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Das Fräulein vom Amt

Weihnachten im Seniorenheim Das Fräulein vom Amt

Wenn sich Hilda Fuchs auf Weihnachten besinnt, fallen der 94-jährigen Brandenburgerin Kindheitserinnerungen im damaligen Landsberg an der Warthe ein. Es waren die 1920-er Jahre. Später arbeitete sie als Fräulein vom Amt. Es waren dramatische Gespräche in Kriegszeiten, die sie in einem anderen Telekommunikationszeitalter per Hand vermittelte.

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Hilda Fuchs, das frühere Fräulein vom Amt, sieht Weihnachten heute anders als in ihrer Kindheit in den 20-er Jahren im preußischen Landsberg an der Warthe.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Hilda Fuchs hat mehr als neun Jahrzehnte Weihnachten erlebt. Der Blick auf dieses hohe christliche Fest ist für die heute 94-Jährige Bewohnerin des Martha-Piter-Heims in Brandenburg ein ganz anderer als noch in ihrer Kindheit im damaligen Landkreis Landsberg an der Warthe, heute Gorzów Wielkopolski in Polen. Damals, in den 1920-er Jahren, stand Hilda Fuchs’ Weihnachtsbaum in der guten Stube eines kleinen Bauernhofes. Die Eltern waren Landwirte. Hilda Fuchs wuchs als Nesthäkchen mit zwei älteren Schwestern auf. „Ich war immer die Weihnachtsmaus.“ An diesen Heiligen Abenden hängen die schönsten Weihnachtserinnerungen der hochbetagten Frau. Der Christbaum hing voll mit Bonbons und süßem Gebäck. „Meine Eltern schmückten den Baum immer schon ein paar Tage vor Weihnachten. Wenn dann das Fest heranrückte, waren die Plätzchen an hinteren Zweigen schon weggenascht von mir. Daran erinnere ich mich so gerne.“

Als junge Frau begann Hilda Fuchs in Landsberg an der Warthe im Fernmeldeamt zu arbeiten. Von 1939 bis 1945 war sie das dortige Fräulein vom Amt. So „stöpselte“ sie an einem Klappenschrank per Hand eingehende Telefongespräche, vermittelte die Anrufe. „Nur nach Berlin hatten wir eine direkte Leitung.“ Es waren dramatische Gespräche, die Hilda Fuchs technisch zu ermöglichen hatte – es war der Zweite Weltkrieg. Bis sie sich selbst in Sicherheit brachte und nach Braunschweig floh. Auch dort arbeitete sie später in einem Fernmeldeamt, heiratete, doch die Ehe blieb kinderlos. So ist es ihre Nichte aus Berlin, welche die Rentnerin am ersten Weihnachtstag zu sich holt. Auch Heiligabend trinken beide im Seniorenheim einen Kaffee zusammen.

Weihnachten hat für sie nicht mehr die gleiche Bedeutung

„Weihnachten hat heute für mich eine ganz andere Bedeutung“, sagt Hilda Fuchs. „Es ist ein Tag fast wie jeder andere. Das kommt automatisch. Man muss nichts mehr regeln. Man hat Abstand. Und hier im Seniorenheim ist doch jeder auch für sich“.

Wilma Buss im Seniorenheim Martha-Piter in Hohenstücken

Wilma Buss im Seniorenheim Martha-Piter in Hohenstücken. Dort feiert sie auch Weihnachten.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Sozialarbeiterin Ute Schneider weiß: „Die wenigsten Bewohner werden Weihnachten von Verwandten zu sich geholt.“ Für einige gibt es zwischen den Jahren auch „sehr traurige Momente, dann etwa, wenn es das erste Weihnachtsfest hier und der Abschied von zuhause noch frisch ist.“ In der Senioreneinrichtung gibt es Advents- und Weihnachtsfeiern, Andachten und Chormusik, um den Bewohner und ihren Angehörigen die Zeit festlich zu gestalten.

Wilma Buss feiert ohne ihre Familie im Seniorenheim

Eine, die für sich bleibt, ist auch Hilda Fuchs Freundin Wilma Buss. Die ruft ihre Vertraute nur „Füchslein“. Die ebenfalls 94-Jährige sagt: „Hier hat jeder seine Sorgen alleine. Aber die Einsamkeit wird einem doch genommen.“ Jahrzehnte hat die in Gardelegen geborene frühere Krankenschwester für ihren Mann und ihre Tochter Weihnachten den Gänsebraten bereitet. Jetzt sitzt sie im Rollstuhl und ihre Verwandten feiern ohne sie. „ Ich bin nicht wehmütig, ich schiebe diese Gedanken einfach ein Stück zur Seite.“ Und: „Ich kann mit allem leben – ich bin nur froh, dass Frau Fuchs da ist. Es gibt keinen Tag, an dem wir uns nicht sehen.“

Von Marion von Imhoff

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