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„Das kann hier zum Modell werden“

Flüchtlinge im sozialen Brennpunkt „Das kann hier zum Modell werden“

Offene Ablehnung auf der einen, Hilfsbereitschaft auf der anderen Seite – die Einwohnerversammlung am Mittwochabend im Brandenburger Stadtteil Hohenstücken ließ die Emotionen hochkochen. Die Redebeiträge vieler Anwohner bewegten sich am Rande der Fremdenfeindlichkeit. Doch es geht auch anders: Positive Signale sendeten Sportvereine und junge Menschen.

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Die ehemalige Kita in der Sophienstraße 49.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg an der Havel. Offene Ablehnung auf der einen, Hilfsbereitschaft auf der anderen Seite – die Einwohnerversammlung am Mittwochabend in der Turnhalle in der Walther-Ausländer-Straße stellte sich ganz anders dar als die jüngste Veranstaltung dieser Art in Kirchmöser. Reizthema des Informationsabends der Verwaltung: die Unterbringung von Flüchtlingen in einer ehemaligen Kindertagesstätte in der Sophienstraße 49.

Wie Sozialbeigeordneter Wolfgang Erlebach (Linke) erklärte, zogen am Donnerstagmorgen die ersten Flüchtlinge in das zweite Geschoss des teilsanierten Objekts ein. Bei den neuen Bewohnern des Übergangsheims handelt es sich um 20 syrische Familien mit Kindern. Schon bald sei auch die erste Etage hergerichtet, so dass hier unter der Regie der Johanniter bis zu 130 Menschen Platz finden – unter einem Dach mit drei bereits dort ansässigen Sportvereinen.

Sportvereine reichen die Hand

Diese signalisierten am Mittwoch ihre deutliche Bereitschaft, sich vor allem der Flüchtlingskinder anzunehmen. „Wir arbeiten bereits seit drei Jahren mit Kindern mit Migrationshintergrund. Wir freuen uns auf die Familien, die zu uns kommen“, sagte Ingo Lorenz vom 1. Brandenburger Kampfsportverein. Für ihn sei klar, „dass Sport für die Integration ein ganz wichtiger Faktor ist“. Man werde nicht nur unter einem Dach und aneinander vorbei leben, sondern versuchen, den Menschen so gut es geht unter die Arme zu greifen und ihnen die Hand zu reichen.

Nicht wenige der rund 100 Stadtteil-Bewohner äußerten lautstark ihren Unmut und offene Ablehnung gegenüber diesen Plänen. Erlebach jedoch parierte jeden noch so stumpfen Kommentar souverän – und bekam Unterstützung von den Hohenstückener Vereinen, Johanniter-Mann Steffen Kirchner und dem Vorsitzenden des Stadtsportbunds, Wolfgang Jumpertz.

Jumpertz weist Hassredner zurecht

Dem platzte nach zahlreichen Tiraden eines hinter ihm sitzenden Gastes die Hutschnur: „Was schüren Sie hier für Ängste? Wo sonst, wenn nicht durch Sport, soll Integration gelingen? Natürlich helfen wir. Und ganz nebenbei kann das hier zum Modell werden.“ Dafür gab’s von den allermeisten Zuhörern lauten Applaus.

Johanniter Steffen Kirchner schlug in die gleiche Kerbe: „Wir laden Sie herzlich ein, vorbeizukommen und das Gespräch zu suchen.“ Gemeint waren diejenigen, die sich klar gegen das Wohnheim positionierten und ganz offen nah an der Grenze zur Hetze und Fremdenfeindlichkeit agierten.

Dass es auch anders geht, bewies ein junger Mann, der sich nach Hilfsmöglichkeiten diverser Art erkundigte. „Wie die Willkommenskultur hier im Stadtteil gelebt wird, liegt an den Brandenburgern“, sagte Kirchner. Gern könne sich jeder bei den Johannitern melden, der Sachspenden oder Tatkraft zur Verfügung stellen will.

Flüchtlingszahlen offen, Suche nach neuem Wohnraum

Wie viele Flüchtlinge die Stadt Brandenburg indes im Laufe des restlichen Jahres aufnehmen muss, ist unklar. Erlebach zumindest lässt sich aktuell keinerlei Prognosen mehr entlocken, da die Zahlen zuletzt von Woche zu Woche nach oben korrigiert werden mussten. Vorsichtige Schätzungen gehen aber von mehr als 800 unterzubringenden Flüchtlingen bis Ende Dezember aus – das sind mehr als doppelt so viele, wie zu Jahresbeginn geplant. „Wir nehmen die Menschen auf, die aus der Erstaufnahmestelle in Königs Wusterhausen zu uns geschickt werden“, sagte Erlebach. Die Verwaltung prüfe darüber hinaus aktuell Standorte im Industriegebiet Upstallstraße sowie den Flugplatz Briest als mögliche Unterkünfte. Oberste Maxime bei der Suche nach Wohnraum bleibt: Die Menschen sollen nicht in Turnhallen oder Zelten untergebracht werden.

Von Philip Rißling

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