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Das „blaue Band“ weist Buga-Gästen den Weg

Wegmarken zur Buga Das „blaue Band“ weist Buga-Gästen den Weg

Das „blaue Band“ ist das Markenzeichen der diesjährigen Bundesgartenschau in der Havelregion: Ute Deutz und Rainer Düvell haben das verbindende Element der Havel im Buga-Jahr wörtlich genommen. Das Künstlerduo aus Berlin stellte entlang der Buga-Route riesige blaue „Wegmarken“ auf. Offen ist, was nach der Buga mit den Stelen passieren soll.

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Rainer Düvell und Ute Deutz haben das „blaue Band“ der Havel wörtlich genommen. Ihre Installation verbindet die fünf Buga-Standorte.

Quelle: Düvell/Deutz

Havelregion. Wer auf der Buga-Expressroute zwischen Brandenburg an der Havel und Premnitz unterwegs ist, der könnte bei Pritzerbe (Potsdam-Mittelmark) ins Zweifeln geraten: Riesige, blaue Grashalme wachsen dort auf einer Wiese in den Himmel. Doch keine Sorge! Auto- und Radfahrer können ihren Augen ruhig trauen: Denn was sich im Vorbeifahren zu einer blauen Wand mitten im Nichts zu verdichten scheint, ist keine Fata Morgana. Bei den sechs Meter hohen Stelen, die die Weite der Landschaft wie ein Blitz durchbrechen, handelt es sich um eine Installation des Berliner Künstlerduos Rainer Düvell und Ute Deutz.

Rainer Düvell und Ute Deutz

Rainer Düvell und Ute Deutz.

Quelle: Thomas Uhlemann

Die „Wegmarken“ verbinden die fünf Standorte der Bundesgartenschau (Buga). Überall ist seit dem Beginn der Gartenschau die Rede vom „blauen Band“ der Havel, dem verbindenden Element der Regionen-Buga. In Pritzerbe, Böhne (Havelland) und dem Havelberger Ortsteil Kuhlhausen in Sachsen-Anhalt ist dieses Band kein abstraktes Symbol mehr, sondern Wirklichkeit geworden. Das „blaue Band“ ist an den drei Stationen für alle, nicht nur für diejenigen, die ein Buga-Ticket besitzen, sichtbar.

„Die drei Stationen bilden die gedankliche Brücke zwischen den fünf Buga-Standorten und markieren die großen Zwischenräume“, erklärt Rainer Düvell den Hintergrund des von ihm eigens zur Buga entworfenen Land-Art-Projekts. Da es technisch und organisatorisch unmöglich gewesen wäre, die Wegmarken auf der gesamten Buga-Route von 80 Kilometern zu errichten, hatten Düvell und seine Künstlerkollegin Ute Deutz vorab nach geeigneten Standorten für ihre Installation gesucht. Viele Anträge mussten gestellt, die einheimischen Bauern, auf deren Land die Stelen teilweise stehen, mussten für das Kunst-Projekt gewonnen werden. Insgesamt zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen, bis Düvell und Deutz bei Pritzerbe, Böhne und Kuhlhausen fündig wurden. Alle drei Landschaftsstriche sind geprägt durch weite, freie Wiesen und Felder – ein wichtiges Merkmal, damit die Metallkonstruktion schon von Weitem gut zu erkennen ist. „Wir haben uns bemüht, Standorte entlang der Buga-Route zu finden, wo die Halme für alle sichtbar sind, sowohl für Fußgänger als auch für Autofahrer und Radfahrer“, sagt Düvell.

Die Idee des Architekten und der Designerin ist aufgegangen: Bei Böhne und Pritzerbe lohnt es sich nicht nur für Radfahrer, die auf dem Havelradweg unterwegs sind, das Tempo zu verlangsamen. Aufmerksame Reisende können dort sogar vom Wasser aus und aus der Regionalbahn einen Blick auf die überdimensionalen Wegmarken erhaschen.

Je 45 Halme bilden an den drei Standorten ein etwa 400 Meter langes Band. Wie echtes Gras wiegen die meterhohen Stangen sanft im Wind. Fein ordentlich aufgereiht, gliedern sie die wilde Natur in rhythmisch-sauber getrennte Abschnitte – ein reizvoller Kontrast zur sonst naturbelassenen Landschaft des Havellands. An manchen ufernahen Stellen kommt es vor, dass die Stelen mit dem Fuß im Wasser stehen. Und wie echtes Gras wollen auch die künstlichen Halme gepflegt werden. Erst vor Kurzem rückte Rainer Düvell aus Berlin an, um das wuchernde Grün rund um die Stangen mit dem Rasenmäher zu stutzen. Zwar stehen die Kunsthalme entlang der Havel im Wechselspiel mit der Natur. Wenn aber die Natur siegt in diesem Wechselspiel, sind die Halme am Ende womöglich nicht mehr zu sehen. Um das zu vermeiden, wird der Landschaftarchitekt hin und wieder zum Landschaftsgärtner.

Schon einmal hat es sich Rainer Düvell zur Aufgabe gemacht, die Natur provokant in Szene zu setzen: In Deutschbaselitz bei Bautzen (Sachsen) begab er sich vor drei Jahren auf die Spur des DDR-Künstlers Georg Baselitz, der 1938 in dem beschaulichen Dorf in der Oberlausitz geboren wurde. Für seinen Rundweg, auf dem verschiedene Objekte die malerische Teichlandschaft spielerisch durchbrechen, wurde Düvell 2012 von der Bundesregierung und dem Bundesverband der Deutschen Industrie mit dem Preis „Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Ob seine Wegmarken nach der Buga fester Bestandteil der Region bleiben werden, ist derzeit offen. Abmähen lassen sich die Kunsthalme jedenfalls nicht. Das wäre auch schade, denn sie sind nicht nur ein Hingucker, sondern auch die erste länderübergreifende Installation unter freiem Himmel.

Die Erfinder der „Wegmarken“

Rainer Düvell wurde 1970 in Bernau geboren. Er studierte Architektur und Bildhauerei an der Kunsthochschule in Berlin. Dort sowie an der TU Berlin, der Fachhochschule Lausitz und der BTU Cottbus lehrt Düvell die Themen Wahrnehmung, Entwurf und Rauminstallation.

Ute Deutz, ebenfalls Jahrgang 1970, stammt aus Osnabrück. 1994 absolvierte sie an der Zeichenakademie in Hanau ein Studium zur staatlich geprüften Zeichnerin. Danach ging sie nach Düsseldorf, wo sie an der Fachhochschule Produkt- und Schmuckdesign studierte.

Beide Künstler leben und arbeiten in Berlin. Ihr Atelier befindet sich in der Kreativfabrik Babelsberger Straße.

 

Von Josefine Sack

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