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Das schwierige Leben mit Parkinson

Brandenburgerin macht anderen Mut Das schwierige Leben mit Parkinson

Als Parkinson bei Ingeborg Siebenhüner diagnostiziert wird, liegt schon eine lange Leidensgeschichte hinter der Brandenburgerin. Ein Hausarzt hatte ihr die Krankheit verschwiegen. Sie ist energisch, Ärzte sind für sie keine Halbgötter in Weiß. Heute macht sie in Brandenburg/Havel Parkinsonkranken Mut, findet für die Krankheit aber teils drastische Worte.

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Ingeborg Siebenhüner in ihrer Wohnung in Brandenburg an der Havel.

Quelle: Marion von Imhoff

Brandenburg/H. Ingeborg Siebenhüner ist eine energische Frau, eine, für die Ärzte nicht Halbgötter in Weiß sind, die auch schon einmal entgegen eines ärztlichen Rates eine Klinik verlässt, wenn sie anderer Meinung ist als die Mediziner. Und eine starke Frau, die vor acht Jahren ihrem Ehemann den Rücken kehrte, weil der ihr nicht mehr gut tat. So zog sie von Thüringen alleine nach Brandenburg, in die Stadt, in der sie zuvor viele Jahre immer wieder Urlaub gemacht hatte. Hier in Brandenburg leitet Ingeborg Siebenhüner mittlerweile seit nunmehr einem Jahr die Parkinson-Selbsthilfegruppe. Mehrere Jahre lang war sie stellvertretende Leiterin der Gruppe. „Ich muss etwas zu tun haben, sonst geht es nicht.“

Die 75 Jahre alte frühere LPG-Ökonomin leidet seit 17 Jahren selbst an Parkinson und nennt das Leiden die schlimmste Krankheit, die es gäbe. „Weil sie so langwierig ist und nicht heilbar“, erläutert Ingeborg Siebenhüner ihre Ansicht. Wenn sie ihren Tremor beschreibt, das nicht steuerbare Zittern ihrer Arme und Hände, spricht sie von „diesem Gewackel und Gezappel“. Muss die Seniorin zu einer Behörde, entschuldigt sie sich bei ihrem Gegenüber in der Amtsstube und schiebt auf ihrem Stuhl erst einmal die Hände unter ihre Oberschenkel, bis diese sich beruhigt haben.

Seit 17 Jahren leidet sie selbst an der Krankheit

Ingeborg Siebenhüner steht den Parkinson-Kranken in Brandenburg und Umgebung zur Seite. Selbst aus Butzow und Märkisch Luch kommen Betroffene in die Selbsthilfegruppe, die sich einmal im Monat trifft. 26 Männer und Frauen begegnen sich regelmäßig in dem Gesprächskreis, der Älteste wird in diesem Monat 90 Jahre alt, die Jüngste ist Jahrgang 1971. Die allermeisten sind in einem ähnlichen Alter wie Ingeborg Siebenhüner oder etwas älter. Auch um die Ehepartner kümmert sich die Gruppe, ist auch Ansprechpartner für sie. Denn als Angehörige ist es nicht immer einfach, mit dem Nervenleiden des anderen umzugehen.

Als bei Ingeborg Siebenhüner die Krankheit erkannt wird, hatte Parkinson schon mehrere Jahre unbemerkt ihr Leben beeinträchtigt. „Ich schlief schlecht, ich war ständig angespannt, abgekämpft und führte all das auf Stress zurück“. Es war eine Heilpraktikerin, die ihr geradewegs auf den Kopf zusagte, dass sie an Parkinson erkrankt sei. „Ich ging zu meinem Hausarzt und fragte ihn, wie lang er das schon wisse. Der sagte, seit einem Jahr.“ Noch heute „bin ich sauer, dass er mir das nicht erzählt hat“, sagt Ingeborg Siebenhüner.

Schon vor der Diagnose unbemerkt gelitten

Sie nennt ihre Krankheit „Herrn Parkinson“. Der mache ihr immer wieder einen Strich durch die Rechnung in ihrem Leben, in Schüben färbt die Erkrankung des zentralen Nervensystems das Leben Ingeborg Siebenhüners ins etwas weniger freundliche Töne. Zu 50 Prozent ist sie behindert. Morgens in den Tag zu kommen, das gelingt ihr nur schwer. Es kam schon vor, dass sie auf allen Vieren ins Bad kriechen musste, weil es anders nicht ging. Dabei kämpft die Brandenburgerin gegen die Krankheit an. Nimmt morgens schon vor dem Aufstehen die ersten Medikamente, dann macht die Gymnastik.

An ihrer Schlafzimmertür prangt ein großes Poster mit entsprechenden Übungen. Zwei Mal die Woche geht Ingeborg Siebenhüner zur Physiotherapie. Bisher zitterten ihre Hände kaum. „Die waren top.“ Tremor in den Händen, „das fängt jetzt bei mir an, das ist das Schlimmste, was es gibt.“ Laufen kann die Rentnerin schon länger nicht mehr gut. Manche Begleiterscheinung der Krankheit „macht, dass ich mich selbst nicht mehr leiden kann“.

Deutschlandweit leben 350 000 Parkinson-Kranke

Ingeborg Siebenhüner ist klar, dass sie irgendwann in ein Seniorenheim muss wegen ihrer Krankheit. Noch kann sie sich alleine versorgen. Doch es wird schwierig. „Ich höre jetzt manchmal Geräusche, die es gar nicht gibt.“ Nicht immer sei es gut, seine Krankheit jedem mitzuteilen. „Dann wird einem wenig zugetraut.“ Auch diesen Rat gibt Ingeborg Siebenhüner Betroffenen.

Deutschlandweit gibt es nach Angaben der Deutschen Parkinson Vereinigung mit Sitz in Neuss 350 000 Parkinson-Erkrankte. An ihre Krankheit erinnert der Welt-Parkinson-Tag am 11. April. Forscher gehen davon aus, dass sich die Zahl der Betroffenen in den nächsten 20 Jahren aufgrund der steigenden Lebenserwartung verdoppeln könnte. Parkinson ist die häufigste Erkrankung des zentralen Nervensystems. Symptome sind etwa verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifigkeit, Zittern und Gleichgewichtsstörungen.

info: Die Parkinson-Selbsthilfegruppe in Brandenburg an der Havel trifft sich jeden ersten Montag im Monat um 14 Uhr in der Magdeburger Straße 18 b bei der Hauskrankenpflege Jedermann. Weitere Informationen gibt die Brandenburger Informations- und Kontaktstelle für Selbsthilfe unter der Telefonnummer 03381/ 20 99 334.

Von Marion von Imhoff

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