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Das Jugendtheater probt Schillers „Räuber“

Brandenburg an der Havel Das Jugendtheater probt Schillers „Räuber“

Schillers „ Die Räuber“ als Musical, das probt derzeit das Brandenburger Jugendtheater. Es ist zugleich in Crossover-Projekt mit den Brandenburger Symphonikern. Leiterin Christiane Ziehl ist fasziniert auch von den Improvisationsideen der Jugendlichen.

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Schüler proben im Brandenburger Jugendtheater „Die Räuber“ von Schiller.

Quelle: Ina Schidlowski

Brandenburg/H. Soll man den Worten Christiane Ziehls glauben, wenn sie sagt: „Es ist schwer, eine Fassung zu machen?“ Ein Kinderspiel ist es sicherlich nicht, aus dem Schauspiel von Friedrich Schiller „Die Räuber“ ein Musical zu basteln, das als Crossover-Projekt mit den Brandenburger Symphonikern geplant ist. Aber es ist eine faszinierende Herausforderung für das Jugendtheater, der sich die Mitglieder um die Schauspielerin und Leiterin Christiane Ziehl mit Beginn der neuen Theaterspielzeit stellen.

Der geliebte und der ungeliebte Sohn

Wie entsteht Gewalt, das ist für die Regisseurin eine Kernfrage des Stückes. „Ich versuche die Jugendlichen mit meiner Leidenschaft zu infizieren“, sagt sie und erzählt von Karl und Franz von Moor, den ungleichen rivalisierenden Brüdern, dem Vater, der den erstgeborenen Sohn Karl besonders liebt und Franz dagegen nicht beachtet. Mit leuchtenden Augen erzählt sie die ganze tragische Geschichte, als hätte sie diese selbst miterlebt. Und tatsächlich zieht Ziehl Parallelen zu Schiller, der als Dreizehnjähriger auf Befehl des Herzogs Karl Eugen in die militärische Karlsschule eintreten muss und unter der Trennung von den Eltern litt, so wie sie als Internatsschülerin in Ziesar die elterliche Nähe vermisste.

Mit Gesten und Körpersprache

Mit Gesten und Körpersprache: Jugendliche setzen das Thema von Schillers Drama von Bruderzwist und Rivalität in Theatersprache um.

Quelle: Ina Schidlowski

Aber wie aus dem Sturm und Drang-Schauspiel von 1782 ein Musical machen? „So wie wir die Sprache Goethes in „Die Werther Story“ mit hinüber genommen haben, soll auch Schillers Text im Drama „Die Räuber“zu hören sein“, sagt Christiane Ziehl. Dazu kommen Musik, Tanz und Gesang. Klassik wird auf Hardrock treffen. Auszüge aus Giuseppe Verdis Oper „I masnadieri“ und die Musik der deutschen Hardrock-Band Bonfire bilden dabei einen starken Kontrast.

Schillers „Räuber“

Friedrichs Werk „Die Räuber“ von 1781 ist ein Drama in fünf Akten und wird der Sturm- und Drang-Strömung zugeordnet. Es beschreibt den Zwist und die Rivalität zwischen den beiden Grafensöhnen Franz und Karl von Moor. Letzterer ist freiheitsliebend und intelligent, der Liebling des Vaters. Franz hingegen, eifersüchtig auf die Liebe des Vaters, ist kalt berechnend. Franz, der zweitgeborene Sohn, versucht das Erbe an sich zu reißen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Zentrales Thema des Dramas ist das Ringen um Recht und Gerechtigkeit. Uraufgeführt wurde es 1782 am Nationaltheater Mannheim. Nach der Veröffentlichung wurde Schiller mit einem Schlag berühmt. „Die Räuber“ ist ein Standardwerk im Deutschunterricht. Es gilt als Meisterwerk .

Die Verdi Oper nach Schillers Drama „Die Räuber“ wurde im Juli 1847 uraufgeführt. 160 Jahre später lieferte die Band Bonfire knallharte Rockmusik live zum Stück „The Räuber“, das am Theater Ingolstadt im Januar 2008 Premiere feierte. Mit Kati Heidebrecht wird sich zu Schauspiel und Musik eine professionelle Choreografin gesellen und ohne Bühnenbildner Thomas Gabriel, der bereits an vielen Jugendtheater-Produktionen mitwirkte, würde Christiane Ziehl nicht arbeiten, wie sie betont.

Christiane Ziehl verfolgt die Proben ihres Jugendtheaters

Christiane Ziehl verfolgt die Proben ihres Jugendtheaters.

Quelle: Ina Schildlowski

„Die Jugendlichen sollen assoziieren, ihre eigenen Gedanken spielen. Daraus entwickeln wir das Stück“, sagt die Regisseurin. Es ist September, die Theaterpause beendet und die Proben beginnen. 17 Jugendliche sitzen im Halbkreis und hören gespannt der kurz erzählten „Räuber“-Geschichte zu. Dann wird es konkret. Neun von ihnen als Mitglieder rivalisierender Räuberbanden eingeteilt, ziehen sich zurück, um sich etwas auszudenken. Vier weitere sollen in die Rollen von Karl und Franz, Amalia und deren beste Freundin schlüpfen. Zwei übernehmen den Vater, den alten Moor und dessen Sohn Franz. Und die letzten beiden überlegen sich eine Szene zwischen Amalia und Franz.

Kreatives und jugendlich spritziges Theater

Etwa eine halbe Stunde später ist im Probenraum kreatives und jugendlich spritziges Theater zu erleben. Von Raub mit Entführungen oder ein Quiz, um sich für den Richtigen zu entscheiden, sprudelt es aus den Mitgliedern des Jugendtheaters nur so heraus.

Spaß macht das Proben auf jeden Fall

Spaß macht das Proben auf jeden Fall.

Quelle: Ina Schidlowski

Seit der „Werther Story“ sind auch Ward Anas Bitar, Moayad Al Kawa und Mohamad Alahmad mit dabei. „Die drei Syrer haben die Atmosphäre verändert“, sagt Christiane Ziehl und schwärmt von deren freundlichen, höflichen Art. „Meine Jugendlichen sprechen alle super Englisch“, sagt sie und so kommen die Syrer, die teils Musiker sind und Erfahrungen aus dem Studententheater mitbringen, leicht mit deutschen Jugendlichen in Kontakt.

Wilde, jugendliche Rebellion, wie zu Schillers Zeiten ist bereits am ersten Probentag zu spüren, auch wenn die Premiere erst im Juli 2017 ansteht. Wer Lust hat mit dabei zu sein, ist gerne gesehen, betont die Leiterin des Jugendtheaters, allerdings sollten Interessenten mindestens 15 Jahre alt sein.

Von Ina Schidlowski

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