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Das Kreuz bleibt draußen

Brielower Kirche saniert Das Kreuz bleibt draußen

Ein letzter Abschnitt der Brielower Kirchensanierung ist abgeschlossen. Die Restauratoren des Familienbetriebes Jacob haben der Apsis ihr ursprüngliche Ausmalung zurückgegeben. Für das große Holzkreuz, das viele Jahre an der übertünchten Wand hing, ist dort allerdings kein Platz mehr.

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Mit der Fertigstellung der Apsis ist die Sanierung der Brielower Kirche abgeschlossen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Brielow. Johannes Jacob zieht die letzten Pinselstriche auf dem rotschwarzen und graugrünen Marmorimitat. Aufgemalte Kassetten aus farbenfroher Leimfarbe überziehen die Apsiswand hinter dem gemauerten Altar. So entsprach es dem Zeitgeschmack von 1873, als die Brielower Kirche ihre dekorative Ausstattung erhielt. Wenn am Sonntag die Maxim Kowalew Don Kosaken zum Adventskonzert anheben, wird nichts mehr an die provisorische Übertünchung der originalen Dekoration mit Latexfarbe zu DDR-Zeiten erinnern. In mühsamer Feinarbeit hat das Ketzürer Restauratoren-Ehepaar Karin und Klaus Jacob den ursprünglichen Farbanstrich der Apsis wiederhergestellt. An der praktischen Ausführung hat ihr jüngster Sohn Johannes mitgewirkt, der seit mehreren Jahren als selbstständiger Kirchenmaler und Restaurator in Wien lebt.

Kosaken und Adventsmusik

Für die Restauratoren Karin und Klaus Jacob hat die Brielower Kirche eine besondere Bedeutung. Die Restaurierung der Kanzel war 1978 ihr erster Auftrag in der Beetzsee-Region, der sie an ihren späteren Wohnsitz Ketzür führte.

Die Brielower Kirche wurde seit 2005 in mehreren Bauabschnitten vor dem Verfall gerettet. Insgesamt wurden rund 300 000 Euro verbaut. Darunter waren die Turm- und Deckensanierung. Außerdem hat die Hülle ihren ursprünglichen Farbanstrich zurückerhalten.

Der Auftritt der Don-Kosaken am Sonntag ist die erste öffentliche Veranstaltung nach der erfolgreichen Sanierung. Am kommenden Dienstag folgt um 18.30 Uhr eine Adventsmusik mit den Bläsern vom Brandenburger Dom.

„Ich bin von der Arbeit begeistert“, schwärmt Brielows Kirchenfördervereinsvorsitzende und Ortsvorsteherin Elisabeth Elsner. Mit der ausgemalten Apsis habe der Innenraum deutlich an Ausstrahlung gewonnen. Rund 20 000 Euro brachten der Förderverein, die Kirchengemeinde und die Denkmalpflege des Landkreises auf, um diesen letzten Abschnitt des vor dem Verfall geretteten Gotteshauses zu vollenden. Die Grundlagen für die Rekonstruktion des Farbanstriches schuf Karin Jacob schon vor zehn Jahren, als sie die ersten Befundstellen freilegte. „Es war eine mühevolle Kratzerei bis unter zwei Anstrichen die Reste der Kassettengliederung zum Vorschein kamen“, erinnert sich die Restauratorin.

Johannes Jacob zieht die letzten Linien auf der Marmorimitation

Johannes Jacob zieht die letzten Linien auf der Marmorimitation.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Auch die Farbgestaltung des Apsisbogen und ein Spruchband unterhalb des Gesims konnten nach historischem Vorbild gestaltet werden. Mit der Abnahme von Formen und dem Schneiden von Schablonen verbrachten die Restauratoren aus dem Familienbetrieb Jacob doppelt so viel Zeit in der Werkstatt wie auf der Baustelle, wo die Gerüste inzwischen gefallen sind.

Mit der Fertigstellung der Apsis besteht Einigkeit bei allen beteiligten Seiten, dass an dieser Stelle kein Platz mehr für das große Holzkreuz ist, das viele Jahre die kahle Wand geschmückt hat. Die Wiederherstellung der Kassettierung ist Schmuck genug. „Ich denke ein Kruzifix auf dem Altar tut es auch“, meint Fördervereinsvorsitzende Elsner. Bekanntlich gibt es Kritik an diesem Plan. So hält es Vereinsmitglied Ingrid Feuerherd für wichtig, dass das Kreuz einen Platz im Kirchenraum behält. Wo das in Zukunft sein könnte, ist noch unklar. Dagegen verweist Kirchenältester Dietrich Schwalbe darauf, dass das Kreuz nie zur Originalausstattung gehörte.

Die Brielower Kirche wurde von einem 2005 gegründeten Förderverein vor dem Verfall gerettet

Die Brielower Kirche wurde von einem 2005 gegründeten Förderverein vor dem Verfall gerettet.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Ein Detail von 1873 werden kundige Kirchenbesucher allerdings auch in Zukunft vergeblich suchen. Die Kirchengemeinde verzichtete auf die Wiederherstellung freigelegter Fragmente des „Auges Gottes“ an der Decke der Apsis. Ein alles sehender Gott sei nicht mehr zeitgemäß, heißt es. Ein himmelblauer Anstrich tut es auch. Nicht zurück kommt ebenso die ursprüngliche Quaderung der Wände des Kirchenschiffes. Allerdings aus Kostengründen.

Von Frank Bürstenbinder

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