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Das Kulturjahr 2016 in der Havelstadt fällt aus

Armutszeugnis für Kulturbeigeordneten Das Kulturjahr 2016 in der Havelstadt fällt aus

Vor Kurzem fiel der linken Stadtverordneten Heidi Hauffe auf, dass sie von dem geplanten „Kultur-Jahr“ in der Stadt Brandenburg gar nichts mitbekommen hatte. Dabei hätte sie es wissen müssen als Mitglied im Kulturausschuss. Folglich schrieb sie eine Anfrage an die Verwaltung. Jetzt hat der Kulturbeigeordnete geantwortet. Überraschung: Das Kulturjahr fällt 2016 aus.

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Der Kulturmanager Tim Freudenberg (li.) und sein Chef, der Kulturbeigeordnete Wolfgang Erlebach.

Quelle: Marion von Imhoff

Brandenburg/H. „Der kulturelle Anspruch und das vielfältige Angebot in unserer Stadt werden 2016 mit einem „Jahr der Kultur“ gefördert und präsentiert.“, heißt es in der im September 2015 unterschriebenen Kommunalpolitischen Vereinbarung, mit der sich CDU und Linke ihr Rathauskoalition festgeschrieben haben. Längst ist klar: Ein „Jahr der Kultur“ wird es 2016 nicht geben.

Vor wenigen Wochen fiel der linken Stadtverordneten Heidi Hauffe auf, dass sie von dem „Kultur-Jahr“ noch gar nichts mitbekommen hatte. Dabei hätte sie es doch wissen müssen und können, als Mitglied im Kulturausschuss der Stadt. Folglich schrieb sie eine Anfrage an die Stadtverwaltung, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ein Anruf unter Genossen hätte es womöglich auch getan. Denn jetzt antwortete ihr ihr Beigeordneter Wolfgang Erlebach (Linke) ebenso hoch offiziell wie unbefriedigend unter dem Oberbürgermeistrinnen-Briefkopf.

Ja, so schreibt Erlebach, im „zurückliegenden Jahr entstand die Idee für ein Themenjahr zur Kultur in der Stadt Brandenburg.“ Bereits „recht frühzeitig“ wurde in der Abstimmung zwischen Touristikern und Kulturakteuren klar, dass sich ein „ganzes Jahr mit kulturtouristischen Angeboten“ nicht umsetzen lässt.

Anfang 2016 – das sollte das Kulturjahr ja schon beginnen – erfolgte dann ein „umfangreiche Veranstaltungsdatenabfrage und Infosammlung“ bei den Veranstaltern und Kulturakteuren. Und nun – oh Wunder – zeigte sich nach „Vorsortierung und Unterlagensichtung“, dass die gesammelten Daten „der 100 Veranstaltungsmeldungen für die Publikationen nicht nutzbar waren“, weil sie „eine enorme Nachbereitung mit Einzelabstimmungen“ notwendig machen würde. Das steht wirklich so in der Antwort des Beigeordneten für Soziales, Gesundheit, Jugend und Kultur, also dem Ressort mit dem größten Einzelhaushalt der Stadtverwaltung.

Diesen ungeplanten Mehraufwand habe die Fachverwaltung nicht erfüllen können, dazu kam die unerwartet Übernahme der Kunsthalle Brennabor durch die Kulturverwaltung. Zu Erinnerung: Erlebach ist Aufsichtsratsvorsitzender des Theaters und hat die Rückübertragung der Trägerschaft vom Theater an die Stadt begleitet. Dass nun seine Kulturverwaltung nun auch noch die kommissarische Museumsleitung übernehmen musste (Erlebach hatte die Museumsleiterin wegen Minderleistung vor die Tür gesetzt aber für keine Nachfolge gesorgt), schien das Fass letztlich ebenso zum Überlaufen zu bringen wie „unvorhersehbare personelle Engpässe im Bereich des Tourismus- und Stadtmarketings, was zu einer „Neubetrachtung der eigenen Aufgabenstellungen“ führte.

Und dann kam als „letzter Erschwernispunkt“ dazu, dass sich wesentliche Programmteile als zu „kostenintensiv und finanziell nicht umsetzbar gezeigt“ hätten. Auch wenn die „Situation insgesamt wenig erfreulich sei“, so schreibt Erlebach in feinster Verwaltungslyrik, würden die Planungen der Kulturverwaltung und der größeren Kultureinrichtungen „bereits intensiv ausgerichtet auf das kommende Jahr laufen.“ So sollte das sein – egal ob Kulturjahr oder nicht auf der Jahresplanung steht. Nun will Erlebach noch die stolzen 15000 Euro (!) retten, die in diesem Jahr im Haushalt für das Kulturjahr eingeplant waren, weil sie auch für 2017 „hilfreich und erforderlich“ wären.

Heidi Hauffe quittierte die Antwort ihres Genossen nur Lachen und Schulterzucken. Den Satz im Kooperationsvertrag habe sie damals schon als Anmaßung kritisiert, unabhängig von ihrer Ablehnung der Zusammenarbeit mit der CDU.

In der STG, die ja wegen ihrer vermeintlichen Schwäche von Erlebach als Verhinderungsgrund mit herangezogen wird, gibt es zu dem Thema keine offizielle Äußerung. Man verweist nur darauf, dass man 2015 eine Bundesgartenschau gestemmt habe. Und dass das Jahr der Kultur nun sang- und klaglos den Bach herunter gegangen sei, dafür solle man doch die Schuld lieber im eigenen Ressort suchen, rät die STG Erlebach.

Von Missmanagement und einem eigenen Verschulden ist in dem Schreiben Erlebachs tatsächlich in keiner Zeile die Rede. Im Internet, wo der Erlebach-Brief bereits die Runde macht, sorgte er für einigen Spott. So schreibt bei Facebook ein ebenso scharfzüngiger wie geheimnisvoller Brandenburger mit dem Alias „Paula Weber“: „Nach der Anwendung von Google-Translate ‚Verwaltung - Deutsch‘ kommt etwa so etwas heraus: Wir hatten erst keine Ahnung, dann keine Idee, anschließend haben wir niemanden gefunden, der uns die Arbeit macht und wollten auch kein Geld ausgeben, so dass uns schließlich auch noch die Zeit weggelaufen ist. Deshalb das ewige Motto: Nächstes Jahr ist Jahr der Kultur!“

Von Benno Rougk

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