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Brandenburg/Havel Das Rätsel um die Geschichte einer Kirche
Lokales Brandenburg/Havel Das Rätsel um die Geschichte einer Kirche
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07:00 26.10.2016
Pfarrer Jonas Börsel in der 72 Meter hoch gelegenen, seit 1914 nahezu ungenutzten Türmerwohnung. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Brandenburg/H

Viele Brandenburger kennen den Ausblick. In alle Richtungen kann schauen, wer die 89 Stufen der Wendeltreppe und danach noch 106 Stufen Holztreppe bewältigt. 72,5 Meter hoch ist der Turm der Katharinenkirche und ebenso hoch gelegen ist die dortige Türmerwohnung. Wenig ist bekannt über sie und ihre Bewohner. Nicht einmal die Denkmalschützer kennen ihre Geschichte.

Pfarrer Jonas Börsel steht nach dem Aufstieg mitten in der Wohnung, von der das Gebälk noch erhalten und deren Grundriss und Zimmeraufteilung gut zu erkennen ist. Doch wer lebte dort und wie lange wurde die höchste Wohnung der Neustadt genutzt? Die Kirchenführer geben darüber keine Auskunft. Der Gemeinde sind wenige Details bekannt.

Der frühere Gemeindepfarrer Michael Kiertscher bestätigt, dass die Geschichte des Türmerstübchens nicht erforscht ist. Er vermutet, dass das Domarchiv zu diesem Thema unerschlossene Quellen birgt. Die Junge Gemeinde hat diesen teil der Kirche in den 50-er Jahren entkernt und somit zugänglich gemacht, berichtet Kiertscher.

Bewohnt wurde das traute Heim in luftiger Höhe von den Türmern und Kunstpfeifern der Gemeinde. Sie läuteten zu den regulären Zeiten und zu besonderen Ereignissen die Glocken und sandten Signale bei Gefahren aus, Belagerungen und sichtbaren Brandherden.

Sicher ist, dass die Türmerwohnung nicht mehr im Originalzustand entspricht. Denn am Morgen des 30. März 1582 um 3 Uhr morgens, stürzte der nach einem Orkan rissige Kirchturm ein. Nach der Überlieferung durch den damaligen Pfarrer Georg Beumchen schliefen in jener Nacht die drei Kunstpfeifergesellen Anton Störtewein, Andreas Drichel und Georg Wolff in der Kunstpfeiferwohnung in den oberen Geschossen des Turmes.

Ihre Mitbewohner, Lehrherr Martin Nehring, seine Frau und sein Kind weilten auswärts in Magdeburg. Störtewein hatte gerade die Stunde ausgeblasen, als der Turm in sich zusammenfiel. Dabei hatten die betroffenen Gesellen ungeheures Glück: Störtewein erlitt eine Ritzwunde am linken Ohr, Drichel bohrte sich ein „derbes Stück Holz“ in die Hüfte und Wolff wurde an einem Bein verletzt. Alle drei überlebten das Unglück, währen die Westwand mit der an ihr aufgehängten Orgel zerschlagen. wurde.

Blick aus der Türmerwohnung. Quelle: V. Maloszyk

Sehr schnell errichtete der Mailänder Baumeister Johann Baptista de Sala den Turm aufs Neue und schloss ihn mit einem „verlorenen Dach“ ab, wie Stadthistoriker Friedrich Grasow schreibt. Die Türmerwohnung, so kalt und zügig sie heutigen Zeitgenossen erscheint, war über Jahrhunderte bewohnbar.

Nach Angaben von Michael Kiertscher wurde sie mit Holz in einem Ofen beheizt. Um an Nahrung zu gelangen, mussten die Bewohner nicht hinabsteigen, sondern versorgten sich mit Hilfe eines Flaschenzugs.

Die alte Kunstpfeifer, vergangene Poesie, schwärmte der Reporter, der am 28. Mai 1929 seinen Aufstieg im Brandenburger Anzeiger schilderte. Nach seinen Angaben saßen die Kunstpfeifer noch bis 1914 im alten Türmerstübchen, gaben die Stunden an, hängten bei Brandgefahr die Feuerlaterne raus. Ihrer Namen jedoch sind Schall und Rauch.

Ein letztes Mal wurde im Jahr 2001 festliche getafelt in der alten Türmerwohnung. Zum 650-Jahr-Jubiläum im Jahr 2001 machten sich junge Leute mit Speis und Trank in ihren Rucksäcken auf den Weg nach oben. Eine Zeit lang danach nutzten die Gemeinde die Wohnung mit den vier Kunstpfeiferecken noch für kleinere Konzerte.

Von 2005 an blieb der Turm lange Zeit für den Besucherverkehr gesperrt, weil die Hölzer der oberen Turmkonstruktion vor 1989 mit dem DDT-haltigen Holzschutzmittel Hylotox behandelt worden waren und sämtlicher Staub dort oben DDT-verseucht. Nach der Sanierung können Besucher den Ausblick an den beiden Wochenendtagen zwischen 14 und 16 wieder genießen und zu bestimmten Anlässen wie dem Türmertag, berichtet Pfarrer Jonas Börsel.

Von Jürgen Lauterbach

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