen wurde das Relief im Rahmen eines Kunstgießer-Symposiums von der Bildhauerin Franziska Schwarzbach.

Bergstedt lobte Eberlings Forschergeist. Die Ergebnisse würden sich nun auf den Stelen wiederfinden, so der Museumsleiter. Die Ausstellung unter freiem Himmel ist auf Dauer angelegt. Die Anfertigung der robusten Stelen war von Kulturland Brandenburg gefördert worden.

Von Frank Bürstenbinder

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