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Das Haus der 100 Briefkastenfirmen

Brandenburg an der Havel Das Haus der 100 Briefkastenfirmen

Wer auf Briefkastenfirmen stößt, denkt an „Panama Papers“ und Steueroasen in Übersee, an Steuerbetrug und Geldwäsche. Um unseriöse Dinge soll es ab er nicht gehen im Havel-Center von Felix Kröger (57). Der Kaufmann bietet seit einigen Wochen im Stadtteil Nord virtuelle Adressen an, Briefkästen für Geschäfts- und Privatleute. Sie kosten 19 Euro im Monat.

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Christiane Wojatzek empfängt die Gäste, kümmert sich um das Gebäude und natürlich um die virtuellen Postadressen.

Quelle: Rüdiger Böhme

Brandenburg/H. Wer auf Briefkastenfirmen stößt, denkt an „Panama Papers“ und Steueroasen in Übersee, an Steuerbetrug und Geldwäsche. Mit so etwas hat Felix Kröger (57) nichts im Sinn. Der Kaufmann bietet seit einigen Wochen im Stadtteil Nord für 19 Euro im Monat virtuelle Adressen an, also Briefkästen für Geschäfts- und Privatleute. Auch Büros vermietet er dort.

Das Havel-Center Am Industriegelände 3 liegt in Nord, neben dem früheren Dekra-Gelände. Felix Kröger hat das 20 000 Quadratmeter große Gelände aus der Insolvenz für 35 000 Euro gekauft. Denn sein Unternehmen Felix Kröger Fahrzeugbau aus Bargteheide bei Hamburg benötigte Berlin-Potsdam-nahe Flächen für die Vermietung der selbst gebauten Anhänger.

Das Gelände des einstigen Emaillierbetriebs im Industriegebiet bot sich aufgrund seiner beachtlichen Fläche dafür an, Kunden im Osten Deutschlands mit Anhängern zu versorgen. Mit dem Anwesen erwarb Kröger den Plattenbau und nebenan große Hallen.

Briefkästen werden täglich geleert

Die Hallen nutzt Kröger für seinem eigenen Betrieb, zudem hat er Flächen an einen Bootsbauer und eine Autowerkstatt vermieten Auch die Skater in Brandenburg sind Interessiert. Der eigentlich Clou sind die Briefkästen vor dem vierstöckigen Bürogebäude, in dem der Online-Handel Oskar Kinderland zeitweise arbeitete. „Virtuelle Adresse im Havel-Center zu vermieten für monatlich 19 Euro“, wirbt der Kaufmann der Internetplattform Ebay.

Das Havel Center ist ein Plattenbau und Bürogebäude

Das Havel Center ist ein Plattenbau und Bürogebäude. Innen sind die Räume hergerichtet, für Firmengründer und andere Selbstständige.

Quelle: Rüdiger Böhme

Kunden können eine Postadresse kaufen. Deren Briefkästen lässt Felix Kröger täglich leeren. Wer gute Gründe hat, bestimmte Post nicht nach Hause schicken zu lassen, kann sich auf diese Weise behelfen.

Zielgruppe können Privatleute sein, die geheime Post verbergen wollen, vor allem aber Firmen, die kein Büro benötigen, wohl aber eine Zustell-Adresse. Wer eigentlich nicht in Stadt oder Land Brandenburg aktiv ist, weist Präsenz vor Ort nach. Auch ausländische Firmen können sich auf diese Weise eine deutsche Filiale oder zumindest Adresse organisieren, wie das ein Unternehmen aus Polen bereits tut.

Außer den vier Mitarbeitern des Anhängerverleihs steht Christiane Wojatzek in der Rezeption für Kunden und Gäste bereit, führt durch das Gebäude mit seinen 3500 Quadratmetern Nutzfläche, in deren Ausbau der Eigentümer bisher knapp 200.000 Euro investiert hat.

Zu mieten sind ganze Etagen einzelne Büros oder Schreibtische

Interessenten können ein Büro mieten, eine ganze Etage oder auch nur einen ausgestatteten Schreibtisch. Felix Kröger will Firmengründer erreichen, Start-up-Unternehmen. „Ich wünsche mir, dass sie nicht nur die Kaffeemaschine teilen, sondern sich aus wechselseitig unterstützen“, sagt Felix Kröger.

Die familiäre Atmosphäre ist dem Eigentümer wichtig. Daher gibt es auch Gemeinschaftstoiletten und -küchen, Konferenzräume mit kühlen Getränken, Aufenthaltsräume für Raucher und für Nichtraucher.

Als nächstes hergerichtet werden soll die ehemalige Kantine im Erdgeschoss, als Saal mit Bühne und Küche nebenan. Vermieten will der Chef an jeden, der feiern will oder Platz für eine Veranstaltung benötigt. Zwölf Mieter zählt der Geschäftsmann wenige Monate nach dem Start, die Auslastung liege bei 20 bis 25 Prozent. Hinzu kommen die ersten acht Briefkastenkunden, darunter Online-Versandhändler. Sie können entscheiden, was mit ihrer Post geschehen soll, die nicht bei ihnen daheim landen soll.

Kunden können ihre Post öffnen lassen

Die Kunden können ihre Briefe selbst abholen oder sich im vereinbarten Rhythmus in neutralen Versandkartons zusenden lassen. Sie können die eigene Post öffnen und Werbung herausnehmen lassen. Das Geschäft mit den virtuellen Adressen lässt beliebig erweitern. „Steigt der Bedarf, stellen wir einfach weitere Briefkästen auf“, erklärt Christiane Wojatzek.

Die 1988 gegründete Firma Kröger Fahrzeugbau in Bargteheide beschäftigt nach Angaben des Firmenchefs 30 Menschen und erzielt einen Jahresumsatz von 10 Millionen Euro. Felix Kröger: „Ich arbeite 100 Stunden in der Woche, täglich von 7 bis 23 Uhr.“

Von Jürgen Lauterbach

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