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Dauerstau droht: Packhof wird zum Nadelöhr

Tücken der Stadtentwicklung Dauerstau droht: Packhof wird zum Nadelöhr

Die Stadt Brandenburg an der Havel hat das Bebauen einer 29.000 Quadratmeter großen Fläche auf dem Packhof ausgeschrieben – hier sollen ein Tagungshotel und Wohnungen entstehen. Doch bereits beim Verkehr wird es große Probleme geben.

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Die zugestaute Kreuzung in Blickrichtung Kleine Münzenstraße.
 

Quelle: Maloszyk

Brandenburg/H.  Es droht der Dauerstau: Das verkehrstechnische Erschließen des Packhofes für eine Bebauung mit Wohnungen und/oder Hotel wird deutlich schwieriger als gedacht. Zwar kommt ein Gutachten des Ingenieurbüros für Verkehrsanlagen und -systeme IVAS zu dem Schluss, dass es möglich ist, allerdings nur unter idealen Voraussetzungen.

So müsse beispielsweise die Lichtsignalanlage am Neustädtischen Markt optimiert werden, um eine einigermaßen zufriedenstellende Durchlässigkeit zu erreichen, sagte IVAS-Inhaber Dirk Ohm am Mittwochabend im Stadtentwicklungsausschuss. Das provozierte sofort die Nachfrage der Grünen-Stadtverordneten Martina Marx, wie er das denn schaffen wolle: „Sollen die Fußgänger länger warten? Oder wird die Vorrangschaltung des ÖPNV abgeschafft?“ Antworten bekam sie allerdings nicht. Etwa 20 Anwohner der Kleinen Münzenstraße waren erschienen, um die Diskussion zu verfolgen, mitreden durften sie allerdings nicht. Das geschieht erst während der öffentlichen Bürgerveranstaltung in der kommenden Woche.

Ampel am Neustädtischen Markt muss optimiert werden

„Wir fordern Realismus! In dem Gutachten wird prognostiziert, dass der Abfluss des Autoverkehrs am Neustadt-Markt/Ecke Sankt-Annen-Straße weiterhin möglich sein soll. Schon jetzt staut sich der Verkehr in Spitzenzeiten in alle Richtungen zurück. Bis zum Nettomarkt an der Potsdamer Straße beziehungsweise bis zur Dominsel. Teilweise führen die Schaltphasen der Ampel am Bermudadreieck dazu, dass der Verkehr von der Neustadt-Markt-Kreuzung stadtauswärts gar nicht abfließen kann“, heißt es in einem gemeinsam verfassten Schreiben der Anwohner. Ein Ein- und Ausfahren zum und vom Packhof sei deswegen kaum möglich. Zudem werde es in der Kleinen Münzenstraße noch mehr Lärm und Feinstaub geben, bereits jetzt seien alle Grenzwerte überschritten.

Angesprochen auf den täglich zu beobachtenden Dauerstau sagt Ohm, sein Team habe mehrere Fahrten aus allen Richtungen unternommen, die durchschnittliche Wartezeit an der Kreuzung habe bei weniger als 70 Sekunden gelegen. Die meisten Zuhörer machen allerdings beinahe täglich andere Erfahrungen.

Kleine Münzenstraße wird zur Einbahn

Die Kleine Münzenstraße soll Einbahnstraße werden und zum Packhof hinführen, hinaus soll es über die Augustastraße gehen, die dafür geöffnet werden muss. Bereits heute wird die Kleine Münzenstraße pro Tag 2200 mal befahren, weitere 1250 Fahrzeugbewegungen kommen hinzu, wenn der Packhof maximal bebaut ist. Das ist zu viel, befindet die CDU-Stadtverordnete Birgit Didzuneit-Sandhop. „Es ist richtig, dass ich für das Ausschreiben der Packhofbebauung gestimmt habe.

Doch halte ich die Verkehrsführung für sehr problematisch. Man sollte darüber nachdenken, den Verkehr herauszunehmen und für Bewohner und Gäste eine Brücke zum Packhof zu bauen.“ Das sei theoretisch denkbar, sagt der Stadtentwicklungsbeigeordnete Michael Brandt (CDU). „Wenn sie im Bebauungsplanverfahren verkehrsarmes oder verkehrsfreies Wohnen vorgeben, ist dies möglich. Allerdings haben wir den Packhof nicht so ausgeschrieben, das war nicht unser Arbeitsauftrag.“

Die Szenarien und der Verkehr

Derzeit gibt es innerhalb von 24 Stunden 2200 Fahrzeugbewegungen in der Kleinen Münzenstraße, in der Spitzenstunde am Nachmittag sind es 175.

Im Szenario „Null“, in dem nur leerstehende Häuser saniert und Baulücken geschlossen werden, kommen mit 70 Einwohnern etwa 100 Fahrten hinzu.

Im Szenario „Nur Wohnen“ sind es 310 Bewohner und 350 Kfz-Bewegungen mehr.

Kommt die Bebauung mit Hotel und Wohnungen, ergibt sich an normalen Tagen ein Plus von 660 Fahrzeugbewegungen, an Spitzentagen sind es 1250. Dann ist die Verkehrsbelastung um 57 Prozent höher als heute.

Uta Sändig (Linke) sagte: „Brandenburg hat ja immer erst bemerkt, dass es noch andere Verkehrsteilnehmer gibt, wenn der Autoverkehr durchgeplant war.“ So gebe es im Gutachten keine Aussagen zu den Radfahrern. Und dem sachkundigen Einwohner Christoph Kirch fiel auf: „Es wird kein Wort gesagt zur Schulwegsicherung, dabei sind zwei Grundschulen und ein Gymnasium in unmittelbarer Nähe.“ Das sei Bestandteil späterer Planungen, wurde ihm beschieden.

Von einem Parkhaus wird dringend abgeraten

Deutlich wurden die IVAS-Planer allerdings beim Thema Parkhaus: Von einem öffentlich nutzbaren Parkhaus – wie es teilweise schon in die Diskussion gebracht wurde – raten sie dringend ab, das würden die Straßen nicht auch noch verkraften. Das geplante Parkhaus mit 550 Plätzen für Anwohner und Hotel- beziehungsweise Tagungsgäste sei ohnehin reichlich dimensioniert, es dürften auch um die 400 Stellplätze genügen, sagt Brandt.

Am Schluss der Diskussion wurde Ohm deutlich: „Damit es funktioniert, müssen alle von uns empfohlenen Maßnahmen komplett umgesetzt werden. Es funktioniert nicht, erst die Hauptinvestition zu tätigen und danach zu sagen, mal sehen, was wir noch brauchen.“ Nach ersten Schätzungen kostet das Umbauen und Instandsetzen der Straßen rund 2,5 Millionen Euro.

Bürgerversammlung: Eine öffentliche Diskussion zur Verkehrserschließung des Packhofes gibt es am Mittwoch, 20. April, ab 17 Uhr im Rolandsaal des Altstädtischen Rathauses.

Von André Wirsing

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