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Brandenburg/Havel Riva-Arbeiter schädigen Landschaftsschutzgebiet – Umweltamt ermittelt
Lokales Brandenburg/Havel Riva-Arbeiter schädigen Landschaftsschutzgebiet – Umweltamt ermittelt
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20:24 15.03.2019
Der Biber in Neuendorf bekam unerwünschten Besuch. Sein Bau wurde bei den Arbeiten im Wald zugeschüttet und überplaniert. Quelle: privat
Brandenburg/H

Schwere Baumaschinen, aufgeschüttete Erde und ein eingeebneter Biberbau im Landschaftsschutzgebiet. Bürger aus Neuendorf klagen über „ein grobes und rücksichtsloses Umweltvergehen“ in ihrer Nachbarschaft, das sie dem Riva-Unternehmen BES zuordnen.

Bürger in Neuendorf haben den Eingriff in die Natur beobachtet. Bauarbeiter haben sich offenbar wie die Axt im Walde benommen im Landschaftsschutzgebiet. Selbst ein Biber und sein Bau waren vor ihnen nicht sicher.

Bauarbeiter haben demzufolge vor wenigen Wochen auf dem als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenen Gelände große Zerstörungen angerichtet, meldeten Janine und Armin Lamla kurz darauf den städtischen Naturschützern. Die Stadtverwaltung hat daher ein Verfahren eingeleitet.

Gelände ist Eigentum der Elektrostahlwerke

Das fragliche Gelände an Havel und Breitlingsee befindet sich offenbar im Eigentum der Brandenburger Elektrostahlwerke. Es gehört zum Brandenburger Wald- und Seengebiet und ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

Dennoch haben Bürger Anfang März beobachtet, wie Absperrarbeiten im Feuchtgebiet an der Havel und am Breitlingsee vorgenommen wurden. „Schwere Baumaschinen durchquerten das Feuchtgebiet am See, schütteten Erde auf und planierten Fahrwege für den Bau eines Zauns“, schreibt Armin Lamla der Verwaltung.

Der Zaun des Anstoßes. Das Riva-Stahlwerk hat sein Gelände aber noch nicht vollständig eingezäunt. Quelle: HEIKE SCHULZE

Dabei habe niemand Rücksicht auf die Pflanzen- und Tierwelt genommen. Der Bürger: „Es wurde zum Beispiel einfach ein großer Biberbau zugeschüttet und überplaniert.“ Bewohner hätten sogar Fotos von dem verschreckten Tier gemacht, das gesetzlich streng geschützt ist.

Naturschutzbehörde wird aktiv

Die untere Naturschutzbehörde prüft inzwischen, ob alles mit rechten Dingen zugeht. „Mittlerweile ist ein Verfahren eingeleitet“, teilt Fachgruppenleiter Hans-Joachim Freund auf Anfrage mit. Aufgrund des laufenden Verfahrens könnten keine Auskünfte erteilt werden.

Gewiss ist gleichwohl, dass städtischen Naturschützern die Bauarbeiten von Riva nicht bekannt. Deshalb haben sie die Bürger um Angaben gebeten, wo genau das Unternehmen einen Zaun gebaut und Eingriffe vorgenommen hat.

Landschaftsschutz und Biberschutz

Die Verordnung zu einem Landschaftsschutzgebiet enthält Verbote und Genehmigungsvorbehalte, die den Landschaftsraum vor Zerstörung und Beeinträchtigung, beispielsweise durch Baumaßnahmen oder Infrastrukturmaßnahmen, schützen sollen, erklärt die Stadtverwaltung auf ihrer Internetseite.

Landschaftsschutzgebiete (kurz LSG) sind schließlich rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, die der Erhaltung und Wiederherstellung von Natur und Landschaft, der Erhaltung des Naturhaushaltes sowie dem Schutz oder der Pflege von Landschaften dienen. Wichtig ist in Landschaftsschutzgebieten der Erhalt der Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes und der Kulturlandschaft sowie ihre Bedeutung für eine naturnahe Erholung.

In Brandenburg an der Havel gibt es folgende Landschaftsschutzgebiete: Brandenburger Wald- und Seengebiet (7367 Hektar), Westhavelland (2493 Hektar), Brandenburger Osthavelniederung (915 Hektar) und Zingelheide (97 Hektar).

Der Biber gehört gemäß Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung zu den streng geschützten Arten. Die Tiere dürfen an ihren Wohn- und Zufluchtsstätten nicht durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen gestört werden.

Tatsächlich steht inzwischen ein etwa 2,40 Meter hoher Stabmattenzaun im Wald. Das Bauwerk endet plötzlich, vermutlich sollen die Arbeiten fortgesetzt werden.

Die Geschäftsführung des Elektrostahlwerks teilt auf Anfrage mit, es handele sich ausschließlich um „Grundstückssicherungsmaßnahmen“. Weiter heißt es: „Wir haben – wie alle Grundstücksbesitzer – die Pflicht, unser Gelände zu sichern und den unbefugten Zutritt auszuschließen. Diese Maßnahmen ruhten – wie jedes Jahr – witterungsbedingt in den Wintermonaten.“

Fragen werden nicht beantwortet

Die weiteren Fragen der MAZ beantwortet das Unternehmen allerdings nicht, nämlich auf welcher rechtlichen Grundlage gebaut und in die Natur eingegriffen wurde und wer gegebenenfalls die Genehmigung für das Bauprojekt erteilt hat.

Ein weiterer Maschendrahtzaun wurde vor schon etwas längerer Zeit im Stadtteil errichtet, und zwar parallel zur Straße Binsenkutte in Richtung Wall. Auch dort ging es dem Unternehmen um die Sicherung des Eigentums – etwa vor Hunden, die dort mit ihren Besitzern Gassi gegangen sind.

Von Jürgen Lauterbach

Sarah Wollny und Stefanie Voigt sind erfolgreiche Frauen im Einzelhandel. Der eine Supermarkt liegt im ländlichen Brielow, der andere in bester Brandenburger Citylage. Die MAZ zeigt, was sie verbindet und was unterschiedlich ist.

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